Twitter, das „Social Media-Blackberry“: Wall Street entzieht Jack Dorsey sofort das Vertrauen

Twitter-CEO Jack Dorsey
Twitter-CEO Jack Dorsey

Veritabler Fehlstart des neuinstallierten Twitter-CEOs Jack Dorsey: Zwei Handelstage nach Ankündigung des Führungswechsels notiert die Twitter-Aktie bereits wieder drei Prozent schwächer. Es ist mehr als eine Momentaufnahme: Die Wall Street rebelliert nach einem Arroganz-Anfall auf CNBC offen gegen Jack Dorsey. Allen voran der langjährige Fürsprecher James Cramer wirft das Twitter-Management unter den Bus.

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Das ging schnell: Die Euphorie um den Führungswechsel bei Twitter ist nach zwei Handelstagen bereits wieder vollständig verhallt. Um mehr als acht Prozent schoss die Twitter-Aktie Donnerstag nach Handelsschluss zunächst empor, nachdem die Meldung von der Ablösung von CEO Dick Costolo durch Jack Dorsey die Runde machte. So beliebt Costolo bei Mitarbeitern war, so verhasst war er nach immer größeren Verlusten an der Börse.

Doch auch Dorsey hat sein Vorschussvertrauen, das die Wall Street dem 38-Jährigen als Mitbegründer des 140-Zeichen-Dienstes zunächst zubilligte, sofort wieder verspielt. Am Ende des Handelstags am Freitag blieb gerade mal ein Plus von ganzen 4 Cent hängen – die Gewinne der Twitter-Aktie waren auf 0,11 Prozent zusammengeschmolzen. Gestern folgte dann die kalte Dusche: Um 3,5 Prozent tauchten die Anteilsscheine des einstigen Social Media-Lieblings an der Börse ab und notierten damit unter 35 Dollar auf einem frischen Jahrestief.

Jack Dorsey bei CNBC: Kein Korrekturbedarf bei Twitter

Der Anlass: Jack Dorseys neuerlicher Arroganzanfall im gemeinsamen CNBC-Interview mit Dick Costolo zum Führungswechsel. Dorseys problematisches Auftreten ist in der Techbranche nichts Neues. New York Times-Reporter Nick Bilton setzte dem Square-CEO in seinem  Enthüllungsbuch „Hatching Twitter: A True Story of Money, Power, Friendship, and Betrayal“ (Deutsch: „Twitter: Eine wahre Geschichte von Geld, Macht, Freundschaft und Verrat“) bereits ein fragwürdiges Denkmal.

Im Interview mit David Faber erklärte Dorsey nun mit einem Bart, der Kai Diekmann neidisch gemacht haben dürfte, er sehe keinen Anlass für Veränderungen beim kriselnden 140-Zeichen-Dienst.

Im Gegenteil: „Wir wollten das Momentum nicht stoppen“, erklärte Dorsey, warum der Aufsichtsrat nicht eher eingeschritten sei, obwohl Costolo angeblich bereits vor sechs Monaten seinen Rückzug signalisiert hatte. Dorsey bekräftigte unzählige Male, dass Twitter „ein tolles Produkt“ sei und man einen großartigen Fahrplan vor sich habe. Warum dann überhaupt den Vorstandschef auswechseln? 

Mehr noch: Ein Wandel müsse nicht eingeleitet werden, da Twitter „fundamental extrem stark aufgestellt ist und starke Ergebnisse liefert“ – an Wall Street kam davon indes im vergangenen Jahr nichts an.

Den wahrscheinlich prominentesten Experten der Wall Street bringt das vollkommen in Rage. „Die beiden Herrschaften haben sich gerade blamiert“, ereifert sich TheStreet.com-Gründer und CNBC-Marktkommentator Cramer in bekannter Manier.

„Die beiden Herrschaften haben sich gerade blamiert“

„Es ist klar, dass sie keinen Plan haben. Sie sagen, ‚alles ist gut‘ und ‚wir müssen nichts verändern‘ – genauso, wie es viele CEOs nach dem Platzen der Internetblase 2000 getan haben“, kann es Cramer nicht fassen.           

Dabei war Cramer noch vor Monaten äußerst optimistisch für Twitter, wenn Costolo endlich abgelöst werden würde. „Ich glaube, die Aktie würde wieder bei 55 bis 60 Dollar notieren, wenn der Aufsichtsrat einen anderen CEO berufen würde“, watschte  Cramer Costolo im Oktober öffentlich bei CNBC ab. Acht Monate später werden nun nicht mal 35 Dollar bewilligt.

„Twitter wird zur Blackberry des Social Media“

Und Cramer ist mit seiner Kritik nicht allein. Bill George von der Havard Business School erklärte Twitter unterdessen zur „Blackberry des Social Media-Sektors.“

Georges Hauptkritik: Twitter hat seinen Aufsichtsrat mit Getreuen der ersten Stunde besetzt, die Reflektionsfähigkeit vermissen lassen. Der scheidende CEO Costolo sitzt ebenso wie Mitbegründer Evan Williams im Aufsichtsrat wie Dorsey selbst.

„Sie müssten reinen Tisch machen und Leute wie dem scheidenden eBay-CEO John Donahoe einen Sitz anbieten, ansonsten endet es nicht gut.“ Das endlose Drama um Twitter – es ist schon wieder um ein Kapitel reicher…

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