Anzeige

5 Dinge, die Verlage über Facebooks Instant Articles wissen sollten

Distributed Content: Facebooks Instant Articles überzeugt nicht alle Verlage
Distributed Content: Facebooks Instant Articles überzeugt nicht alle Verlage

Manche Medienvertreter sehen in Instant Articles so etwas, wie die kurz bevorstehende Übernahme der Medien-Weltherrschaft durch Facebook. Keine Panik, liebe Verlage, ganz so wild ist es nicht! Hier sind fünf Dinge, die Verlage über Instant Articles wissen sollten.

Anzeige
Anzeige

1. Die Reichweite ist nicht unbedingt verloren

Auch wenn digitale Reichweite für viele Verlage schwierig zu vermarkten ist, die Reichweite ist für viele Medienmanager noch immer eine heilige Kuh. Wenn man nun ganze Artikel als Instant Article bei Facebook veröffentlicht, bedeutet das dann automatisch, dass die monatliche Reichweite zum Beispiel in der IVW-Auswertung sinkt, weil die Leute die Texte dann auf Facebook lesen, statt auf der eigenen Website? Das muss nicht sein, geklärt ist aber freilich noch gar nichts. In den USA ist es so, dass das Marktforschungsunternehmen Comscore die Reichweite von Instant Articles mitzählt. Auch in Deutschland gibt es laut beteiligten Medienhäusern die Aussage von Facebook, dass ein IVW-Zählpixel auf Instant Articles eingebaut werden kann. Allerdings ist von den deutschen Start-Partnern, Bild und Spiegel Online, noch niemand auf die IVW zugekommen. Dies wäre die Voraussetzung für die IVW, zu prüfen, inwieweit Instant Articles gezählt werden können. Neben technischen Fragen, die gelöst werden müssten, müssten auch die IVW-Gremien ihr OK geben. Prinzipiell ist es aber nicht unmöglich – siehe USA – dass Instant Articles auf die gemessene Reichweite eines Digitalangebot einzahlen.

2. Instant Articles müssen nicht gratis sein

Diese doofen Medien, die bei Instant Articles mitmachen, verschenken ihre wertvollen Inhalte an das böse, böse Facebook. So war es sinngemäß in einigen, teilweise regelrecht zornigen Kommentaren zum Start von Instant Articles zu lesen. Das muss aber gar nicht sein. Axel Springer hat zum Beispiel gleich zum Start von Instant Articles erklärt, dass gemeinsam mit Facebook ein Bezahlmodell geprüft wird. Will heißen: Instant Articles könnten irgendwann auch als Paid Content veröffentlicht werden. Ansonsten steht es Verlagen natürlich frei zu bestimmen, welche Inhalte als Instant Article veröffentlicht werden und welche nicht. So lange es bei Instant Articles kein funktionierendes Bezahlmodell gibt, zwingt niemand die Verlage, ihre Pay-Inhalte gratis als Instant Article zu veröffentlichen.

3. Instant Articles sind nicht gleichbedeutend mit Cat Content
Anzeige

Noch so ein Vorurteil von Leuten, die sich die ersten Instant Articles auf Facebook vermutlich gar nicht angeschaut haben. Da wird geargwöhnt, dass mit Instant Articles seriöse, journalistische Inhalte zu Gunsten von klickgeilem Cat Content zurückgedrängt werden. Aber auch hier gilt: Es liegt an den Verlagen selbst, was sie als Instant Article veröffentlichen. National Geographic und New York Times haben als ersten Instant Article je zwei lange Digital-Reportagen veröffentlicht. Absolute Premiumstücke, aufwändig produziert und in Szene gesetzt und so ziemlich das genaue Gegenteil von Cat Content. Natürlich muss hier experimentiert werden, Verlage werden erst  mit der Zeit lernen, welche Inhalte sich für Instant Articles eignen und welche nicht. Auch auf Papier gibt es Schund und Hochklassiges. Die Form bestimmt hier nicht den Inhalt.

4. Instant Articles sind kein “Walled Garden”

Buhu, die Verlage verlieren mit Instant Articles die Kontrolle über ihre Inhalte, das böse Facebook kann mit denen dann machen, was es will. Stimmt auch nicht. Zwar fehlt bei Instant Articles der direkte Link auf die Website. Allerdings haben Medienhäuser die Kontrolle darüber, wie ihre Inhalte präsentiert werden. Sie können zwar nicht bestimmen, welchen Facebook-Nutzern die Inhalte durch den Algorithmus angezeigt werden, das ist aber auch schon jetzt der Fall. Und: Instant Articles lassen sich sehr wohl teilen, zum Beispiel via Twitter. Der dabei geteilte Link führt dann nicht zum Instant Article, sondern auf die Website des Verlags. Instant Articles sind also kein “Walled Garden”, es gibt durchaus Wege zurück ins Web.

5. Instant Articles sind noch im Alpha-Stadium

Man darf vor allem nicht vergessen, dass sich Instant Articles noch in einem sehr frühen Versuchsstadium befinden. Weltweit gibt es gerade mal neun Medien als Kooperationspartner. Die Kooperationspartnern außerhalb der USA haben noch nicht einmal das Toolkit, um Instant Articles produzieren zu können. Und auch die US-Medien, die bereits Instant Articles veröffentlicht haben, sind über einige wenige nicht hinausgekommen. Die New York Times und der National Geographic haben außer ihren beiden Showcases bislang keine weiteren veröffentlicht. Vermutlich werden Instant Articles nicht die umfassende Lösung für alle digitalen Probleme der Verlage sein. Sie werden Facebook aber vermutlich auch nicht die Mittel in die Hand geben, die Verlage für alle Zeiten zu knechten und zu unterdrücken. Wenn es gut läuft, schaffen Instant Articles eine bessere Nutzer-Erfahrung für Medien-Inhalte auf Mobilgeräten und befeuern das Geschäft mit mobiler Werbung. Davon hätten alle Seiten etwas. Wenn es schlecht läuft, kommen Instant Articles bei Lesern nicht gut an oder lassen sich unzureichend monetarisieren. Dann werden sie wieder eingestellt und es muss weiter experimentiert werden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*