YouTuber trifft Kanzlerin zum Interview: Ist LeFloid der bessere Politik-Journalist?

Premiere für die Kanzlerin: Am heutigen Freitag empfängt Angela Merkel einen ungewöhnlichen Interviewer: YouTube-Star LeFloid kommt ins Kanzleramt und hat spezielle Fragen dabei. Drei Tage lang sammelte er sie unter dem Hashtag #NetzfragtMerkel ein. Eine besonders spannende Frage für die Beobachter ist, ob diese besondere Aktion auch zu einem besonderen Ergebnis führt.

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Wer über die vergangenen Tage das Hashtag #NetzfragtMerkel allein bei Twitter verfolgt hat, der weiß, dass der irre Rücklauf für LeFloid ein logistisches Problem darstellen dürfte. Tausende Tweets mit Fragen und Anregungen für das Interview, das am kommenden Montag bei YouTube veröffentlicht wird, sind eingelaufen, aus denen der 27-Jährige YouTube-Star eine Auswahl für das Kanzlerinnen-Interview treffen will. Eine nicht repräsentative Stichprobe von MEEDIA zeigt, dass die Netzgemeinde durchaus positiv auf das LeFloid-Projekt reagiert.

Griechenland, Homo-Ehe, NSA und die Legalisierung von Cannabis: Die Netz-Generation ist politisch. „Wie können sie guten Gewissens schlafen, wenn Sie in Griechenland den Armen das Geld nehmen und den Reichen zustecken?„, „Wie fühlt es sich denn an, konservativer als die Amerikaner zu sein, was die Homo-Ehe angeht?„, „Was für eine Schuld haben wir der USA gegenüber, sodass wir uns alle ohne Konsequenzen abhören lassen?„, „Warum wird Cannabis eigentlich nicht legalisiert und das dadurch eingesparte Geld in Prävention gesteckt?„.

Angela Merkel kann am morgigen Freitag wohl vor allem eines erwarten: Die Fragen werden direkter, persönlicher und zum Teil sicherlich auch skurriler. Falls LeFloid beispielsweise die Frage stellt, weshalb Merkels Raute zum Markenzeichen geworden ist, wird nicht nur spannend sein, ob sie mit Humor reagiert. Sondern auch, ob sie die diese Geste tatsächlich erklären kann. Gleiches gilt für Fragen nach den Stühlen im Bundestag.

LeFloid ist wohl der einzige YouTuber, der in Frage kommt

Man darf gespannt sein, wie LeFloid sein Interview gestalten wird. Sein YouTube-Format „LeNews“ wird oft als „Tagesschau“ für die Generation YouTube bezeichnet. Darin greift der Psychologie-Student, der im zivilen Leben Florian Mundt heißt, aktuelle Themen auf und ordnet sie für seine Zuschauer ein. Oft drückt er sich dabei überspitzt und mit einer gewissen Coolness aus, die junges Publikum anspricht. Ein reiner Spaßvogel ist er aber nicht, er hat durchaus echtes Interesse am Weltgeschehen. LeFloid zählt im Vergleich zu all den Beauty-Expertinnen und Comedy-Vloggern zum Bildungsfernsehen im YouTube-Universum.

Und doch fällt es schwer einzuschätzen, wie das Interview zwischen ihm und der „mächtigsten Frau der Welt“ – oder der „jungen Frau“, wie LeFloid sagt – ablaufen wird. Wird er die Kanzlerin mit den teils skurrilen Fragen versuchen bloßzustellen oder kann er ihr auf charmante Art und Weise Äußerungen entlocken, die sie in der Öffentlichkeit noch nicht gemacht hat?

Unklar sind auch die Rahmenbedingungen unter denen das Interview abläuft. Merkels spezieller Interview-Partner hält sich im Vorfeld des Gespräches bedeckt. Er selbst sieht in sich eher als einen Entertainer als einen Journalisten – ein „Claus Kleber des Internet“ will er nicht sein. Niemand weiß, mit wie viel Ernsthaftigkeit LeFloid in dieses Gespräch hineingeht. Niemand weiß, welche Absprachen es gegeben hat. Veröffentlicht wird das Gespräch am kommenden Montag. Es bleibt also jede Menge Zeit, das Endprodukt zu bearbeiten. Vorab-Interviews zu seinem Merkel-Interview wollte er nicht geben, teilte LeFloids Managerin via Twitter mit:

Neben solchen Zeitgenossen, die echtes Interesse zeigen, gibt es aber natürlich auch die üblichen Spaßvögel und Krawallbrüder. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen ist sicher keine einfache Aufgabe.

Interview hat sich für die Bundesregierung schon jetzt gelohnt

Für die Regierung hat sich das Interview aber schon jetzt gelohnt. Denn tatsächlich haben Merkel und ihre Berater einen riesengroßen PR-Hit gelandet. Die Kanzlerin zeigt sich offen für das „Neuland“ und gibt einem Vertreter der Generation Internet ein Interview. Dabei dürfte Merkel vor allem eines im Sinn haben: LeFloids Stammzuschauer im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Seine Videos knacken regelmäßig die Millionenmarke. Für LeFloid bleibt zu hoffen, dass er das Treffen tatsächlich als Interview versteht – es wäre schade, würde er auch nur Frage für Frage durchgehen, ohne bei den Antworten der Kanzlerin nachzuhaken.

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