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Stimmen zum Will-Comeback: „Nicht nur der Talk wird weitergehen, sondern auch der Talk über den Talk“

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Ein seltener Moment, fast alle Medienkritiker sind sich einig: Unter den möglichen Jauch-Nachfolgern ist Anne Will die beste Lösung. Immerhin sei sie bei "Journalisten, Zuschauern und Kritikern beliebt" (Welt). Bei einigen Beobachtern kommt die ARD trotzdem nicht gut weg: "Die Anstalt lähmt sich mit Proporzdenken und Ideenlosigkeit“, meint beispielsweise Christian Buß.

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Christian Meier, Die Welt: „Diese Entscheidung ist nicht die einzig mögliche, aber die einzig richtige. Dafür sprechen gute Argumente. Will liefert auf einem Sendeplatz am späten Mittwochabend regelmäßig sehr gute Moderationen ab. Sie hakt nach, sie ist gut im Thema, sie setzt nicht auf plumpe Attacken oder servile Einschmeichelungstaktik. Man merkt: Sie will die Antworten auf ihre Fragen auch wirklich hören.“

In der Süddeutschen Zeitung erinnert sich Paul Katzenberger an die Zeit, als Will am Sonntag auf einmal von Jauch abgelöst wurde. „Auf einmal“ wäre sie der ARD „nicht mehr gut genug“ gewesen – „ein echter Promi-Talker sollte her, den die Sender-Verantwortlichen in Günther Jauch gefunden zu haben glaubten.“ Weiter schreibt er: „Für Will war das unschön. Weniger, weil sich ihr bisheriger Auftraggeber entschlossen hatte, den Auftrag neu zu vergeben, wie sie später dem Spiegel anvertraute: ‚Dagegen kann ich in der Sache überhaupt nichts sagen.‘ An der Form, wie die Ablösung gelaufen sei, habe sie sich allerdings gerieben: ‚Das hätte durchaus eleganter laufen können‘.“

Bei Zeit Online macht sich Klaus Raab grundsätzliche Gedanken über die politischen Gesprächsrunden im Fernserhen. „Eine TV-Talk-Diskussion ist nicht offen für neue Gedanken. Wäre die Talkshow ein Mensch, hätte sie Bausparvertrag und Riesterrente: Sie lebt, aber ihr Leben ist vollends durchgeplant. So ist auch der Polittalk ein durchgetaktetes Format, dessen Inhalte im Vorfeld abgesteckt werden. Wenn ein Mann, wie kürzlich bei Günther Jauch, unautorisiert eine Schweigeminute für ertrunkene Flüchtlinge einfordert, schreibt er sich damit direkt ins mediale Gedächtnis ein – so überraschend ist jedes Ausscheren aus den Gepflogenheiten des Talks.“

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Michael Hanfeld, FAZ: „Jetzt müsste Volker Herres, der Programmdirektor des Ersten, nur noch auf die Idee kommen, mittwochabends Dokumentationen und Dokumentarfilme zu zeigen und schon hätten wir ein öffentlich-rechtliches Programm wie lange nicht mehr. Die ARD könnte natürlich auch einmal auf die Idee kommen, etwas ganz anderes als die üblichen Rederunden mit fünf, sechs Matadoren einzurichten. Aber das ist vielleicht ein wenig viel verlangt.“

Christian Buß, Spiegel Online. „Man weiß also nicht recht, erneuter Prestigegewinn hin oder her, ob man ihr zu der Rückkehr auf den alten Sendeplatz gratulieren soll. Zumal die Entscheidung der ARD-Intendanten für Anne Will weniger von Überzeugung und Leidenschaft geprägt sein dürfte als vielmehr von Proporzdenken und Ideenarmut. Denn der Sonntags-Talk wird nun mal vom NDR verwaltet, und Anne Will ist ein Gewächs dieser Anstalt. Neue Gesichter waren da genauso wenig gefragt wie bei anderen ARD-Anstalten verpflichtete Moderatoren und Politjournalisten.“

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