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ProSiebenSat.1 und Springer: spätere Hochzeit nicht ausgeschlossen

Mathias Döpfner, CEO Axel Springer
Springer-CEO Mathias Döpfner Foto: dpa

Ausgerechnet, wenn es kein anderes Thema als Griechenland zu geben scheint, kommt dieser Mediennachrichten-Hammer: Laut Wall Street Journal sprechen Axel Springer und ProSiebenSat.1 über eine Fusion. Wenn diese tatsächlich gelingen würde, entstünde ein Konzern in der Umsatz-Region von Bertelsmann – ein Kommentar.

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ProSiebenSat.1 und Springer – da war doch was. Richtig, denn bereits 2005 hatte Springer ein Übernahmeangebot für den TV-Konzern gemacht, war damals aber an den Kartellbehörden gescheitert. Später erreichte das Berliner Medienhaus, dass auf dem Rechtsweg Teile der damaligen Entscheidung juristisch revidiert wurden. Eine mögliche Fusion, wie sie nun vom Wall Street Journal kolportiert wird, wäre daher zumindest theoretisch genehmigungsfähig. Allerdings haben sich die Verhältnisse inzwischen geändert: ProSiebenSat.1 mit dem CEO Thomas Ebeling wäre heute nicht mehr Junior-Partner in den Verhandlungen wie vor zehn Jahren, sondern könnte – beflügelt vom Börsenkurs – bei einer möglichen Fusion den Ton angeben.

Doch auch für Axel Springer und dessen Vorstandschef Mathias Döpfner hätte ein Zusammenschluss einen gewissen Charme. Zum einen hat das Verlagshaus sich ebenso entschlossen dem Digitalgeschäft zugewandt wie der Fernsehsender. Und andererseits wäre die schiere Marktmacht für Döpfner ungemein reizvoll. Mit einer gemeinsamen Marktkapitalisierung von14,4 Milliarden Euro (bei knapp 6 Milliarden Euro Umsatz) bei würde das neue Unternehmen hinter Bertelsmann (ca. 16,6 Mrd. Umsatz) die Nummer zwei unter den Medienkonzernen bilden. Und der Ehrgeiz, es dabei nicht zu belassen, sondern den Güterslohern langfristig die Rücklichter zu zeigen, wäre in Berlin und Unterföhring sicherlich gegeben.

Tatsächlich ist erkennbar, dass Springer sein Faible fürs Fernsehen neu entdeckt zu haben scheint. Nach entmutigenden Misserfolgen mit der Ende der 90er Jahre am BBC-Format „60 Minutes“ orientierten Sat.1-Magazinsendung „Newsmaker“ (wurde nach wenigen Monaten wegen Konzept- und Erfolglosigkeit abgesetzt) hat Springer erst kürzlich rund 100 Millionen Euro in den Kauf von N24 investiert, das drei Jahre zuvor von Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust und einigen Managern für den symbolischen Kaufpreis von einem Euro von ProSiebenSat.1 übernommen worden war.

Derzeit sind beide Unternehmen bestrebt, die Sache herunterzuspielen. Es seien nur erste zaghafte Gespräche, beschlossen sei nichts, und jederzeit könne es anders kommen. Doch mit etwas Phantasie zeichnen sich Möglichkeiten ab, die das dann entstehende Konglomerat weit vor die jeweilige Konkurrenz katapultieren könnte. THINK BIG ist die Devise sowohl von Döpfner wie von Ebeling, und beide wissen, dass sie mit einer Fusion ein ungeheures Synergie-Potenzial heben könnten. Das größte Handicap besteht in der Frage, ob die beiden Ego-mäßig kompatibel wären. Da sind Fragezeichen angebracht, und es erfordert Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten, wenn die Konzerne verschmolzen würden.

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Angesichts aller möglichen Szenarien erscheint es daher die wahrscheinlichste Variante zu sein, dass es nicht zu einer Fusion kommt. Axel Springer ist nicht die Sorte Gesellschaft, die in einer Fusion aufgeht und dabei große Teile ihrer unternehmerischen Unabhängigkeit aufgibt. ProSiebenSat.1 dagegen hat ein kampferprobtes und streitlustiges Management, das keinem Zwist um die Vorherrschaft aus dem Wege geht. Es fällt schwer zu glauben, dass Döpfner und Ebeling so weit harmonieren, dass sie beide eine gemeinsame Agenda vorantreiben. Funktionieren würde das nur, wenn einer von beiden anderweitige Pläne hätte.

Thomas Ebeling, der von seinen Investoren ob seiner wirtschaftlichen Erfolge mit Millionen überschüttete Top-Manager wäre dies am ehesten zuzutrauen. Döpfner, der 3 Prozent am MDax-Konzern hält, wirkt dagegen extrem fokussiert auf seinen Job als Hauptdarsteller eines gewichtigen Medienunternehmens. Aber gerade in dieser Rolle könnte er überzeugt sein, die nächste Stufe der Rettungsrakete im Überlebenskampf im Digitalzeitalter zu zünden, um seinen Verlags-Rivalen in einem entscheidenden Punkt weit voraus zu sein. Zünglein an der Waage wäre am Ende aber eine Dritte: Verlagserbin Friede Springer, die als Mehrheitsaktionärin immer noch 57 % am Berliner Medienhaus hält, kann die Fusion ganz alleine blockieren.

Update, 07.07.: Axel Springer hat in einer Stellungnahme betont, dass die „Kontinuität der Kontrolle“ durch den Konzern und Friede Springer nicht zur Disposition stünden.

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Alle Kommentare

    1. „Mit einer gemeinsamen 14,4 Marktkapitalisierung von Milliarden Euro (bei knapp 6 Milliarden Euro Umsatz) …“

      Da steht nicht „Umsatz von 14,4 Milliarden“ sondern Marktkapitalisierung. Der Umsatz ist, wie Sie schon geschrieben haben, ca. 3 Mrd, aber die Marktkapitalisierung (Börsenwert) ist 4,96 Mrd. (AS) + 9,79 Mrd (PSS1).

      1. Das wurde wegen meines Kommentars geändert. Schade dass hier Tuch die Redaktion nicht darauf verwiesen wird!!!

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