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Michael Ringiers Absage an Paid Content: „Niemand verdient mit digitalen Inhalten Geld“

Der Schweizer Verleger Michael Ringier
Der Schweizer Verleger Michael Ringier

Das Print-Geschäft beim Schweizer Medienhaus Ringier ist rückläufig - an Online-Bezahlmodelle glaubt Verleger Michael Ringier trotzdem nicht. Gemeinsam mit dem Schweizer Ableger von Axel Springer will er das Magazin-Geschäft konsolidieren. Journalistische Inhalte sollen in Zukunft vor allem durch digitale Anzeigenerlöse finanziert werden. 

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Die Zahlen des vergangenen Jahres, die Ringier gerade veröffentlicht hat, könnten besser sein: 2014 sank der Gesamt-Umsatz des Unternehmens um 40 Millionen Franken auf 988,5 Millionen, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 123 auf 82,3 Millionen Franken. Nur Gewinne aus Immobilienverkäufen bewahrten den Konzern vor einem negativen Gesamt-Ergebnis von sieben Millionen Franken. Der Umsatz im Schweizer Print-Geschäft sank von 153,2 Millionen Franken im Jahr 2012 auf zuletzt 110,1 Millionen. 

Das Medienhaus ist sich der schwierigen Situation bewusst. Verleger Michael Ringier setzt daher zum einen auf Optimierung: Keine sechs Monate ist es her, dass Ringier und Axel Springer verkündeten, ein neues Joint-Venture schaffen zu wollen. Im osteuropäischen Markt kooperieren die Medienhäuser bereits seit 2010, nun soll die Schweiz folgen. Ziel sei es, die Rentabilität des Magazin-Geschäfts zu steigern: Durch Synergie-Effekte in der Verwaltung aber auch durch die örtliche Bündelung der Redaktionen. Die Verlage führen dadurch Titel wie „Tele“, „Handelszeitung“, „Bilanz“ (Springer), „Schweizer Illustrierte“, „L’Hebdo“ und „Glückspost (Ringer) zusammen und wären eines der fünf größten Medienunternehmen des Landes. Noch ist der Deal von den Wettbewerbsbehörden nicht abgesegnet. Aber auch dann wäre klar: Eine abschließende Lösung für das Problem wäre die Kooperation nicht.

„Niemand verdient mit digitalen Inhalten Geld“

Mit Online-Bezahlschranken Geld verdienen will Michael Ringier trotzdem nicht. „Ich habe Zweifel, ob die Digitalisierung die Rettung des Journalismus bedienen kann“, sagte der Verleger jetzt gegenüber dem Handelsblatt (Digitalpass). „Außer wenigen englischsprachigen Medien verdient niemand mit digitalen Inhalten Geld.“ Außer der Webseite der jüngst erworbenen Westschweizer Zeitung, Le Temps, bleiben daher alle Ringer-Portale kostenfrei. Denn, so Ringier-CEO Marc Walder, „nur 2,5 Prozent der Nutzer von Gratis-Inhalten erwerben später Bezahl-Inhalte.“ Das sei zu wenig, um darauf aufzubauen.

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Stattdessen soll umgebaut werden – und zwar das klassische Verlagsgeschäft: Für Wachstum und Gewinn sollen Anzeigen-Portale sorgen. Dafür stieg Ringier im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem US-Beteiligungshaus KKR für rund 200 Millionen Franken bei den Schweizer Seiten von Scout24 ein, zu denen unter anderem Portale wie AutoScout24 oder ImmoScout24 gehören. Ringier hält mit 52,5 Prozent die Mehrheit daran und schließt auch Zukäufe außerhalb der Schweiz nicht aus. Für 390 Millionen Franken kaufte sich das Medienhaus gemeinsam mit Konkurrent Tamedia zudem das Job-Portal „Jobs.ch“. Weitere Anteile hält Ringier zum Beispiel am Online-Shop DeinDeal.

Print bleibt Teil der Ringier-Kultur

Mittlerweile macht Ringier rund ein Drittel seines Umsatzes mit Digital-Geschäften wie diesen: Während das klassische Anzeigengeschäft 2014 rund 150 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr einbüßte, stieg der Anteil des Digitalgeschäfts von  25,7 auf 32,1 Prozent an. Damit liege man über der Mittelfristplanung, verkündet CEO Walder im aktuellen Jahresbericht.

Am publizistischen Geschäft will Ringier auch in Zukunft als zentralen Pfeiler des Konzerns festhalten. „Denn“, so Verleger Ringier gegenüber dem Handelsblatt, „lesen auf Papier ist mehr als ein technischer Vorgang, es ist Teil unserer Kultur.“

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Alle Kommentare

  1. Zumindest ist es schwer, allen oder auch nur einem grossen Anteil der Online Nutzer einer Publikation Abos zu verkaufen. Das würde Loyalität und Bindungsbereitschaft bedingen. Die gibt es allerdings online noch weniger als offline. Warum Nutzer zum Bleiben zwingen, die es nicht wollen? Die kaufen im Zweifelsfall lieber gar nichts.

    Pay-As-You-Go (pay per article) ist eine mögliche Antwort..

  2. Ein wenig mehr Sorgfalt bitte! Der Satz „Mit journalistischen Inhalten Geld verdienen will Michael Ringier trotzdem nicht.“ ist natürlich absolut unzutreffend.
    Selbst richtiggestellt auf digitale Inhalte KANN es niemals heißen, dass er nichts verdienen wolle.

  3. Wenigstens ist Ringier ehrlich. Die Diskussion um Paid Content oder nicht zeigt nur eines: Die wenigsten Verlage haben das internet im Griff – und entwickeln dafür neue Ideen. Da wird fleißig mit neuen Kanälen wie Whatsapp, Pinterest und Konsorten experimentiert – aber ohne Sinn und Verstand. Das macht deutlich, dass den Verlagen ganz ähnlich wie dem Handel der Sinn für ihre Kunden abhanden gekommen ist in den fetten Jahren. Leser? Sind doch alle doof – habe ich vor 30 Jahren schon gehört und höre ich gerade jetzt wieder sehr, sehr oft. Mit dieser Haltung fragt man dann auch nicht: Was wollen Leser eigentlich und wie können wir junge Digital-Rezipienten für uns gewinnen? Okay, ein bisschen Geldfluss durch Anzeigenportale ist ja schon mal ein erster Schritt, aber was kommt danach, Herr Ringier?

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