Mögliche Springer-ProSiebenSat.1-Fusion: mehr Meinungsmacht als Bertelsmann

Springer-Boss Mathias Döpfner und ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling
Springer-Boss Mathias Döpfner und ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling

Eine Fusion der beiden Giganten Axel Springer und ProSiebenSat.1 würde die Konzentration auf dem deutschen Medienmarkt ein großes Stück weiter voran treiben. Es entstünde ein Medien-Unternehmen, das sowohl im Fernsehen, im Internet, bei Zeitungen und Zeitschriften zu den Größten gehören würde.

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Schon oft gab es in der Vergangenheit Gerüchte, Axel Springer würde ProSiebenSat.1 übernehmen – selbst zu Leo Kirchs Zeiten schon. Der Hauptgrund für die immer wieder aufkeimenden Spekulationen: Das Fernsehen ist das publikumsstärkste Medium – und Axel Springer spielt nicht mit.

Einzig N24 gehört zum Konzern, ein Sender, der mit einem Marktanteil von 1% nicht gerade eine große Nummer ist. Nach einem Zusammenschluss mit ProSiebenSat.1 würde man über einen Marktanteil von mehr als 20% verfügen. In der abgelaufenen TV-Saison 2014/15 erreichte Sat.1 beispielsweise 8,1%, ProSieben 5,5%, kabel eins 3,7%, Sat.1 Gold 1,1%, sixx 0,7%, ProSieben Maxx 0,6% und N24 eben 1,0%. Zusammen wären das 20,7%.

Hinzu kommt die Stärke von Axel Springer im Print-Markt und diverse Radio-Beteiligungen in vielen Bundesländern. Online sind beide Konzerne große Player. So verfügt Springer mit Bild weiterhin über die mit gigantischem Abstand größte Tageszeitung des Landes. Mehr als 11 Mio. lesen sie laut MA täglich. Hinzu kommen Blätter wie Welt, Welt am Sonntag, Bild am Sonntag, diverse Bild-Ableger von Auto Bild bis Computer Bild und einiges mehr.

Online erreicht Bild.de laut aktueller AGOF-Daten 15,90 Mio. Leute, Die Welt 8,77 Mio. ProSieben.de 7,23 Mio. Hinzu kommen auf Springer-Seite zahlreiche Ableger von Print-Marken und Töchter von auFeminin.com, finanzen.net, Idealo, Immonet, kaufda, Stepstone bis hin zu Transfermarkt.de. Im Online-Portfolio von ProSiebenSat.1 finden sich neben den TV-Ablegern u.a. MyVideo, wer-weiss-was, Lokalisten und weg.de. Zudem gab es in der jüngeren Vergangenheit Kauf-Gerüchte im Bezug auf Unister (ab-in-den-Urlaub.de).

Um zu verstehen, wie groß die Medienmacht von Springer/ProSiebenSat.1 nach einer Fusion wäre, lohnt der Blick auf den MedienVielfaltsMonitor, den die deutschen Landesmedienanstalten zweimal jährlich mit Daten von AGMA, AGF, Nielsen und TNS Infratest erstellen. Hier werden die einzelnen Medien und Medienmarken nach Nutzung gewichtet und eine Art Meinungsmacht-Ranking für Deutschland erstellt.

Demnach entstünde durch eine Fusion der beiden Giganten das größte deutsche Unternehmen, das auf allen Plattformen mitspielt. Im Fernsehen wäre man die Nummer 3 hinter ARD und RTL/Bertelsmann, bei den Tageszeitungen dank Bild die Nummer 1, bei den Magazinen nach dem Verkauf zahlreicher Titel an Funke immer noch die Nummer 5 und Online die klare Nummer 1 unter den publizistisch relevanten deutschen Medienunternehmen.

Derzeit verfügt Axel Springer laut MedienVielfaltsMonitor über einen Anteil von 8,5% am deutschen Meinungsmarkt, ProSiebenSat.1 über einen von 7,8%. Zusammen würde daraus ein Anteil von 16,3% werden und damit auch Bertelsmann (12,4%) klar überholt. Einzig die ARD wäre mit ihren zahlreichen TV- und Radiosendern und den Online-Ablegern mit einem Anteil von 22,4% noch meinungsmächtiger. Würde man dort aber die einzelnen Anstalten von WDR und NDR bis BR und SWR getrennt zählen, wäre SpringerProSiebenSat.1 oder wie auch immer ein solch fusioniertes Unternehmen hieße, das mächtigste deutsche Medienunternehmen – und könnte diese Macht über alle Plattformen hinweg nutzen. Vom Web über das Papier bis zum Fernsehen und Radio.

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