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iPhone-Sättigung: Die Rückkehr von Apples Wachstumssorgen

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Apple-Chef Tim Cook: An der Wall Street wieder auf Allzeithochs

Erstmals seit über einem Jahr befindet sich die Apple-Aktie wieder offiziell im Korrekturmodus: 11 Prozent notiert das Papier inzwischen unter den Allzeithochs vom April – nach einem erneuten Kurseinbruch tauchten die Anteilsscheine gestern auf den tiefsten Stand seit über fünf Monaten ab. Ein Analyst warnt vor dem Auslaufen des iPhone-Zyklus, während Marktforscher der Apple Watch immer desaströsere Verkäufe bescheinigen. Nach einem Jahr des Börsenhöhenflugs kehrt der Druck auf CEO Tim Cook wieder zurück.

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Fast eineinhalb Jahre hatte Tim Cook Ruhe. Zwei Ereignisse, die auch singulär bereits für deutliches Aufwärtsmomentum gesorgt hätten, beförderten Apple im vergangenen Jahr gemeinsam noch einmal in die beste aller Welten: Der Vertragsabschluss mit China Mobile und der Launch der seit Jahren sehnlichst erwarteten großen iPhones. Die Folge: Einige Quartale Hyperwachstum wie in den goldenen Zeiten zwischen 2010 und 2012, als sich der iPhone-Hype vollauf entfaltete.

Um enorme 48 bzw. 40 Prozent legten die Gewinne je Aktie in den vergangenen beiden Quartalen zu – und es sieht danach aus, als könnte auch im abgelaufenen Juni-Quartal ein Gewinnzuwachs in diesen Dimensionen vermeldet werden. Das ist für ein Unternehmen, das zwischen 50 und 70 Milliarden Dollar pro Quartal Umsatz macht und dabei zwischen 10 und 18 Milliarden Dollar verdient, eine enorme Dynamik.

Sättigung der iPhone-Nachfrage absehbar

Apples Problem: Es ist ebenfalls eine Anomalie, die in der angebrochenen zweiten Jahreshälfte auslaufen dürfte, wenn sich die Einmaleffekte des iPhone 6-Booms und des Nachfragehungers von China Mobile verbraucht haben.

Die gestern kolportierten Bestellmengen von 90 Millionen neuen iPhones bis Jahresende deuten – möglicher neuer Verkaufsrekord hin oder her – bestenfalls noch auf eine marginale Absatzsteigerung hin – gut möglich aber auch, dass Apple im kommenden Weihnachtsquartal erstmals seit Einführung des Kultsmartphones vor acht Jahren rückläufige Absätze zu beklagen hat.

Analyst Toni Sacconaghi von der Investmentbank Sanford C. Bernstein hat die aufkommenden Wachstumssorgen in einer Kurzstudie gestern kommentiert. Tenor: Eine Sättigung der iPhone-Nachfrage ist unvermeidlich. Während Sacconaghi einerseits damit rechnet, dass Apple das Premiumsegment der Smartphones mit Preisen oberhalb von 600 Dollar noch auf Jahre weiter dominieren wird, rechnet der Bernstein-Analyst gleichzeitig mit einem Erreichen der Wachstumsgrenze in den nächsten 6 Monaten bis zwei Jahren.

Schwerer Flop-Verdacht: Apple Watch-Nachfrage kollabiert komplett

In anderen Worten: Die Zeitenwende kann bereits mit dem iPhone 6s oder mit dem iPhone 7, spätestens aber mit dem iPhone 7s vollzogen werden. Die schlechte Nachricht für Cupertino: Keine andere Produktsparte ist auch nur annähernd in der Lage, in die Bresche zu springen: Der Mac-Unit schlägt sich erstaunlich robust, ist aber kaum dazu in der Lage, dauerhaft in weitaus größeren Dimensionen zweistellig zu wachsen.

iPad und iPod liefern sich einen traurigen Wettkampf um den schnelleren Schrumpfkurs, während der neue Hoffnungsträger, die Apple Watch, immer deutlichere Zeichen eines brutalen Flops trägt. Der Marktforscher Slice Intelligence berichtete diese Woche von einem astronomischen Einbruch um 90 Prozent gerade mal 5.000 Apple-Uhren würden nach Slice-Informationen aktuell in den USA verkauft: Das ist nach jeder Lesart eine Vollkatastrophe für ein neues Apple-Produkt, zumal auf dem Gipfel der Markenbeliebtheit.

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Anleger wenden sich von Apple ab

Während Tim Cook Dienstag übernächster Woche noch einmal eine gigantische Quartalsbilanz auf dem Zenit des iPhone 6-Erfolges präsentieren dürfte, bleibt gleichzeitig die Frage, wie lange der CEO die Apple Watch, die nach der endlosen Verschiebungs-Odyssee gefühlt immer noch wie ein Fremdkörper wirkt (ist sie endlich, endlich, endlich auch im Store erhältlich, kann man sie wirklich auch kaufen, mitnehmen und nicht nur angucken – und will man sie aber nach den vernichtenden Erstkritiken und der ewigen Warterei überhaupt noch?), noch im iPhone-Erfolg verstecken kann. Allerspätestens, wenn das iPhone Schwächesignale sendet, werden Anleger das neue Wearable aus Cupertino, das sogar immer noch dem Fitness-Marktführer Fitbit hinterherhechelt, sehr kritisch hinterfragen. Dass Aktionären die Perspektiven gar nicht gefallen, machten die letzten Handelstage deutlich.

Seit Wochenbeginn hat die Apple-Aktie mehr als 5 Prozent an Wert verloren und ist im gestrigen Handelsverlauf auf ein neues 5-Monatstief durchgereicht worden. Seit fünf Tagen in Folge fällt die Apple-Aktie nun schon.

Die einjährigen Flitterwochen an der Börse – sie neigen sich für Tim Cook kurz vor dem iPhone 6s-Launch bedenklich dem Ende entgegen. Vermögensverwalter Doug Kass, der 2012 nach dem iPhone-Launch auf den Tag genau den kommenden dramatischen Einbruch voraussagte, setzt seit Wochen auf fallende Apple-Kurse – und überzieht den wertvollsten Konzern obendrein wieder mit martialischer Metaphorik: „Der General wurde erschossen“, twitterte Kass gestern in den Kurssturz hinein.

Bleiben am Ende nur noch zwei Fragen: Wann folgt der nächste Tweet von Großaktionär Carl Icahn, der – was selten genug vorkommt – diese Woche mit Apple-Aktien rund 250 Millionen Dollar einbüßte – und wann das nächste vermutlich gereizte Dinner mit Tim Cook?

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Alle Kommentare

  1. Klickbaiting – nach langer Zeit mal wieder drauf reingefallen. Ärgerlich.
    Man sollte keine Meedia-Texte zu Apple lesen. War immer Käse – so auch jetzt. Hier werden Analysten zitiert, die kein Mensch in Bezug auf Apple ernst nimmt und die sich zu Zahlen äußern (Watch), die niemand einschätzen kann. Die größte Schwäche des Stücks ist allerdings, dass der Autor den eigentlichen Auslöser für den Selloff bei AAPL in den vergangenen Tagen nicht mal ansatzweise in den Blick nimmt: Die Sorge, dass sich die chinesische Konjunktur aufgrund des Börsencrashs negativ auf den Konsum von preisintensiven Luxury-Goods auswirken wird. Da Apple einen relevanten Teil seines Wachstums aus China holt, ist das eine Befürchtung mit einer gewissen Berechtigung, die jedoch nichts mit dem aktuellen Produktlineup zu tun hat. Ich wundere mich ein bisschen, warum Herr Jacobsen aus seinen Vorhersagefehlern aus der Vergangenheit nix lernt und keine Vorsicht vor steilen Thesen an den Tag legt. Nicht nur ist Apple bis heute nicht „gefallen“, wie es ein Buchtitel von Herrn Jacobsen von 2013 nahelegt – vielmehr erfreut sich dieser Laden einer geradezu märchenhaften wirtschaftlichen Gesundheit in einem Wettbewerbsumfeld, das härter kaum sein könnte. Wahrscheinlich ist es das Schielen auf den schnellen Klick, das hier die Feder führt und nicht die Suche nach Erkenntnis. Ist leider bisschen wenig so. Schad.

    1. Danke für Ihren Kommentar, Herr Köhler!

      An welcher Stelle sehen Sie “Clickbaiting”? Die Aktie fiel in den letzten Wochen so schwer wie seit einem Jahr nicht mehr. Warum? Weil die Wachstumssorgen zurückgekehrt sind, wie die Überschrift beschreibt. Im Artikel werden sachlich zahlreiche Stimmen genannt – Analysten, Marktforscher, Vermögensverwalter. Analyst Toni Sacconaghi von der Investmentbank Sanford C. Bernstein covert Apple seit mehr als einer Dekade und zählt zu den treffsichersten Techanalysten überhaupt; Doug Kass hat 2012 den kommenden Börsen-Abschwung auf den Tag genau vorhergesagt: wenn Sie solche Quellen nicht ernst nehmen, wen an der Wall Street dann?

      Ihr China-Argument ist sehr gut – ich hatte es bereits am Vortag thematisiert:
      http://meedia.de/2015/07/09/90-millionen-iphones-bestellt-apple-plant-neuen-rekord-ein/

      Und schön, dass Sie sich an das Buch erinnern! Haben Sie auch mehr als die Untertitel gelesen? (Bei Amazon und im iBook Store gibt es einige Kapitel im Vorschaumodus.) Dann wissen Sie: Das Buch beschreibt v.a. den Beginn der Tim Cook-Ära, in der Apple seit dem iPhone 5-Lauch an der Börse (unsplitbereinigt) von 700 auf 385 Dollar abstürzte, also 45 % in einem steigenden Marktumfeld (!) verlor und dabei 300 Milliarden Börsenwert vernichtete. Mehr ‘Fall‘ (im Sinne von Wertvernichtung) habe ich in den letzten 15 Jahren an der Wall Street, abgesehen von den wenigen Ausnahmen der Enrons und Worldcoms kurz nach der Milleniumswende, nicht erlebt. Sie?

      MfG, Nils Jacobsen

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