Zwischen Faszination und Angst: Die neue Überwachungs-Doku „Do Not Track“

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Am Montag ist die interaktive Mitmach-Doku "Do Not Track" gestartet, die dem Zuschauer in Echtzeit zeigt, was mit seinen persönlichen Daten im Netz passiert. Das außergewöhnliche Gemeinschaftsprojekt der französischen Produktionsfirma Ubian, dem BR, Arte und dem National Filmboard of Canada schafft es, dass der Nutzer Tracking-Mechanismen besser versteht und gleichzeitig sein eigenes Surfverhalten hinterfragt.

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Richard Gutjahr holt sich seinen ersten Kaffee, öffnet sein MacBook – und gibt so schon in den ersten Morgenstunden zahlreiche Daten von sich im Netz preis: viele freiwillig und mindestens genauso viele unfreiwillig. Das erzählt der Blogger und Journalist in der ersten Episode der Web-Dokumentation „Do Not Track„. Die Folge „Morgenrituale“ verdeutlicht, wie uns so genannte Tracker auf unseren Lieblingswebseiten überwachen – und diese gesammelten Informationen dann verkaufen.

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Das persönliche Surfverhalten wird aufgezeichnet

Nachdem ich mich mit meiner E-Mail-Adresse auf der Webseite angemeldet und auf Play gedrückt habe, begrüßt mich Richard Gutjahr nach den ersten Minuten der ersten Folge mit den Worten „Ich weiß, dass es bei Ihnen Nachmittag ist, die Sonne scheint und Sie einen Mac benutzen“, was bei mir ein erstes Schaudern auslöst, denn es stimmt natürlich. Im weiteren Verlauf der Episode werde ich immer wieder aufgefordert mitzumachen und Daten von mir preiszugeben: Anhand zwei meiner häufig genutzten Webseiten wird mir zum Beispiel erklärt, wie personalisierte Werbung funktioniert, was passiert, wenn ich auf diesen Seiten surfe, wer mich trackt und wie mein Verhalten aufgezeichnet wird.

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Die zweite Episode „Breaking Ad“ geht der Frage nach, ob das Internet ohne Tracking überhaupt möglich wäre. Hier kann ich mir nun selber die Frage stellen, ob ich bereit wäre für Facebook oder Google Geld zu bezahlen – und wenn ja, wie viel. Nachdem ich meinen Wunschbetrag eingegeben habe, erfahre ich, was die Unternehmen an mir persönlich verdienen und ob mein angegebener Betrag überhaupt ausreichen würde.

Wie entsteht mein zweites digitales Ich?

„Do Not Track“ ist eine internationale Gemeinschaftsproduktion und wird von der französischen Produktionsfirma Ubian in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk, Arte und dem National Filmboard of Canada umgesetzt. Das Projekt will nach eigenen Angaben „dem Nutzer die Kontrolle zurückgeben“, es soll für ihn erfahrbar werden, wie ein zweites digitales Ich entsteht – das nicht mehr von ihm selbst, sondern durch einen Algorithmus kontrolliert wird.

Die einzelnen Folgen werden auf dem „Do Not Track“-Blog von Inhalten der ARD und des BR begleitet. Auch Inhalte externer Medien wie Das Filter, Netzpolitik.org oder Golem werden hier veröffentlicht. Der Nutzer kann außerdem zwischen den verschiedenen Versionen (Deutsch, Englisch, Frankreich und Kanada) der interaktiven Dokumentation switchen: Die Inhalte bleiben dabei gleich, die Hosts ändern sich allerdings je nach Land. Mit dabei sind zum Beispiel auch die französische Journalistin Zineb Dryef und die Wissenschaftlerin Virginie Raisson.

Während ich die ersten beiden Folgen anschaue, schwanke ich zwischen Faszination und Angst – was genau den von der Produktion gewünschten Lerneffekt erzeugt: Ich verstehe die Mechanismen hinter dem Daten-Tracking besser, hinterfrage gleichzeitig mein Verhalten im Netz und stelle mir so, wie zu Beginn aufgefordert, die Frage: Was wäre, wenn ich gezwungen würde, ALLES von mir zu teilen – auch die negativen Dinge?

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Alle Kommentare

  1. Hallo liebe Leute,
    was da mit unserem privat Leben passiert, ist eine Riesen Sauerei. Aber wie kann ich feststellen, was das Netz über mich weiß ?

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