Anzeige

Metaio bringt Smartphones das Sehen bei: Warum Apple nach dem deutschen Tech-Pionier greift

Thomas Alt (l.) und Peter Meier haben Metaio gegründet und nun offenbar an Apple verkauft. Fotos: youtube/metaio.
Thomas Alt (l.) und Peter Meier haben Metaio gegründet und nun offenbar an Apple verkauft. Fotos: youtube/metaio.

Augmented Reality wirkt zuerst wie Spielerei. Die Technologie, die unsere Realität mithilfe von Smartphones oder Tablets erweitert, ist aber visionär und entwickelt sich über die Erlebniswelt Games zu einem Tool, das unseren Alltag verändert. Nachdem sich Google vergangenes Jahr das Start-up Magic Leap sicherte, griff nun auch Apple zu – und das in Deutschland. Metaio heißt das Münchener Unternehmen, das nun im iKonzern-Portfolio steht und zu den erfolgreichsten seiner Art gehört.

Anzeige
Anzeige

Früher, da hatte er noch Haare, erklärt Thomas Alt. Der Unternehmer steht oben auf der Bühne der Augmented World Expo und erklärt die Welt der Augmented Reality. 1999 begann der ehemalige VW-Ingenieur sich für Technologien zu interessieren, die das virtuelle Leben interaktiver gestalten. Heute, 15 Jahre später, ist der Unternehmer attraktiver Glatzenträger. „Meine Haare sind weg, aber die Visionen sind geblieben.“ Alt ist CEO des auf Augmented Reality spezialisierten Unternehmens Metaio, das soeben vom iPhone-Konzern Apple übernommen worden ist.

 

Seit 2003 setzen er und sein Partner Peter Meier als Gründer von Metaio ihre Visionen in Taten um, mittlerweile mit zahlreichen Mitarbeitern. Am Hauptsitz München, aber auch in ihren Auslandsbüros in San Francisco, New York City und Dellas arbeiten mehr als 85 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Umsatz von 5,4 Millionen Euro pro Jahr (2013). In den zwölf Jahren hat Metaio über 500 Projekte entwickelt und gehört weltweit zu den erfahrensten und führenden Unternehmen im Segment der Augmented Reality.

Das bedeutet, Alt und Meier arbeiten daran, die Welt mithilfe von Technologien und Geräten virtuell zu erweitern. Das funktioniert auf Laptops genauso wie mit Projektoren, Smartphones, Tablets oder Datenbrillen. „Wir bringen elektronischen Geräten das Sehen bei“, erklärt Alt mal im Interview mit dem Handelsblatt. Eines ihrer größten – und auch das wohl bekannteste – Projekt war die virtuelle Erweiterung des Ikea-Kataloges.

2013 waren bestimmte Katalog-Seiten mit kleinem Smartphone-Symbol versehen. Mit entsprechender App konnten einzelne Produkte gescannt und in 3D auf das Smartphone überspielt werden. Beim Abfilmen eines Raumes konnten Möbel so virtuell dort platziert werden, wo sie stehen sollten (s. Video). Mittlerweile ist die Technik so weit fortgeschritten, dass die virtuell eingeblendeten Gegenstände sogar Lichtschattierungen wahrnehmen können, zudem ist die Metaio-Software in der Lage, Orte oder Gegenstände zu erkennen und weitere Informationen einzublenden.

Anzeige

Als Alt und Meier, damals noch Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München, mit ihrer Pionierarbeit begannen, steckte die Technologie noch in den Kinderschuhen. 1999, so Alt, habe er für VW ein Forschungsprojekt, in dem es um den Einsatz von erweiterter Realität ging, betreut. „Hardware und Software waren damals aber nich nicht auf dem Stand, um die Forschungsidee zu realisieren.“ Heute ist VW sein Kunde und nutzt die Software beispielsweise, um auf dem iPad Modelle zu modifizieren. Auch Audi, BMW, Bosch, Daimler, MAN, Peugeot, Toyota oder McDonalds sind Metaio-Kunden, wie die IHK München in einem Porträt festhielt.

Der Kundenstamm verführt zu Spekulationen, weshalb Apple-CEO Tim Cook gerade jetzt nach den Münchenern gegriffen hat. In Cupertino werkelt man gerüchteweise fleißig am iCar, das die Autoindustrie revolutionieren soll. Die Spekulationen heizte zuletzt Apple selbst an. Wie das Wall Street Journal schrieb, soll Manager Jeff Williams gesagt haben: „Das Auto ist das ultimative Mobil-Gerät“. Dem Bericht zufolge bezog sich Williams auf Nachfrage zunächst aber auf das Potenzial des Services „CarPlay“, der es Fahrern ermöglichen soll, Apple-Anwendungen wie iTunes oder Siri direkt vom Touchscreen des Autos aus zu nutzen.

Und hier kommen Meatios Visionen ins Spiel. Denn das Unternehmen arbeitet daran, die Welt mit den Fingern interaktiv steuern zu können. So sollen beispielsweise Kameras in Datenbrillen Gegenstände in einem – wohl gemerkt – gedruckten Katalog erkennen und das Produkt mit Online-Shops verbinden. Wie bei einem Touchpad sollen Nutzer auf den Katalog drücken, um online zu bestellen. Dabei erkennt eine Thermokamera, wo der Nutzer gedrückt hat. Jedes Objekt solle so zum interaktiven Objekt werden, so Alt. An Weiterentwicklungen dieser Technologie dürfte Apple durchaus interessiert sein.

Wie fortgeschritten die Thermotechnologie tatsächlich ist, ist unklar. Bei der Augmented World Expo im Juni vergangenen Jahres scherzte Alt, „beim kommenden iPhone wird die Technologie nicht integriert sein“. Vielleicht aber wird es nun nicht mehr lange dauern. Bei Metaio auf der Website heißt es, dass das Unternehmen keine neuen Geschäfts mehr annehme. Bisher erworbene Software-Produkte können noch bis Ende des Jahres heruntergeladen werden.

 

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*