Herzversagen: Bunte-Chefreporter Paul Sahner im Alter von 70 Jahren verstorben

„Paul Sahner – Geschichten eines Promi-Reporters“: Das Erste porträtierte Sahner 2014 in einer TV-Doku
"Paul Sahner - Geschichten eines Promi-Reporters": Das Erste porträtierte Sahner 2014 in einer TV-Doku

Der legendäre Society-Reporter der Bunten ist tot: Nach Informationen von MEEDIA starb Paul Sahner wenige Tage vor seinem 71. Geburtstag an einem Herzinfarkt. Deutschlands bekanntester Klatschreporter hatte erst im März sein neuestes Buch vorgestellt, eine Hommage an den im Dezember verstorbenen Sänger Udo Jürgens. Für den Oktober war seine Autobiografie angekündigt.

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Sahner startete seine journalistische Laufbahn beim Westfalenblatt, war danach Polizei-Reporter bei Bild München, bevor er sich der Promi-Berichterstattung verschrieb und nach Stationen bei Hörzu, stern, tz und Penthouse schließlich als Chefreporter bei der Bunten anheuerte. Fast eineinhalb Jahrzehnte gehörte der Chefredaktion von Burdas People-Magazin an. Im Herbst 2014 zog er sich in den „Teilruhestand“ zurück. Zusammen mit Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner war Sahner der profilierteste Boulevard-Journalist der Republik. Die tageszeitung bescheinigte ihm, der „Gottvater der Intimbeichte“ prominenter Interview-Partner zu sein. Die Welt porträtierte ihn anlässlich seines 70. Geburtstags im Juni 2014 als „Der Mann, dem Menschen alles anvertrauen.“ Sahner hatte als Reporter eine teils übergroße Nähe zum Sujet seiner Berichterstattung, er wurde im Laufe seiner Klatsch-Karriere selbst zum Teil der Society und kolportierte Privates auch aus dem Leben von Weggefährten und engen Freunden.

„Wer wissen will, wie Fritz Wepper seine späte Vaterschaft verkraftet, wie verlassen sich Anna Netrebko wirklich fühlt, wie sich Boris Becker wieder mal verhauen hat, erfährt dies seit Jahrzehnten verlässlich von Paul Sahner in der Bunten“, hieß es im Ankündigungstext für eine ARD-Fernsehdokumentation im vergangenen Sommer über das bewegte Journalisten-Leben des gebürtigen Westfalen. Und weiter: „Wie kein anderer hatte der Promi-Reporter das Vertrauen der deutschen Prominenz und das seiner Leser gewonnen, er ist der Elder Statesman des deutschen Boulevard. Über 3.000 Interviews hat er in seinem Reporterleben schon geführt, auch mit internationalen Größen wie dem Dalai Lama und Richard Gere, Michael Jackson und Nelson Mandela.“

Legendär war sein Porträt des damaligen Verteidigungsministers Rudolf Scharping, das den SPD-Politiker im August 2001 mit seiner Lebensgefährtin bei „neckischen Wasserspielen“ im Swimminig Pool auf Mallorca zeigte, während die Bundeswehr unmittelbar vor einem Kriegseinsatz auf dem Balkan stand. Seine Offenheit gegenüber dem Klatsch-Profi kostete Scharping sein Ministeramt. Mit dem Bunte-Porträt ging auch seine Politikerkarriere baden. Sahner hatte die Pool-Szene mit Scharpings Liebhaberin Kristina Gräfin Pilati-Borggreve mit sicherem Boulevard-Instinkt arrangiert. Über die Entstehung sagte Sahner später: „Am Abend vor dem Shooting saßen wir ganz entspannt vor dieser wunderschönen Finca am Pool und haben ein bisschen Wein getrunken. Der Fotograf und ich haben überlegt, wie wir am nächsten Tag die Urlaubsstimmung am besten rüberbringen könnten, und kamen auch auf die Idee mit dem Pool. Die beiden waren einverstanden und so offenkundig verliebt, dass wir uns entschieden haben, die Geschichte großzügig aufzumachen.“ Dass der Politiker dadurch zu Fall kommen würde, sei ihm nicht in den Sinn gekommen: „Wir wollten Scharping nicht schaden.“

Update, 08.06., 16.54: In einer früheren Version hieß es, Paul Sahner sei bei der Abendzeitung tätig gewesen. Tatsächlich arbeitete er von 1973 bis 1976 bei deren Lokalrivalen tz, bevor er zur Burda nach Offenburg wechselte.

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Alle Kommentare

  1. mein herzliches beileid-sende ich,da er in den 70-80 jahren ein sehr guter freund von mir war,als ich noch als schauspieler in münchen lebte+arbeitete.er schrieb sehr viel über mich in der tz.er hat mich immer ins rechte licht gesetzt mit seinen Artikeln.RUHE IN FRIEDEN mein freund.

  2. Liebe Kollegen,
    Richtig ist, dass Paul Sahner Gesellschaftskolumnist in München war, allerdings nicht bei der Abendzeitung sondern bei der Konkurrenz, der tz. Und zwar von 1973 bis 1976.
    Auf diesen Umstand geht auch die BUNTE-Kolumnistin Marie Waldburg ein, die in der morgigen tz den Nachruf auf Paul Sahner schreibt. Sie war nämlich in der fraglichen Zeit Gesellschaftskolumnistin bei der AZ.
    Rudolf Bögel
    Chefredakteur tz

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