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Irischer Datenschutz: Twitter verwaltet Nutzerdaten künftig von Dublin aus

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Ab Mitte Mai verwaltet Twitter zwei Drittel seiner Nutzerdaten auf Basis der irischen Datenschutzbestimmungen. Das Unternehmen reiht sich damit in die Liste von IT-Konzernen ein, die von den liberalen Bestimmungen auf der grünen Insel profitieren. Auch der Modehändler Zalando kündigte an, ein Büro in Dublin zu eröffnen.

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Google macht’s, Facebook macht’s, nun will es auch Twitter: Ab dem 18. Mai wird der Kurznachrichtendienst Daten von Nutzern außerhalb der Vereinigten Staaten von der europäischen Konzernzentrale in Dublin aus verwalten. Dem Unternehmen zufolge sind das 77 Prozent der insgesamt rund 300 Millionen Nutzer, die den Dienst mindestens einmal im Monat nutzen.

Irischer Datenschutz verstößt gegen Persönlichkeitsrechte

Twitter verwaltet die Daten dieser Nutzer damit nicht länger nach US-Recht sondern nach dem irischen Datenschutzgesetz, das auf der europäischen Datenschutzrichtlinie basiert. Die aber sorgt seit geraumer Zeit für Diskussionen in EU-Parlament und -Kommission. Da bisher keine einheitliche Regelung gefunden werden konnte, profitieren IT-Konzerne von der besonders liberalen Auslegung des Datenschutzen in Irland, die von Kritikern als Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte verstanden wird. Facebook, das seine Nutzerdaten außerhalb der USA ebenfalls in Dublin verwaltet, muss sich vor diesem Hintergrund derzeit gegen eine Sammelklage vor einem Wiener Gericht verantworten: Europäische Nutzer werfen dem Konzern unter anderem vor, Daten unrechtmäßig zu speichern und weiterzugeben.

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Deutscher Modehändler Zalando zieht mit

Neben Facebook und Twitter betreiben auch Internetgrößen wie Google, Linkedin, Airbnb oder Dropox Dependancen in den Silicon Docks, dem irischen Pendant zum US-Tech-Hub Silicon Valley. Zuletzt kündigte der deutsche E-Commerce-Riese Zalando an, ein Entwicklerbüro in der irischen Hauptstadt zu eröffnen. Der Modehändler will dort vor allem die Datenanalyse vorantreiben. Grund für den Umzug nach Dublin sei das Angebot an IT-Fachkräften, das sich rund um die europäischen Hauptniederlassungen großer Konzerne versammelt. Die lockeren Datenschutz-Reglen spielten dabei aber keine Rolle, betonte Zalando und versicherte, dass das komplette Unternehmen Berliner Datenschutz-Bestimmungen unterstehe. Mit dem Büro in Dublin eröffnet der als deutsches Start-up gestartete Rocket-Internet-Zögling seine erste Niederlassung außerhalb Deutschlands.

Die Diskussion über eine einheitliche Datenschutzrichtlinie in EU-Parlament und -Kommission stockt derweil. Gerade Deutschland gehört laut vertraulichen Dokumente aus den Verhandlungen des EU-Ministerrats, neben Großbritannien und Irland zu den Ländern, die am meisten versuchen, die Richtlinie wirtschaftsfreundlicher zu gestalten.

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