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Medien-Stimmen zu Instant Articles: „Dass Spiegel und Bild bei Facebook unterkriechen, ist fatal“

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Sündenfall oder innovativer Zukunftstest? Die Branche hat eine neue Mega-Debatte: Dürfen, sollen oder müssen die Verlage gar bei Facebooks Instant Articles-Programm mitmachen? Bild und Spiegel sagen ja. Michael Hanfeld widerspricht in der FAZ. Er meint: "Wir sehen Journalisten mit Stockholm-Syndrom". Denn: "Die Todgeweihten beugen sich vor dem neuen Kaiser".

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Michael Hanfeld, FAZ: „Facebook wird zum Verleger – mit den Inhalten anderer, die sich auch noch darüber freuen, dass sie ihre Werke kostenlos abgeben dürfen. Man muss sich das entsprechende Werbevideo von Facebook antun: Da sehen wir Journalisten mit Stockholm-Syndrom, die mit glänzenden Augen erzählen, wie schnell ihre Story bei Facebook aufpoppt. Als wäre das ein Gnadenerweis, als gäbe es außerhalb von Facebook kein Leben in der Online-Welt. Die Kollegen hinterlassen einen erbarmungswürdigen Eindruck. Die Wahrheit ist: Sie benutzen als Namenlose den Lieferanteneingang. Hallo, Ihre Pizza ist da! Der Verkäufer kriegt alles, der Produzent fast nichts: Das ist das Prinzip Aldi, jetzt für die Presse.“

Felix Schwenzel antwortet in einem Blog-Posting direkt auf Hanfeld: „Er (Hanfeld) redet von ‚Objektivität und Wahrhaftigkeit‘, um die es beim ‚Qualitätsjournalismus‘ gehe. Und er greift tief in die Grabbelkiste mit abgenutzten Vokabeln für oberflächliche Online-Kritiker und spricht von ‚Kostenloskultur‘, Filterblasen und ‚Shitstorms‘. Von wem Hanfeld witzigerweise nur einmal, in einem Nebensatz, spricht, sind ‚Leser‘. Und eigentlich, so scheint es, sind diese ‚Leser‘ eine echte Gefahr für den Journalismus. Denn deren ‚vermeintliche Vorlieben‘ werden den Journalismus ins Unglück stürzen“.

Christoph Kappes liefert eine ruhige und rationale Analyse, der Gemengelage zwischen Google, Facebook und den Verlagen: „Die Vorstellung, dass Google und Facebook Wettbewerber von Medienunternehmen seien, ist – auch wenn sie neuerdings ständig wiederholt wird – so simpel nicht zutreffend. Zwar buhlen beide um Aufmerksamkeit und beide leben (wenigstens zum Teil) von Werbung. Ihre Wertschöpfung ist aber eine andere, ihre Produkte und Dienste unterscheiden sich von Medienprodukten. Als (mehrseitige) Plattformen haben beide maximale Werbeumsatz nur, wenn sie maximale Reichweite und Werbeeffizienz durch verwertbare Nutzerdaten haben. Folglich sind sie wirtschaftlich erfolgreicher, wenn sie inhalteneutral sind.“

In der NZZ analysiert Rainer Stadler: „Auf dem Spiel steht gleichzeitig die Strahlkraft einer Pressemarke und der direkte Kontakt zu den Kunden, wenn nur noch Facebook der Gastgeber und Konsumentenbeziehungshersteller wäre. Diese Gefahr besteht tatsächlich, ist allerdings nicht neu, zumal Techniken wie RSS-Feeds seit längerem zur Entfremdung von Kunden und Informationsproduzenten beitragen.“

Martin Giesler, der Mastermind hinter dem SocialMediaWatchblog rückt auch den Leser in den Vordergrund. Er kommt zu drei Einsichten: „Die Nutzer entscheiden darüber, welche Inhalte relevant und interessant sind. Die Nutzer entscheiden darüber, wie und wo sie diese Inhalte abrufen. Die Nutzer haben keine Angst vor ‚Datenkraken‘. Weiter schreibt er: ‚Und in der Konsequenz daraus bin ich felsenfest überzeugt, dass wir mit dieser Entwicklug auch nicht bei Instant Articles stehenbleiben werden, im Gegenteil.“

Zeit-Online-Chefredakteur Jochen Wegner verrät im Interview mit Horizont.net, dass er Instant Articles „interessant“ findet. „Facebook hat vieles richtig gemacht. Medien sollten grundsätzlich dort vertreten sein, wo ihre Rezipienten anzutreffen sind und in diesem Sinne jede neue Chance prüfen. Das hat in den vergangenen Jahrzehnten gut funktioniert. Seien es BTX, die frühen Online-Dienste und das Web, die großen Portale, Google oder nun Facebook – immer wieder kamen neue Reichweiten-Quellen dazu und jedes Mal haben einige den Untergang des Journalismus nahen sehen.“

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Alle Kommentare

  1. Die Verlage haben es bisher nicht geschafft, ein sinnvolles Monetarisierungskonzeot auf die Beine zu stellen. Facebook könnte da Schritt in die richtige Richtung sein. Insbesondere mobile dürfte die Zahl der Leser damit deutlich steigen. Wenn es am Ende finanziell passt, dürften alle Seiten profitieren. Die Angst, die insbesondere in dem zitierten FAZ-Artikel durchscheint, halte ich für übertrieben.

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