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Tiedje, Tillack und der Prozess um die „Total-Falschberichterstattung“

Im seit Monaten schwelenden Rechtsstreit zwischen dem Medienmanager und früheren Bild-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje sowie Hans-Martin Tillack, im stern-Hauptstadtbüro verantwortlich für investigative Recherche, haben sich beide Parteien vor dem Landgericht Hamburg auf einen Vergleich geeinigt. In diesem Zuge hat der stern-Journalist eine Unterlassungserklärung abgegeben. Erledigt ist der Zwist damit aber lange nicht.

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Tillack verpflichtete sich bereits im März, nicht mehr zu behaupten, der französische Ölkonzern Total gehöre zu den Kunden der WMP EuroCom AG oder habe jemals dazu gehört. Tiedjes Anwalt, der renommierte Strafrechtler Gerhard Strate, hatte gegen die fälschliche Darstellung im stern-Blog von Tillack Klage eingereicht und die Unterlassung durchgesetzt. Allerdings hatte auch Strate „Anbahnungsversuche“ der WMP eingeräumt. Im Blog des stern-Manns ist nun zu lesen: „Im Falle des französischen Ölkonzerns Total blieb es beim Versuch, eine Kundenbeziehung anzubahnen.“ Tillack verweist darauf, dass es bei WMP einen Betreuer für Total und über Monate Kontakte zu dem französischen Konzern gegeben habe: „Ich könnte mir höchstens den Vorwurf machen, dass mir die Vorstellungskraft fehlte, dass die Agentur WMP einen Betreuer für Total unterhielt, ohne dass der Konzern ein zahlender Kunde war.“

In einer Stellungnahme der Kommunikationsberatung heißt es nun kühl: „Die WMP nimmt Tillacks Selbstkorrektur zur Kenntnis.“ Und weiter: „In einem Schriftsatz vom 6. Januar 2015 hatten Tillacks Anwälte vorsorglich beklagt, der damalige WMP-Chef Tiedje bemühe ‚zunehmend die Justiz, um den Beklagten einzuschüchtern‘. Tiedje klage, ‚um Tillack persönlich unter Druck zu setzen‘.“ Die WMP EuroCom habe den Juristen Strate vorsorglich beauftragt, „auch künftig zu erwartenden diffamierenden Berichten Tillacks über die WMP presserechtlich, strafrechtlich und schadensrechtlich entgegenzutreten.“ Aktuell prüfe Strate „eine Inanspruchnahme Tillacks für den Schaden, den seine Total-Falschberichterstattung der WMP zugefügt hat.“ Tillack versteht die Aufregung nicht: „Ich habe WMP zu keinem Zeitpunkt diffamiert. Dass sich die WMP selbst um Total als Kunden bemüht hat, ist ja ein Beleg dafür, dass es sich aus Sicht des Unternehmens um keinen vorwerfbaren Akt handeln kann, für Total zu arbeiten.“

Es scheint also noch lange nicht vorbei zu sein mit den Prozessen. Im vergangenen Herbst hatte Strate bereits Strafanzeige wegen „übler Nachrede in einem besonders schweren Fall“ gegen Tillack erstattet. Allerdings mochte sich die Staatsanwaltschaft dem nicht anschließen und stellte das Verfahren ein. Doch der Ärger bleibt. Wie es aus dem Umfeld von Tiedje heißt, fühle sich der inzwischen aus dem operativen Geschäft ausgeschiedene ehemalige WMP-Chef von dem stern-Journalisten „regelrecht verfolgt“. Vor allem der von Tillack in seinem Buch „Die Lobby Republik“ erweckten Anschein, Tiedje zähle mit seiner WMP zu den mächtigen „Strippenziehern“ im Land, ärgert Tiedje. Im Interview mit MEEDIA hatte der Mittsechziger im vergangenen September auf den Vorhalt, Lobbyismus sei sein Geschäftsmodell, geschäumt: „Zur Zeit läuft mit dieser Halluzination so ein Typ vom stern durchs Land, wie heißt der noch? Tillack, richtig. Ein anderer stern-Kollege bezeichnete den als ‚fleischgewordenen Leerlauf‘. Lobbyisten – genau das sind wir nicht! Wir versuchen nicht, Politiker zu beeinflussen.“

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Das alles klingt nach einer ziemlich besten Feindschaft, und wie zu hören ist, soll bereits die nächste Klage in Vorbereitung sein. Dabei geht es um die angeblich unwahre Behauptung Tillacks in seinem Buch, zu den Kunden der WMP habe auch der Energieriese E.ON gehört. Merkwürdig, denn im „Lagebericht“ der WMP zum Jahr 2000 berichtet das Unternehmen selbst, das „Beratungsmandat für die E.ON Energie AG … (habe) einen kontinuierlichen Deckungsbeitrag“ geliefert.

 

 

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