Mittelalte, weiße Männer: Apples Kampf mit dem Diversitäts-Problem

Haben will vor: Apple-Manager Tim Cook, Craig Federighi, Phil Schiller, Eddy Cue
Haben will vor: Apple-Manager Tim Cook, Craig Federighi, Phil Schiller, Eddy Cue

Seit Jahren geistert das Schlagwort von "old, white men" durch die amerikanische (Tech)presse – es beschreibt auch Apples Führungsgzirkel aus Veteranen, die einst Steve Jobs rekrutierte. Gut für Apple: Das Team bildet auch nach Ableben des Über-Vaters eine Einheit. Weniger gut für Apple: Es wird älter – und mit ihm die Marotten, wie die gestrige Keynote demonstrierte, obwohl nach langer Zeit auch zwei Frauen auf der Bühne standen.

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Es ist stets ein sensibles Thema, das im 21. Jahrhundert keines mehr sein sollte: Alter, Geschlecht, Hautfarbe am Arbeitsplatz. Und doch überrascht bei einem der modernsten Konzerne der Gegenwart, wie sehr die Führungsstruktur noch jener der „Mad Men“-Ära ähnelt: Apple wird zum überwältigenden Teil von mittelalten, weißen Männern geführt, wie „Apple Inside“-Autor und Fortune-Tech-Reporter Adam Lashinsky vor Jahren herausarbeitete und auch von Aktionärsvertretern kritisiert wird.

These in Lashinskys kritischer Apple-Berichterstattung: Im Gegensatz zu den neuen Rivalen aus dem benachbarten Mountain View und Menlo Park fehlt Apple die jugendliche Dynamik von Facebook und Googles Diversität, die heute der immer noch erst 31-jährige CEO Mark Zuckerberg und der indischstämmige Produktchef Sundar Pichai so exemplarisch verkörpern.

Tim Cook setzt sich für mehr Diversität ein

Apple weiß das natürlich und macht aus dem Ungleichgewicht (70 Prozent der Mitarbeiter sind männlich) selbst keinen Hehl, wie der offensive Umgang im eigens erstellten Diversity Report dokumentiert. Vorstandschef Tim Cook kommentierte die Ergebnisse der im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie maximal selbstkritisch: „Um es klar zu sagen: Als CEO bin ich mit den Zahlen nicht zufrieden.“ Im Vorfeld der WWDC hatte Cook in einem Interview mit Mashable zudem erklärt: „Diversität ist die Zukunft unseres Unternehmens“.

Nicht ganz überraschend war gestern im Yerba Center dann auch ein willkommener Wechsel zur bekannten Keynote-Tradition zu besichtigen: Erstmals seit der damaligen Technikchefin Ellen Hancock 1997 standen mit der Apple Pay-Chefin Jennifer Bailey und der Produktmarketing-Chefin Susan Prescott wieder Frauen auf der Bühne einer Apple-Keynote.

So gut der Ansatz gemeint ist, so sehr regieren in der Praxis doch weiter die alten Muster: Craig Federighi, 44, war zwar in gewohnter Manier der eloquente Clown der Keynote, riss aber am Ende mit seinen Verballhornungen von Phil Schiller, 55 und Eddy Cue, 51, ziemlich seniorige (Männer-)Witze.

Apples Internetchef Eddy Cue nahm seine Rolle in Zeiten, in denen die „Papa-Plauze“ als #dadbod längst Internet-Kult ist, unterdessen auch beherzt an: In seinem überweiten, pinken Oberhemd vollführte Cue zu Song-Anspielern für Apple Music kurze Tanzeinlagen, für die jede Tochter oder jeder Sohnemann vor Fremdscham sofort im Boden versinken möchte.

Der eigenwillige Retro-Musikgeschmack macht die Sache zudem nicht gerade besser: Apples führende Manager sind so  schmerzfrei in den 70er- und 80er-Jahren stecken geblieben, dass sie die eigentliche Zielgruppe der Millennials mit Einspielern von „Never gonna give you up“ (Rick Astley) und Young MC („Bust a move „) zumindest beim Produkt-Teil der Keynote eher verstört zurücklassen dürften.

Um sich nicht wieder mit einem U2-Moment zu verabschieden, bauten Apples Image-Strategen dann zumindest gleich doppelt vor: Rapper Drake, der schon zuvor seine goldene Apple Watch auf Instagram präsentierte und sich nicht zu Jay Z Streaming-Dienst Tidal hatte locken lassen, gab zum Launch von Apple Music einen etwas bizarren Gastauftritt ohne Musik-Performance, während seinem Kumpel The Weeknd („The Hills“) ein für Apple eigentlich viel zu zotiger Schlussakkord vorbehalten blieb. Am Ende waren die Auftritte der WWDC so denkwürdiger als die eigentlich vorgestellten Produktneuheiten.

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