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Studie zu „Germany’s next Top-Model“: Heidi Klum-Show kann krank machen

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Der Vorwurf ist nicht neu, nun aber auch wissenschaftlich belegt: Die Model-Show "Germany's next Top-Model" kann Essstörungen verstärken und zum Teil auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI). ProSieben weist die Kritik zurück.

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Nach Angaben des IZI ist es die bisher größte internationale Studie zum Einfluss von Fernsehsendungen auf Essstörungen. Zwischen November 2014 und Februar 2015 wurden dazu 241 Menschen befragt. 96 Prozent waren weiblich, 85 Prozent litten an Magersucht, knapp die Hälfte war zwischen 16 und 21 Jahre alt. Der anonyme Fragebogen bestand aus zumeist offen gestellten und einigen geschlossenen Fragen. Gefragt wurde zum Beispiel: „Wie würden Sie den Einfluss von folgenden Mediendarstellungen auf Ihre Essstörung einschätzen?“ (auf einer Fünferskala von „keinen“ bis „sehr stark“).

„GNTM“ hat bei zwei Drittel der Befragten sehr starken Einfluss auf Essstörung

Unter die Lupe genommen wurde dabei zwar nicht nur „GNTM“. Auch Sendungen wie „Extrem Schwer“, „The Biggest Loser“, das RTL-II-Format „Extrem Schön“ oder Kochsendungen wie „Das perfekte Dinner“ wurden abgefragt. Letztere diente den Teilnehmern unter anderem dazu, sich in Hochphasen ihrer Magersucht „satt zu sehen“. Am häufigsten aber brachten die Befragten „GNTM“ mit der eigenen Krankheit in Verbindung.

Zwei Drittel gaben dabei an, die Sendung habe „sehr starken“ Einfluss auf ihre Krankheit, ein Drittel empfand ihn zumindest als „leicht“. Ein Großteil der Befragten (85 Prozent) stimmte der Aussage zu, dass die „Topmodel“-Show Essstörungen verstärken kann. Eine 14-jährige Teilnehmerin berichtete gar, ihre Krankheit hätte zum Teil mit der Sendung angefangen.

Als besonders problematisch erwiesen sich Szenen, in denen einzelne Körperteile genau begutachtet und als zu dick bezeichnet werden. Klums Kandidatinnen müssen mindestens 1,72 Meter groß sein und dürfen höchsten Kleidergröße 36 tragen. „GNTM setzt unerreichbare Normen und stellt Aussehen und Körper in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit“, schreiben die Autoren der Studie.

Model-Show vermittle „krankmachende“ Logik
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Die Teilnehmerinnen der Show würden dabei nicht nur zum Ideal von Schönheit und Erfolg erhoben, „sie scheinen als Normalfall, wie ein Mädchen heute auszusehen hat.“ Zudem vermittle die Sendung eine „krankmachende“ Logik: „Jede neue ‚Challenge‘, jede Gestaltung des eigenen Körpers durch Fremde ist voller Begeisterung anzugehen“, kritisieren IZI und der Bundesfachverband Essstörungen. „Empfindungen wie Müdigkeit und Kälte oder Gefühle wie Scham, Ekel, Wut oder Angst müssen unterdrückt werden.“

ProSieben wies die Kritik an dem Format zurück. „Bei ‚Germany’s next Topmodel‘ ist gesunde und nachhaltige Ernährung ein wichtiges Thema“, sagte Sprecher Christoph Körfer. „Regelmäßig weisen die Juroren darauf hin: Wer hungert, hat keine Chance als Model erfolgreich zu sein. Das ‚Schönheitsideal‘ Size Zero spielt in der Sendung keine Rolle.“ Magersucht sei natürlich „für alle Betroffenen und deren Familien ein großes und schlimmes persönliches Thema“, Übergewicht sei gesellschaftlich betrachtet aber ein viel größeres Problem, so Körfer.

Kritiker fordern mehr Verantwortung und Aufklärung

Studienleiterin Maya Götz räumt zwar ein, der Sender bemühe sich, in der Show insgesamt für gesunde Ernährung zu plädieren. Trotzdem mahnt sie: „Werden die Mädchen auf ihren Körper reduziert und in diesem hochsensiblen Bereich kritisiert, kann es nicht nur für die Akteurinnen, sondern auch für junge Frauen vor dem Fernseher fatale Folgen haben.“ Götz appelliert daher an den Sender: „Auch ProSieben hat eine gesellschaftliche Verantwortung.“

Es ist nicht das erste Mal, dass ProSieben sich mit Kritik an der Model-Show „Germany’s next Top-Model“ auseinandersetzen muss. Vorwürfe, die Show würde falsche Schönheitsideale vermitteln, stehen immer mal wieder im Raum. Im März vergangenen Jahres startete eine ehemalig Betroffene eine Online-Petition gegen die Sendung und sammelte mehr als 16.000 Unterschriften. Darin richtete sich die Initiatorin, Laura Pape mit einem Appell an Heidi Klum und den Sender ProSieben: „Sie müssen akzeptieren, dass Sie für viele junge Mädchen in Deutschland ein Vorbild sind.“ Pape forderte nicht die Absetzung der Sendung. Sie wollte vielmehr, dass „GNTM“ mehr Aufklärungsarbeit leistet: „Auf die GNTM-Website greifen hunderttausende junge Nutzerinnen zu. Junge Mädchen, die davon träumen, auch Model zu werden – und doch findet sich nicht ein einziger Hinweis auf das Thema Essstörung, Ernährung und „So findest Du Hilfe“. Bitte ändern Sie das!“

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