Snapchat-CEO Evan Spiegel löscht alle Tweets, weil er in der Gegenwart lebt

Hat seit dem Börsengang nicht mehr soviel zu lachen:  Evan Spiegel, CEO von Snapchat
Hat seit dem Börsengang nicht mehr soviel zu lachen: Evan Spiegel, CEO von Snapchat

Wie zeigt man der stagnierenden Konkurrenz gepflegt den Mittelfinger? Um die vermeintlich schwindende Relevanz von Twitter zu demonstrieren, löschte Snapchat-CEO Evan Spiegel einfach mal alle Tweets, die er bislang gepostet hat. Eine Unternehmenssprecherin erklärte: "Evan neigt dazu, in der Gegenwart zu leben". Mitbegründer Bobby Murphy zog bei Löschaktion umgehend mit.

Anzeige

Ein PR-Coup der besonderen Sorte von  Snapchat-CEO Evan Spiegel: Einfach mal alle Tweets löschen. Alle, außer einen Retweet, der erklärt, warum der aufstrebende Foto-Dienst, den es bald an die Börse ziehen könnte, so toll ist:

Spiegel hat sich mit der Löschaktion einige Arbeit gemacht: Immerhin knapp 900 Tweets hatte der streitbare Snapchat-CEO, der Twitter im Dezember 2010 beigetreten war, schon abgesetzt, wie das Internet-Archiv WayBackMachine dokumentiert hat.

„Evan neigt dazu, in der Gegenwart zu leben“

Warum nun macht sich der 24-jährige Multimilliardär die Mühe? CNBC-Techreporter Eli Langer hakte beim inzwischen mit 16 Milliarden Dollar bewerteten US-Start-up nach.  Entwaffnende Antwort der Unternehmenssprecherin: „Weil Evan dazu neigt, in der Gegenwart zu leben“.

Damit ist alles über Spiegels Motivation und das Selbstverständnis des boomenden Foto-Dienstes gesagt: Spiegel positioniert Snapchat als Anti-Twitter! Während der auch schon neun Jahre alte 140 Zeichen-Dienst mehr denn je nach seiner Identität sucht und unlängst bereits als „Blackberry des Social Media-Sektors“ abgeschrieben wurde, erfährt Snapchat dieser Tage neben Instagram die massivsten Zuwächse in der jüngeren Social Media-Generation und bringt es bereits auf über 100 Millionen täglich aktive Nutzer.

Lebensgefühl der Generation Snapchat: den „unmittelbarer Ausdruck“ teilen

Was die Faszination des 2011 gegründeten Foto-Dienstes mit Selbstzerstörungsfunktion ausmacht, an dem Facebook mehrfach sein Interesse bekundete, erklärte Gründer Evan Spiegel Stunden zuvor einem vielbeachteten, unscharfen Web-Video auf Youtube:

Kurzfassung: „Snapchat hat viel damit zu tun, wie sich das Verständnis von Fotografie verändert hat“, erklärt Spiegel und meint damit, dass sich eine Transformation von archivierten Bildern zu Bewegtbildern (Videos) vollzogen habe, die von Smartphone-Besitzern jedoch inzwischen nur noch als authentisch begriffen werden, wenn sie Live-Charakter besitzen. „Instant Expression“ nennt Spiegel dieses Lebensgefühl: „Unmittelbarer Ausdruck“.

Auch Mitbegründer Bobby Murphy löscht alle Tweets

Twitter dagegen erscheint den Mittzwanzigern Spiegel und Mitgründer Bobby Murphy dagegen offenbar wie eine veraltete Kommunikationsform aus dem letzten Jahrzehnt. Um dem Statement Nachdruck zu verleihen, zog auch Murphy bei der Löschaktion umgehend mit.

Vielleicht ist am Ende des Tages aber auch alles anders, wie Hamish McKenzie vom Viral-Start-up Kik scherzhaft twittert:

Alle Tweets gelöscht, weil sich Spiegel als nächster Twitter-CEO einen sauberen Start wünscht? Die Chancen auf einen baldigen Jack Dorsey-Nachfolger sind seit gestern zumindest gestiegen: Der höchst umstrittene Mitbegründer, der Dick Costolo interimsmäßig nachfolgt, verkündete, er werde in jedem Fall Square-CEO bleiben. Twitters Suche nach einem neuen CEO könnte also aktuell bereits in die nächste Runde gehen…

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Tweets haben ja im Allgemeinen auch keinen wichtigen Inhalt, der später für Irgendjemanden von Interesse wäre. Die Halbwertszeit beträgt doch selten länger als einen Tag, da die inhaltliche Tiefe gleich null geht.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige