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Der ORF und die Vulkan-Ente: von einem Ausbruch, der niemals stattfand

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Der österreichische Sender ORF berichtet in der Sendung "Zeit im Bild" über einen Vulkanausbruch in Island, der gar nicht stattgefunden hat - mit Bildern aus dem Vorjahr. Grund für die Falschmeldung seien strukturelle Probleme innerhalb der Redaktion, berichtet das Medienblog Kobuk. Der ORF findet das "lächerlich".

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Anschauen kann man die besagte Nachricht noch bis zum 14. April im Nachrichtenblock (ab Minute 1:00) der Sendung „Zeit im Bild“ (ZIB).  Im Bericht heißt es, der Vulkan in Island speie seit Tagen große Lavamassen aus, wäre seit Ende des vergangenen Jahres aktiv und der Lavaaustoß würde immer stärker. Die Umgebung sei zudem bereits teilweise gesperrt.

Die Bilder, die „ZIB“ verwendet, sind tatsächlich echt, wurden aber bereits im November 2014 auf Youtube veröffentlicht.

Wie der Medienwatchblog „Kobuk!“ von Studenten der Uni Wien berichtet, hatte das isländische meteorologische Büro bereits im Februar über den Ausbruch – und dessen Ende – berichtet. Auf Twitter machte eine Nutzerin auf die Ente aufmerksam.

Die Studenten fragten darauf hin beim Sender nach und bekamen von Teilnehmern der morgendlichen „ZIB“-Redaktionssitzung die Information, der Fehler sei „auf Druck des Chefs vom Dienst, einen Fehler des Monitoring-Teams sowie einen Redakteur, der diese Meldung eigentlich nicht machen wollte (und dann den Fehler nicht merkte), zurückzuführen.“

In Hinblick auf das Redaktionsstatut des ORF aber, dürften Redakteure nicht angehalten werden, einen Beitrag zu verfassen, den sie inhaltlich nicht vertreten können, schreiben die Autoren weiter. Gelebte Praxis jedoch sei das regelmäßige Auffüllen von Sendungsblöcken mit irrelevanten Geschichten und unter Zeitdruck. „Wer sich weigere“, berichtet Helge Fahrnberger, „dem werde Arbeitsverweigerung nachgesagt. Dem Druck könne man kaum widerstehen.“

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ORF dementiert: Unterstellungen seien „lächerlich“

Auf diese Vorwürfe reagierte der ORF prompt: Das Bild sei zu kurz vor der Sendung eingegangen, in der Eile sei es misslungen, sorgfältig zwischen aktuellen und archivierten Bildern zu unterscheiden, schreibt Auslands-Ressortleiter Andreas Pfeifer. Den Rest der Unterstellungen dementiert der Redakteur dann aber vehement: Es sei „lächerlich“ anzunehmen, „dass ORF-Redakteure zu vulkanologischen Falschmeldungen gezwungen werden.“

Die Medienkritiker von Kobuk! sehen das ein und geben zu: „Natürlich ist der Beitrag ein Fehler der beteiligten Journalisten.“ Gleichwohl scheint es innerhalb der Redaktion von ZIB noch weitere Meinungen zu geben: „Unsere Gesprächspartner in der ZIB-Redaktion sind jedoch offenbar der Ansicht, dass dieser Fehler auch mit den Arbeitsbedingungen in der Redaktion zusammenhängt.“

Die Stellungnahme des ORF im Wortlaut:

Die ZIB hat in einer Blockmeldung behauptet, dass ein isländischer Vulkan, der derzeit nicht aktiv ist, derzeit aktiv ist. War das falsch ? Ja, das war falsch. Was war der Grund? Das Bildmaterial ist kurz vor der Sendung eingelangt, in der Eile ist es misslungen, zwischen aktuellen und archivierten Bildern geflissentlich zu unterscheiden. Die ZIB bedauert, ich bedauere auch.

Ihr Blog behauptet, dass dieser Vorfall strukturelle Hintergründe habe: Druckausübung auf Redakteure, niedrig gelegte Latten für zu sendende Informationen, Angst vor dem Eindruck von Arbeitsverweigerung. Ist das richtig ? Nein, das ist auch falsch. Weil nicht geschehen. Weil es eine Mythenbildung betreibt, die sich weder von diesem Vorfall noch von unserem Redaktionsalltag und Redaktionsethos ableiten lässt. Weil es lächerlich ist, anzunehmen, dass ORF-Redakteure zu vulkanologischen Falschmeldungen gezwungen werden.

Ich bedaure auch die Falschmeldung Ihres Blogs – und bitte Sie, dies zur Kenntnis zu nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Pfeifer

 

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