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Die Fifa-Story bei SpOn und Spiegel – das leistet Online, das leistet Print

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Die Geschichte rund um die Ermittlungen und Festnahmen beim Weltfußballverband Fifa sind ein gutes Beispiel dafür, wie Online- und Print-Medien mit einer weltweiten Top-Nachricht umgehen. MEEDIA hat die Berichterstattung von Spiegel Online und dem gedruckten Spiegel zum Fall Fifa analysiert.

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Am frühen Morgen des Mittwoch, 27. Mai, wurden mehrere Fifa-Offizielle in einem Luxushotel in Zürich verhaftet. Die Festnahmen erfolgten auf Ersuchen von US-Behörden, die gegen hochrangige Funktionäre der Fifa wegen Korruption ermitteln. Für Medien weltweit war das eine absolute Breaking News, zumal kurz vor der anstehenden Wiederwahl des umstrittenen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. Der ist selbst freilich nicht angeklagt und wurde auch programmgemäß wiedergewählt.

Wie gehen nun Online- und Print-Medien mit einem solchen Fall um? Der Spiegel erschien am Samstag, musste also spätestens Donnerstagabend seine Titelstory zum Fifa-Skandal fertig haben. Spiegel Online arbeitete ohne Redaktionsschluss. Die Online-Redaktion des Spiegel leistete in der Aufarbeitung und Begleitung des Fifa Skandals einen tollen Job. Live-Ticker zur Blatter-Wahl, permanent neue Artikel, die teilweise den Nachrichtenstand abbildeten, teilweise aber auch eigene Infos und Einschätzungen lieferten. Dazu Kommentare, Infografiken, Videos, Hintergründe zu früheren Fifa-Skandalen – ein echtes Komplett-Paket. Offenbar hatten die Onliner auch Einblick in die Ermittlungsakten der US-Behörden. Insgesamt hat Spiegel Online zum aktuellen Fifa Skandal bisher 63 Stücke veröffentlicht, inklusive Live-Ticker, Pressestimmen und TV-Talkshow-Kritiken. Der die Fifa-Story bei Spiegel Online verfolgte, durfte sich rundum informiert fühlen.

Kann ein Print-Magazin, selbst eines mit den beträchtlichen Ressourcen des Spiegel, da überhaupt mithalten? Kann Print der Fülle von Online noch toppen und etwas Eigenes entgegensetzen? Ja und Nein. Die Fifa-Story und der aktuelle Spiegel-Titel zeigen beispielhaft, was Online leisten kann und was Print darüber hinaus trotzdem noch an Mehrwert bietet. Dieser Mehrwert besteht freilich nicht in einem Mehr an Infos.

Nach der Lektüre der Spiegel Print-Titelstory ist man auch nicht schlauer als nach Lektüre aller SpOn-Stücke zum Thema. Der gedruckte Spiegel gießt den gesamten Skandal mit seinen Hintergründen und Vor- und Nebengeschichten allerdings in eine lange, stringent durcherzählte Geschichte. Für den Leser ist das ein absoluter Mehrwert.

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Dabei leistet sich der Spiegel seine üblichen Schrullen und Manierismen. So muss man sich beim Lesen zunächst durch ein vielzeiliges, adjektivgetränktes Räsonieren über Wesen und Werdegang der US-Justizministerin Loretta Lynch kämpfen, bevor es interessant wird. Auch das Herumreiten auf nebensächlichen Details, die wohl belegen sollen, wie unfassbar dicht die Spiegel-Leute mal wieder dran sind, werden einem nicht erspart. So erfahren wir u.a., dass das Glas frisch gepresster O-Saft im Zürcher Hotel Baur au Lac von “Dienern in weißem Livree” serviert wird und 14 Franken kostet und die Anklageschrift der US-Behörde 162 Seiten lang ist.

So schreibt er halt, der Spiegel. Das kann man mögen oder nicht. An der eigentlichen Story ist aber nichts auszusetzen. Der Print-Spiegel geht, was die Erkenntnisse aus der Ermittlungsakte betrifft, sogar spürbar tiefer ins Detail als die Online-Kollegen. Zu erfahren, welche Tranche in welcher Höhe auf welches Konto von Fifa-Funktionär Jack Warner per Scheck an David Blazer, den Ex-Generalsekretär der amerikanischen Fußball-Konföderation Concacaf, gezahlt wurde, ist zwar beeindruckend detailliert aber letztlich nur von begrenztem Erkenntniswert. Dass Blazer als V-Mann der US-Ermittler die Fifa mit Hilfe eines Mikrofons im Schlüsselanhänger bespitzelte, erfährt der Online-Leser dagegen ebenso wie der Print-Leser des Spiegel.

Der Fall Fifa zeigt exemplarisch, wie die Rollen für Online- und Printmedien heute verteilt sind. Es geht beim Print-Spiegel (und bei jedem Print-Magazin, denn Spiegel und Spiegel Online sollen hier nur exemplarisch für ihre jeweilige Gattung stehen) meist gar nicht mehr darum, eine exklusive Information im alleinigen Besitz zu haben. Wenn eine Exklusiv-Nachricht in seltenen Fällen gelingt, dann ist das fein. Im Regelfall muss die Print-Redaktion aber mit demselben Infostand arbeiten, wie die Onliner. Die Fakten, die Hintergründe, die Einschätzungen – all dies ist online schon da. Der Mehrwert von Print besteht in allererster Linie in der Aufbereitung, der Ordnung der Geschichte.

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Alle Kommentare

  1. Sie schreiben: Nach der Lektüre der Spiegel Print-Titelstory ist man auch nicht schlauer als nach Lektüre aller SpOn-Stücke zum Thema.
    Das ist leider bei – fast – allen Spiegel-Texten so.

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