Wie Bild Frankfurt den Groll eines FAZ-Herausgebers auf sich zog

Unter den Qualitätsmedien ist die FAZ eine Tageszeitungs-Ikone mit überregionaler Strahlkraft und einem auch in Zeiten wirtschaftlicher Misere ungebrochenen journalistischen Anspruch und Selbstbewusstsein. Umso erstaunlicher ist eine Anekdote, die in der Bankenmetropole kursiert und den Eindruck erweckt, dass selbst ein redaktioneller Gralshüter aus dem Kreis der Herausgeber sich gelegentlich mit so profanen Dingen wie der örtlichen Polizeiarbeit herumschlagen muss.

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Die Rede ist von Werner D’Inka, 60, seit zehn Jahren im Herausgeber-Gremium und überdies Professor an der Berliner Universität der Künste. Ende Mai soll sich der einflussreiche FAZ-Mann mit einem Beschwerdebrief an den Frankfurter Polizeipräsidente Gerhard Bereswill gewandt haben. Grund: D’Inka hatte in letzter Zeit registrieren müssen, dass seine Regionalredakteure bei Blaulicht-Themen gegenüber der lokalen Konkurrenz oft nur zweiter Sieger waren. Besonders die Boulevard-Profis von Bild Frankfurt landeten auffällig viele Scoops, sprich: exklusive News.

So war Bild nach dem geplanten Bomben-Anschlag auf das Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ mit Reportern (neben einem Kameramann vom Hessischen Rundfunk) vor Ort, als das Mobile Einsatz-Kommando ein tatverdächtiges Paar verhaftete. Danach gab es weitere Polizei-Meldungen, von denen die FAZ erst durch die Boulevardberichterstattung erfuhr: einmal ging es um zwei fast zeitgleiche Suizide in Polizeidienststellen, dann der Bericht über einen Oberkommissar, der 800 Ermittlungsverfahren unbearbeitet verschwinden ließ.

Zufall oder nicht, bei den Lokal-Verantwortlichen der FAZ witterte man System. Dem Vernehmen nach wandte sich Herausgeber D’Inka persönlich an den Polizeipräsidenten und monierte eine Ungleichbehandlung der Redaktionen durch Polizeistellen. Der Polizeipräsident reagierte, wie es weiter heißt, prompt und brachte das Thema bei einer Versammlung seiner Abteilungsleiter zur Sprache. Ausdrücklich soll Bereswill darauf hingewiesen habe, dass nur die Pressestelle sowie er selbst Auskünfte an die Medien geben dürften. Offenbar gebe es ein „Leck“ in seiner Behörde, und es würde zu viel an Bild „durchgesteckt“.

Auf MEEDIA-Anfrage geben sich die Beteiligten zugeknöpft. Ein Polizeisprecher teilt mit, „dass der Polizeipräsident generell keine Auskünfte darüber gibt, mit wem er auf höchstpersönlicher Ebene kommuniziert“. Bei der FAZ heißt es nur, D’Inka äußere sich nicht dazu. Und in Redaktionskreisen wartet man darauf, wer denn nun die nächste Polizeistory exklusiv vermelden kann …

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Alle Kommentare

  1. Was für ein erster Satz! Allein, es fehlt an Objektivität. Richtig ist m.E.: Die Tageszeitung hat auch in Zeiten wirtschaftlicher Misere ungebrochenes Selbstbewusstsein.

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