„Nicht diffamierend oder rassistisch“ – Spiegel-Chef Brinkbäumer wehrt sich gegen Kritik am Griechen-Cover

Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer verteidigt das umstrittene Spiegel-Cover „Unsere Griechen“
Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer verteidigt das umstrittene Spiegel-Cover "Unsere Griechen"

Publishing Bereits zum zweiten mal innerhalb kurzer Zeit muss Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer nachträglich erläutern, wie ein Spiegel-Titel gemeint ist. Das erste mal war dies bei "The German Übermacht" der Fall, bei dem Kanzlerin Merkel mit Nazis vor der Akropolis gezeigt wurde. Aktuelles Titelbild des Anstoßes ist "Unsere Griechen - Annäherung an ein seltsames Volk". Dafür hagelte es reichlich Kritik. Brinkbäumer rechtfertigt das umstrittene Cover als Satire.

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„Darf man in Krisenzeiten dennoch Humor haben? Karikaturen drucken? Auf einem Titelbild? Ja, natürlich. Karikaturen spielen mit Schwächen und Peinlichkeiten und überzeichnen Klischees und bleiben doch satirisch humorvoll, auch in Krisenzeiten.“ Mit diesen Worten rechtfertigt Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer im Spiegel-Blog das aktuelle Cover des Spiegel, das einen Deutschen und einen Griechen beim Sirtaki zeigt. Während der Spiegel-Grieche rauchend das Ouzo-Glas schwenkt, greift der Deutsche im WM-Trikot angstvoll an seine prall gefüllte Brieftasche.

Brinkbäumer bittet Kritiker des Covers auf die Details zu achten:

Achten Sie bitte auf die Details, die Blicke der zwei Tänzer, die Körpersprache, die Kleidung. Viele Deutsche verstehen Griechenland und seine Handlungen, zuletzt die Volksabstimmung, nicht. Vielleicht liegt das an den Griechen, vielleicht an der griechischen Regierung, vielleicht liegt es aber auch an den Deutschen oder jedenfalls daran, dass es in Deutschland ein schiefes Griechenland-Bild gibt.

Viele haben offenbar nicht auf diese vom Spiegel-Chef angesprochenen Details geachtet. Über das Wochenende sammelte sich im Social Web eine Menge an Kritik zu dem Titelbild an. Die Erläuterungen des Chefredakteurs ließen die kritischen Stimmen nicht verstummen.

Das Satiremagazin Titanic verballhornte das Cover, indem statt „Griechen“ „Juden“ eingesetzt werden:

Der neue Spiegel-Titel im TITANIC-Startcartoonwww.titanic-magazin.de/abo

Posted by Titanic-Magazin on Sonntag, 12. Juli 2015

Den impliziten Vorwurf des Rassismus, der von Seiten der Titanic erhoben wird, will Spiegel-Chef Brinkbäumer nicht auf sich sitzen lassen. Gegenüber MEEDIA sagt er:

Diesmal ist es ein leichtes Cover, humorvoll, eine gelungene Illustration; und das „unsere“ der Zeile spiegelt sich in dem Blick des spießigen Deutschen, weil es bei diesem Thema auch um Standorte und Blickrichtungen geht. Es ist ein subtiler, runder Titel und vor allem: eine Karikatur! Das Bild hat nichts Diffamierendes oder gar Rassistisches. 

Generell könnte man es problematisch finden, wenn man die gewünschte Aussage eines Titelbildes im Nachhinein erklären muss. Dem Spiegel ist das jetzt innerhalb recht kurzer Zeit sogar schon zum zweiten mal passiert. Am 21. Märze titelte der Spiegel „The German Übermacht“ und zeigte Angela Merkel inmitten von Nazis an der Akropolis. Thema: „Wie Europäer auf die Deutschen Blicken“. Auch dieses Cover zog viel Kritik auf sich, auch dieses Cover wurde von Spiegel-Chef Brinkbäumer im Nachhinein erklärt:

Angela Merkel ist ausgeschnitten und mit Klebestreifen eingefügt worden; absichtlich plump also, damit das Titelbild an jene Karikaturen erinnert, die die Kanzlerin mit Hitler-Bart zeigen. Wir zitieren, ironisieren und verfremden einen Blick von außen und die Vermischung von deutscher Geschichte mit deutscher und europäischer Gegenwart.

Auch hier war das Titelbild also offenbar karikierend gemeint. Brinkbbäumer sagt auf Nachfrage, dass er es mit der Offenheit ernst meint: „Wir ducken uns nicht weg und stellen uns Kritik und Debatten gern, das macht Freude und gehört in der modernen Medienwelt dazu. Wutwellen im Internet kann man nur durch Auseinandersetzung kontern oder zumindest mildern, und unsere Leserinnen und Leser verdienen ohnehin ernsthafte Antworten.“ 

(swi)

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Alle Kommentare

  1. Es wird immer peinlicher. Schon die „Trümmerfrau“ Merkel war voll daneben, denn Trümmerfrauen halfen einstmals beim Aufbau.

  2. Könnte vielleicht der SPIEGEL für sich in Anspruch nehmen…, aber mit so etwas…, mit dem Leid der meisten Griechen brüstet sich noch der ( Hr. ) Brinkbäumel

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