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Presserat zu Germanwings-Beschwerden: Name von Co-Pilot durfte genannt werden

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Schon lange war eine medienethische Frage nicht mehr so kontrovers diskutiert worden. Durften Medien den Namen des Co-Piloten Andreas Lubitz nach der Germanwings-Katastrophe nennen oder nicht? 430 Beschwerden gingen im Zusammenhang mit der Germanwings-Katastrophe beim Presserat ein. Die Medienwächter kommen nun zu dem Ergebnis: Ja, die Nennung des Namens ist zulässig.

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Anders liegt der Fall bei Abbildung von Opfern und deren Angehörigen. Diese waren – nach Einschätzung des Kontrollgremiums – „in der Regel unzulässig“. Deshalb sprachen die Berliner auch Rügen und Missbilligungen aus.

Bei der Bewertung der Namens-Nennung musste der Beschwerdeausschuss eine Vielzahl von Faktoren beachten: „Zunächst handelte es sich bei dem Germanwings-Unglück nach Ansicht des Presserats um eine außergewöhnlich schwere Tat, die in ihrer Art und Dimension einzigartig ist“, heißt es in der Erklärung der Berliner. Dies spreche für ein überwiegendes öffentliches Interesse an dem Fall insgesamt.

Allerdings wurde durch die Nennung des Namens, des Wohnortes des Co-Piloten und der Information, dass er auch im Elternhaus gelebt hat, die Identifizierung der Eltern ermöglicht. Trotzdem überwiegt aus Sicht des Presserats in diesem „außerordentlichen Fall“ das öffentliche Interesse „an der Information über den Täter, soweit es die reine Nennung des Nachnamens betrifft“.

Ebenfalls zu berücksichtigen hatten die Pressewächter den Umstand, ob es sich um einen Suizid handelte. Dies würde eigentlich eine besondere Zurückhaltung der Medien verlangen. Doch in Anbetracht von 149 weiteren Todesopfern trete dieser Gesichtspunkt zurück, so der Presserat.

Auch die Frage einer möglichen Vorverurteilung durch die Medien mussten die Berliner prüfen. Sie kamen jedoch zu der Auffassung, „dass die Medien ab dem Zeitpunkt der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Marseille am Mittag des 26.3.2015 davon ausgehen durften, dass Andreas Lubitz das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht hatte“. Weiter heißt es in ihrer Erklärung: „Zusammen mit der Einzigartigkeit des Falls war in der Gesamtschau eine Nennung des Namens des Co-Piloten aus Sicht des Presserats zulässig.“

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Der Presserat lehnt alle Beschwerden gegen die identifizierende Berichterstattung über den Co-Piloten ab.

Trotzdem sprachen die Berliner Rügen aus. So wurde Bild und Bild.de gerügt, weil sie mehrfach Bilder und Namen von Opfern veröffentlicht hatten. „So waren Fotos von Urlaubern gezeigt worden, die zwar an einem Ort in einer Kleinstadt öffentlich ausgehängt worden waren. Dies geschah jedoch nicht für die Medienöffentlichkeit und ohne Zustimmung der Abgebildeten oder Angehörigen“, so der Presserat.

Eine weitere Rüge kassierte die Rheinische Post für einen Bericht über die Partnerin des Co-Piloten. Der Text habe zwar ihren Namen nicht genannt, dennoch habe der Artikel so viele persönliche Details enthalten, dass die Frau für einen erweiterten Personenkreis identifizierbar gewesen wäre.

Keinen Verstoß gegen den Pressekodex sah der Beschwerdeausschuss 2 in der Post von Wagner an die „Lieben Absturzopfer“. Gegen den Brief, der in der Bild-Zeitung erschienen war, lagen 31 Beschwerden vor. Nach Einschätzung der Medienwächter enthielt der Text jedoch keine Äußerungen, die gegen den Pressekodex verstoßen hätten. „Zu Entscheidungen über guten oder schlechten Geschmack ist der Presserat jedoch nicht berufen“, heißt es in der Erklärung des Gremiums.

Neben den Rügen sprach der Presserat auch sechs Missbilligungen und neun Hinweise aus. Die 430 Beschwerden, die rund um die 4U9525-Berichterstattung eingegangenen waren, sind die höchste Zahl zu einem einzelnen Ereignis seit Gründung der Freiwilligen Selbstkontrolle der Presse.

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Alle Kommentare

  1. Man ist glücklicherweise nicht mehr nur auf die sehr einseitige und faktenzurückhaltende deutsche Presse angewiesen.

    Schweizer und österreichischen Zeitungen sei Dank.

  2. Der Name ist genauso uninteressant, wie die Tatsache, dass er schwul war. Außer Emma will noch mal ihren unsäglichen Artikel neu redigieren.

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