„Ohne klare Feindbilder geht es im deutschen Journalismus nicht“: „Anstalt“-Macher Uthoff kontert Zeit-Kritik

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Die Zeit und "Die Anstalt" werden so schnell keine Freunde mehr. In einer großen Titelgeschichte schob die Wochenzeitung der Satiresendung eine Mitschuld am Vertrauensverlust der Medien zu. Dagegen wehrt sich Max Uthoff jetzt im Freitag. "Dass man von vielen Medien zu einseitig informiert wird und gerade bei der Ukraine-Krise große Stimmungsmache stattfindet – diesen Eindruck haben sehr viele Menschen. Das haben wir uns bei der Anstalt nicht ausgedacht, wir nehmen das nur auf."

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Einmal in Fahrt, legt der Kabarettist gleich weiter nach und merkt an, dass sich auch im Laufe des Kiew/Moskau-Streites kaum die Berichterstattung verändert hätte. Vielmehr beobachte er, dass bei der Stimmungsmache der Ukraine-Konflikt eins zu eins gegen Griechenland ausgetauscht werden würde. „Man hat das Gefühl, manche Redaktionen sind froh, wenn sie im selben Stil weiterschreiben können. Ohne klare Feindbilder scheint es im deutschen Journalismus nicht zu gehen.“

Allerdings wehrt sich Uthoff gegen die oft wiederholte These, dass die neuen Satire-Formate im Fernsehen die Rolle von kritischen Medien übernehmen würden. „Wir haben weder die Zeit noch die Kenntnisse, selbst zu recherchieren, deswegen leben wir von den Arbeiten anderer“. Heißt: „Für die Sendung brauchen wir gute Journalisten, deren Arbeit wir gnadenlos ausschlachten – und wir brauchen schlechte Journalisten, deren Arbeit wir gnadenlos ausschlachten.“

In welche Kategorie jetzt die Arbeit der Zeit-Redaktion fällt, sagt er allerdings nicht. Noch immer schwelt zwischen der ZDF-Sendung und dem Herausgeber der Wochenzeitung, Josef Joffe, ein juristischer Konflikt. In der vergangenen Titelgeschichte „Alles Lüge“ über den Vertrauensverlust der Medien heißt es in Richtung der TV-Spaßvögel: „Medien sind bei den satirischen Welterklärern längst fester Bestandteil jener Elite, die unter Generalverdacht steht”. Immer treibt Welke & Co. “nur die Lust am Skandal”. Zudem befriedigen sie “den simplen Wunsch” ihres “Publikums nach einer moralisch klar geordneten Welt”.

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Alle Kommentare

  1. Die ZEIT versucht ja inzwischen bei ihren Lesern wieder Schönwetter zu machen und sucht den Kontakt, den sie bisher vermieden hatte. Frontalunterricht ist eben doch angenehmer. Mit der Klage gegen „Die Anstalt“ zeigt Joffe aber, dass es keine echte Kurskorrektur bei der ZEIT geben wird. Wer glaubt, als Edelfeder aus dem eigenen goldenen Käfig heraus die Welt durchschaut zu haben, wird sich sein Meinungsmonopol so schnell nicht streitig machen lassen. Nur sinkende Auflagen können eventuell ein Umdenken bewirken.

  2. Ja, es stimmt, die Zeit will es wirklich nicht besser machen. Im Artikel wird Joffe als normaler Redakteur bezeichnet und nicht als Herausgeber und das er im Streit mit der Anstalt krachend in der erste Instanz verloren hat, wird geschickt verschwiegen. Auch das Verschweigen gehört zur „Lügenpresse“. Und wie Herr Joffe in einer wunderbaren Diskussion vom Exkanzler Schröder wegen der Ukraine Einseitigkeit vorgeführt wurde, ist ein richtiger „Leckerbissen“. Ob unser Altkanzler Schmidt als Zeit Herausgeber eigentlich weiß, was sein Mitherausgeber so treibt?

  3. Die Klage von Joffe ist wirklich unsinnig. Darüber muss man nicht streiten. Allerdings halte ich Max Uthoff auch für einen denkbar schlechten Kabarettisten. Dieter Hildebrandt, Gott hab ihn selig, hat zu seiner Zeit gegen alle ausgeteilt. Jeder Politiker, jede Partei, bekam das, was er/sie verdiente.

    Uthoff und Co kennen aber nur eine Position, eine Richtung. Im Grunde könnten sie ihre Reden mit Gregor Gysi und Sarah Wagenknecht tauschen. Dabei biegen sie sich nicht selten die Wirklichkeit zurecht, Hauptsache, die Richtung stimmt. Mit Scheuklappen und Schaum vorm Mund. Alles in schwarz-weiß. Es ist immer weniger unterhaltsamer, es ist immer stärker berechenbar. Mit einem Wort: langweiliger.

    1. Schon einmal darüber nachgedacht, dass vielleicht die Reden von Gysi, Wagenknecht und Co die Realität widerspiegeln?! Nur weil der satirische Inhalt damit übereinstimmt, muss es nicht sein, dass die Kabarettisten hier Fürsprecher sind. Sie stehen nur einfach für das ein, was immer mehr beschnitten wird und was eine linke Partei seit Jahren anprangert!!! Die Demokratie! Die Einzige, welche uns durch Merkel und Co immer mehr abhanden kommt.

  4. Es wäre sehr freundlich, wenn Meedia noch die Quelle angeben würde, wann/wo Max Uthoff seine Replik auf die Zeit-Kritik kundgetan hat? Die fehlt bisher im Artikel.

    mfg

  5. Im Vorspann taucht als Beispiel der Name Welke & Co auf. Das ist kein Kabarett sondern platter Flachpopulismus mit angesagter Klatschregie und Brüllerkomik.
    Kabarettisten so gut, sensibel spitzfindig, hintergründig wie die Zeitumstände es hergeben, erwachsen aus der Entartung und Perversion politischer Zustände, will heißen: Weiterentwicklung gut oder schlecht. Unsere Gesellschaft – seit 70 Jahren vom letzten Krieg entfernt, hat alle Anzeichen einer fortgeschrittenen Degeneration fordabilé.
    Wenn´s dem Esel zu wohl wird usw……
    Ein Werner Finkh konnte sich mit 2 Reihen SA im Saal mit einem Wort um Kopf und Kragen bringen. Feinheiten und Nuancen in sanftem Ton aber allerschärfster Zynik waren gefragt. (Originalton Finkh an die NSDAPaufpasser:“Kommen Sie mit- oder soll ich mitkommen?)
    Heute ist beileibe Einiges im Argen mit unserer vielzitierten Demokratie, die schon lange nur noch so heißt und darauf politisch zu reagieren ist schon fast langweilig geworden. Zunehmend greifen die Spitzenkabarettisten dann die strukturellen Entwicklungen der Gesellschaft an, und dabei „alles“! Hildebrand – rip – wurde schon erwähnt – seine Stärke war Spontaneität etwa aus Zwischenrufen des Auditoriums, STANTE PEDEM zu verarbeiten. Georg Schramm nimmt sich auch alles vor, mit schauspielerischer Akribie seiner Protagonisten und lauten Gedanken die dem Zuschauer – hörer, genug Zeit lassen mit aufzuspringen. Er ist zur Zeit die Messlatte im deutschsprachigen Raum.
    Max Uthoff zerredet seine zweifellos intelligenten Geistesblitze und Kritiken an der Welt; daß er gegen Joffe obsiegte sei ihm gegönnt.
    Was war es noch lebendig in der Anstalt, wenn Schramms geistigen Kritikserpentinen ein Urban Priol dagegen kalauerte, einschließlich der jeweiligen Gastredner. K.M.Barwasser trug keinesfalls weniger zur gehobenen Tendenz bei. Aber die Starbesetzung der Anstalt war Schramm/Priol!
    Daß Uthoff sich mit der „Zeit“ angelegt hat – egal ob gewonnen oder verloren- zeigt deutlich die Entwicklung des deutschen Kabaretts auf. Es geht nun in Verzweigungen und Komplikationen und die Entfernung zwischen Spontaneität und gewollter Scharfzüngigkeit wird größer. Das Publikum reagiert verzögert und das zulasten der Saalstimmung. Übrigens sehr schade, daß Emil Steinberger geschmissen hat- er war der Hammer!

  6. Das ist wirklich eine falsche Sichtweise Die Anstalt mit Hildebrand und Konsorten in einen Topf zu schmeissen. Erst einmal waren es andere Zeiten, andere Medien, und andere Umstände. Zu den Zeiten sei gesagt, dass es damals wirklich eher politisch geordnete Verhältnisse gab und nicht diese Art Aufbruchstimmung im politischen Spektrum. Auch die Medien haben sich wie die Politik in einer Weise weiterentwickelt, die man erst beim Start der Privatsender zum ersten Male vermuten konnte. Die Umstände unter denen heute Satire gemacht wird sind insofern ganz anders, als das sie in einem ganz anderen Machtgefüge stattfindet. Die Groko, die neuen Parteien, der Einfluss der Wirtschaft, die authistischen Verhaltensweisen vieler Politiker, die ein ums andere Mal abtauchen, Pegida, AfD und andere offene rechtspopulistische Fehltritte dieser NatioN. Snowden, die erfundenen Feindbilder von ISIS bis Putin. Heutzutage ist nahezu jeder über eine Bandbreite an Themen informiert, die es früher gar nicht gab. Stichwort Internet. Hildebrand war typischer Kabarettist und Die Anstalt ist einfach modern orientiert. Ich finde solche Anstrengungen Vergleiche zu ziehen sinnlos. Durch die Quote muss man eh anders interagieren. Hildebrand hätte heute wenig Chancen neu zu starten. Die Anstalt hingegen konnte sich gut etablieren!

  7. u.a. an „Gast“. s.o. – Die Linke sei nicht demokratisch? Habe noch nichts undemokratisches von ihr erlebt. Ich sehe in ihr weder Verfechter alter DDR-Strukturen, noch Bestrebungen, das Volk zu entmündigen wie es unsere konservativen, dogmatisch alternativlos neoliberalen Regierenden mit Übeln wie TTIP und TISA praktizieren. Schon die gelogene angebliche Alternativlosigkeit ist zutiefst undemokratisch – wir können außer der Linken nur noch diesen Kurs „wählen“, der uns immer mehr zukünftigen Kriegen und der Willkür der Konzerne und Großbanken ausliefert, weil das angeblich wirtschaftlich notwendig sei und Arbeitsplätze schaffe. Kann jeder einfach ungeprüft behaupten und die obrigkeits- und finanzergebenen Wesen senken den Kopf und murmeln „Amen“. Ist doch ein recht seltsames Verständnis von Demokratie. Dazu spielt unsere Regierung mit der Gefahr eines Krieges in Europa, ohne uns zu fragen ob wir für ihre Ziele eines frei entfessselten Marktes weltweit und die ewige Dominanz der USA zu sterben wünschen, was uns leicht ereilen kann. Da würde ich doch gern ein Wörtchen mitreden in einer Demokratie, wo es immerhin um mein Leben geht. Aber das erfahren wir von unserer „freien Presse“ so natürlich nicht, deren Eigentümerstruktur man sich nur anschauen muss um zu erkennen, dass da eine direkte Zensur kaum noch nötig ist. Aber es kann auch noch direkter kommen, wie man in Spanien sieht, wo die konservative Regierung gerade unliebsame Demonstrationen und den Besuch regierungskritischer Internetseiten unter rigide Strafen gestellt hat. Bienvenido Franco. Gegen den Willen von 93% der Spanier. Ein Trendsetter für das „demokratische Europa“? Wo bleibt sie denn hier, die westliche Wertegemeinschaft? Kaum ein Echo in den Medien. Spanien ist halt nicht Putin und außerdem verhindern das ja vielleicht eine linke Regierung… wie war das noch mit Allende und Pinochet in Chile? Wenn es zum griechischen Grexit kommt, hoffe ich, dass das Land sich zusammen mit Spanien, Italien und vielleicht noch anderen EU-Ländern Russland zuwendet und die Macht der Nato untergräbt. Da von Putin entgegen Behauptungen keine Kriegsabsichten belegt sind, von den US-hardlinern aber schon, könnte das unsere Rettung sein.

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