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Er hat „Stabilitätsmechanismus“ gesagt – die technokratische Euro-Sprache von Merkel, Gabriel & Co.

Stabil: Vize Gabriel, routiniert: die Kanzlerin
Stabil: Vize Gabriel, routiniert: die Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel haben sich vor den Medien in einer live im Internet übertragenen Mini-Pressekonferenz zur aktuellen Volte in der Griechenlandkrise (Referendum) erklärt. Dabei war weniger bemerkenswert, was gesagt wurde, sondern wie es gesagt wurde. Es regiert die nüchterne Sprache der Euro-Technokraten.

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Angela Merkels Markenzeichen war noch nie die überschäumende Emotionalität. Niemand hätte von ihr eine aufrüttelnde Ansprache erwartet, nachdem der griechische Staatschef Alexis Tsipras angekündigt hat, sein Volk über die Sparvorgaben der EU abstimmen zu lassen. Und so war Kanzlerin Merkels Auftritt vor den Medien am Montagnachmittag nicht überraschend. Die Routine dieser Frau, selbst in haarsträubenden Ausnahmesituationen, ist absolut bemerkenswert und vermutlich mit ein Grund, warum die deutschen Wähler sie so verehren. Routine verheißt Sicherheit, und nichts lieben die Deutschen mehr.

Die Hände fest auf dem Pult, die Worte klar artikuliert, die Frisur betonfest, die Aussagen diplomatisch-wolkig aber freundlich-bestimmt. Europa könne heute „robuster auf solch eine Situation reagieren“. Sie meint den drohenden Grexit. Für manche, zum Beispiel den Spiegel, droht der Untergang des Abendlandes. Die Kanzlerin bleibt ganz cool. „Wir müssen vorsichtig sein, welche Botschaften wir senden“, sagt sie. Wegen „finanzieller Belastungen“ müsse sich Deutschland keine Sorgen machen. Sie gibt den Rat, „keine Spekulationen anzustellen.“

Neben der Kanzlerin steht – sehr stabil – der massige Block des Vizekanzlers Gabriel. Er hat den Valium-Sound der Kanzlerin nicht ganz so perfekt drauf, bemüht sich aber um den angemessen scheinenden staatstragenden Ton. Er redet irgend etwas vom „Stabilitätsmechaninsmus“, von „nicht bedingungslos akzeptieren“, von „Kriterien zur Zusammenarbeit in der Eurozone“. Wer nach den Gabriel’schen Einlassungen fehlerfrei zusammenfassen kann, was der Mann da gerade gesagt hat, muss ein Genie im Auseinanderklamüsern von Substantiv-Kuddelmuddel sein. Dabei liegt Gabriel sprachlich exakt auf einer Linie mit den allermeisten Politikern, die sich mit der Euro- und Griechenlandkrise befassen.

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Wir hören die zur Technokraten-Sprache geronnene Entfremdung von Volk und Apparat. Allein das Wort-Ungetüm „Stabilitätsmechanismus“. Ein Mechanismus, ein Apparat, der irgendwie jene Stabilität zu erzeugen verspricht, nach der wir Deutsche uns so sehnen. Es ist aber auch ein kaltes Wort, das der Vize-Gabriel da mit grauer Krawatte vor taubenblauem Bundesadler spricht. Tsipras hat mit seinem Referendum den Eurokraten-Apparat mit vernehmbaren Knirschen im Getriebe kurz zum Halten gebracht. Das ist riskant, manche nennen es fahrlässig oder populistisch. Aber es ist eine Aktion, die man wenigstens verstehen kann. Sollen die Griechen also abstimmen. Ja oder Nein zu den Spar- und Reformvorgaben des Euro-Apparates. Ausgang ungewiss. Was danach geschieht: unklar. Volkes Stimme ist ein launisch Ding.

 

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Alle Kommentare

  1. Wenn ich mir die beiden Fotos anschaue, dann ist es nicht Merkel, die eine „betonfeste“ Frisur hat, sondern Gabriel. Aber bei Merkel können offenbar auch Journalisten ihre Vorurteile und billigen Phrasen nicht unterdrücken und müssen diese, einem Pawlow’schen Hund gleich, immer wieder abspulen…
    Schwach!

  2. Egal, wie hirnrissig eine Aktion auch sein mag: wenn sie das Verständnis von Stefan Winterbauer nicht überfordert, muss sie gut sein.

    Herr, wirf Hirn vom Himmel und lass zumindest einige Krümel davon bitte über Meedia herabregnen.

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