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Diskussion über Kinderfotos im Netz: Alles Missbrauch oder was?

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Das Zurschaustellung der eigenen Kinder im Internet ist Missbrauch, schreibt Tagesspiegel-Redakteurin Caroline Fetscher – und erntet dafür Kritik. Im Netz streiten sich Nutzer darum, wie weit Eltern vor dem Hintergrund der elterlichen Fürsorge gehen dürfen. MEEDIA fasst die wichtigsten Punkte der Diskussion zusammen.

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Auslöser für das erneute Aufflammen des Reizthemas war die vielfache Berichterstattung über die „jüngste Bloggerin Deutschlands“, ein zweijähriges Mädchen aus Delmenhorst, dessen Eltern den #Mimi Blog betreiben: eine Website mit Bildern von und aus Mimis Leben.

Mittlerweile ist das Blog zum Symbol des öffentlichen Diskurses über Kinderschutz im Netz, elterliche Fürsorge und Medienkompetenz geworden. Wie weit können, sollten und dürfen Eltern gehen, wenn es um das Präsentieren des eigenen Nachwuchses im Internet geht? Wo liegt die Grenze?

Selbstdarstellung durch das eigene Kind ist Missbrauch

Für Caroline Fetscher passt die Antwort in drei Worte: „Das ist Missbrauch“, schreibt die Tagesspiegel-Autorin in einem Kommentar über Erwachsene, die ihre eigenen Kinder im Internet auf Blogs und in Videos zur Schau stellen. Letztlich sei dies nichts weiter als ein Ausdruck der Selbstpräsentation, schreibt Fetscher in Berufung auf einen Mainzer Medienpädagogen. Medienrechtler Tobias Röttger formulierte es gegenüber MEEDIA ähnlich: “Ein Blog über das Leben meines Kindes dient nicht dessen Wohl sondern meiner eigenen Selbstdarstellung.“

Fetscher geht es ihrem Beitrag aber nicht nur um das Strandbild im letzten Familienurlaub. Die Autorin prangert vor allem die Darstellung des Nachwuchses in vermeintlich lustigen und niedlichen Situationen an: „Denn besonders beliebt im Internet sind Aufnahmen von Kleinkindern und Kindern im Schulalter, die Erwachsene durch ihre Missgeschicke entzücken, etwa in dem Format ‚Upps – die Superpannenshow‚“. Längst hat sich diese Praxis auf Youtube reproduziert, man denke nur an das Millionenfach angeschaute Video „David after dentist“. „Wie würde man es als Erwachsener finden, wenn solche Szenen aus der Kinderzeit von einem selber weltweit abrufbar wären?“, fragt Fetscher.

Pauschalkritik ist unangemessen

Ihre bisweilen radikale Ansicht zu dem Thema teilt aber längst nicht jeder. „Die alleinige Abbildung des Kindes, erkennbar oder nicht, ist meiner Meinung nach kein „zur Schau stellen“, kommentiert beispielsweise der Nutzer Steve Rückwardt über Twitter.  Das Social Web habe uns die Möglichkeit gegeben, unser Leben mit der Familie, mit Freunden auf der ganzen Welt zu teilen. „Ist das verwerflich? Ist das Teufelswerk? Nein, sagen da sicherlich viele, das ist toll. Ich sehe das genauso“, schreibt Rückwardt später auf seinem Blog. Pauschalkritik an Eltern, die andere an ihrem Glück teilhaben lassen wollen, will Rückwardt nicht gelten lassen: „Man sollte Eltern nicht die Verantwortung absprechen, nur weil sie sich dafür entschieden haben, dass ihr Leben mit ihrem Kind etwas ist, das zu einem gewissen Teil auch in der (Teil-)Öffentlichkeit stattfindet.“

Sogleich räumt der Blogger auch Grenzen ein: Nacktfotos zum Beispiel oder Bilder, die den Kindern im Laufe ihrer Jahre anderweitig unangenehm sein könnten. Allerdings liege hier die Beurteilung im Ermessen der Eltern.

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Die Gefahr liegt in der Verknüpfung von Informationen

Wie sich das Teilen des eigenen Alltags inklusive Kinder im Netz verantwortungsvoll umsetzen lässt, versucht derweil Anette Göttlicher in einem eigenen Beitrag zu zeigen. Die Gefahr, so die Fotografin und Bloggerin, liege nicht im Bild an sich sondern in der Verknüpfung von Informationen. Für ihre eigenen, professionellen Bilder, auf denen häufig die eigenen oder Kinder von Kunden zu sehen sind, hat Göttlicher daher Regeln entworfen, die keinen Rückschluss auf die Identität des Kindes ermöglichen: „Es werden keine Namen genannt, wichtig: auch nicht in den Metadaten wie dem Dateinamen oder sonstigen auslesbaren Informationen.“

Eine Netz-Paranoia lehnt aber auch sie ab: „Man muss die Kirche auch im Dorf lassen. Mir ist wichtig, dass meine Kinder, vor allem wenn sie etwas größer sind und selbst im Internet aktiv werden, einen vernünftigen, aber nicht paranoiden Umgang damit lernen. Also lebe ich ihnen diesen vor.“ Online, so Göttlicher, gelte an dieser Stelle das Gleiche, wie Offline: „Ich kann meine Kinder nicht dauerhaft vor allen Gefahren beschützen und sie auf jedem Schritt begleiten, weder auf der Straße noch im Netz.“

Verantwortungsvoll handeln und nicht gleich an den Pranger stellen

Herz, Verstand und ein gesundes Misstrauen gehören bei der Entscheidung über das Veröffentlichen von Bildern und Videos aber stets zusammen, weiß Göttlicher. Und läuft einem im im Social Web doch mal ein Bild über den Weg, dessen Inhalt fragwürdig ist, sollte man die Urheber zunächst direkt ansprechen und auf die Gefahren hinweisen, statt öffentlich an den Pranger zu stellen, findet Kritiker Rückwardt. Denn letztlich sollten Eltern selbst entscheiden können, ob und mit wem sie ihr Familienglück teilen: „Wie vieles im Leben ist auch diese Thematik nicht einfach schwarz-weiss und es gibt manigfaltige Möglichkeiten damit umzugehen. Vergessen wir auch hier Werte wie Toleranz und Respekt nicht und lassen die Vielfalt des Lebens und der Gesellschaft einfach zu.“

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