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Und ewig lockt die Werbung: „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers bei McDonald’s

Da wurde die „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers für die Eröffnung einer McDonald’s-Filiale am Frankfurter Flughafen gebucht. Die ARD findet nix dabei, denn Frau Rakers ist freie Mitarbeiterin und somit auch frei, Werbung zu machen. Das Phänomen, dass „Tagesschau“-Sprecher ihre Prominenz versilbern ist schon alt, der damit verbundene Interessenskonflikt poppt mit schöner Regelmäßigkeit alle paar Jahre auf.

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Judith Rakers kann man keinen Vorwurf machen. Sie arbeitet als freie Mitarbeiterin für den NDR und wird von dem Sender pro moderierter „Tagesschau“-Ausgabe bezahlt. Ein bisschen über 230 Euro bekommen die sprechenden Köpfe der „Tagesschau“ pro Folge (Stand: 2013). Da die meisten Sprecher und Sprecherinnen mehrere Ausgaben pro Tag präsentieren, summiert sich das monatliche Honorar der freien Kräfte auf 8.000 bis 10.000 Euro pro Monat.

Das ist nicht wenig Geld. Für jemanden, der auf der Straße erkannt wird und über Autogrammkarten verfügt aber vermutlich steigerbar. Das Medienmagazin „Zapp“ (das wie die „Tagesschau“ auch vom NDR produziert wird) machte vor sechs Jahren groß damit auf, wie die Nachrichten-Promis von ARD und ZDF nebenher kassieren. Ganz vorne mit dabei war auch der damalige „Tagesthemen“-Moderator und heutige WDR-Intendant Tom Buhrow, der für einen Auftritt bei einer Sektkellerei schon mal 10.000 Euro in Rechnung stellte.

Nach dem Wirbel wurden bei der ARD die Regeln verschärft. Mit einem offiziellen Genehmigungsverfahren wurde dem Moderations-Wildwuchs der Festangestellten Sendergesichter ein Ende gesetzt. Freie Mitarbeiter – wie Frau Rakers – dürfen aber nach wie vor nach Herzenslust werben, wie der NDR dem Handelsblatt auf Anfrage zum aktuellen Fall nochmals bestätigte. Eine halbgare Lösung – welcher Zuschauer kann denn unterscheiden, ob ein „Tagesschau“-Gesicht nun festangestellt oder frei beschäftigt ist?

Die freie NDR-Mitarbeiterin Judith Rakers wurde also – neben vielen anderen Promis – für die McDonald’s Sause in Frankfurt gebucht. Einem aufdringlichen Bild-Reporter sagte sie sogar noch ins Mikro, dass sie auf „fette Burger mit Pommes“ stehe. Vor der Promo-Wand posierte sie mit Firmen-Maskottchen Ronald McDonald. Wieviel sie für den Auftritt an Honorar erhielt, ist unbekannt. Bekannt ist, dass sie zuvor die Erlaubnis von ARD-Aktuell Chefredakteur Kai Gniffke eingeholt hat. Ein Mann, der die Seriosität und den Glaubwürdigkeits-Anspruch der „Tagesschau“ sonst gerne mit der Monstranz vor sich herträgt.

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Gelb wie Pommes! Nachrichtensprecherin Judith Rakers bei McDonald’s am Flughafen…

Posted by BILD Frankfurt on Montag, 30. März 2015

Werbung übt auf TV-Promis eine unheimliche Anziehungskraft aus. „Tagesschau“-Menschen sind da keine Ausnahme – im Gegenteil. „Tagesschau“-Sprecher und die Werbung, das ist eine Geschichte mit langer Tradition. Schon vor Jahrzehnten hatte Werner Veigel Ärger mit der ARD, weil er für damals 30.000 Mark Werbung für eine Brauerei machte. „Tagesschau“-Lady Dagmar Berghoff war immer gut gebucht für Galas und sonstige Moderationen. Das Problem ist nicht neu. Aber ist es überhaupt ein Problem?

Bei der ARD sieht man das wohl so, sonst müsste man die auf werblichen Wegen wandelnden Nachrichten-Sprecher nicht immer wieder einfangen und maßregeln. Judith Rakers & Co. verdanken ihre lukrativen Engagements in erster Linie ihrer Prominenz durch die „Tagesschau“. Nachrichtensprecher genießen sie hierzulande einen hochoffiziellen Status. Was um 20 Uhr im Ersten vom Blatt abgelesen wird, hat den Charakter einer absoluten Wahrheit. Jedenfalls arbeiten die Gniffkes dieser Welt hart daran, dass es so wirkt. Und diese Seriosität und Glaubwürdigkeit wird dann genutzt, um bei PR-Events eines globalen Fast-Food-Konzerns bella figura zu machen und ein paar Euros extra abzugreifen.

Um zu erkennen, dass der Interessenskonflikt hier praktisch eingebaut ist, stelle man sich nur mal vor, die „Tagesschau“ würde eine Meldung über einen Fleischskandal, der McDonald’s betrifft, bringen. Oder über Entlassungen bei dem Konzern oder schlechte Geschäftszahlen. So eine Meldung würde dann vorgetragen von jemandem, der nebenher gerne mit dem Firmenmaskottchen posiert und dafür die Hand aufhält.

Die Ausrede, es handle sich hierbei ja „nur“ um freie Mitarbeiter ist nicht stichhaltig. Die ARD, in diesem Fall der für die „Tagesschau“ zuständige NDR, muss sich fragen lassen, ob es nicht eine gute, saubere Sache wäre, die „Tagesschau“-Sprecher für ein ordentliches Gehalt fest anzustellen und dafür werbliche Nebentätigkeiten vertraglich auszuschließen. Unfassbar hohe Summen dürfte das nicht kosten, verglichen mit dem viele Milliarden schweren Budget der ARD. Für einen öffentlich-rechtlichen Sender wäre das bestens angelegtes Geld.

Ja, das wäre fein, doch es fehlt die Hoffnung. Den ewigen Interessenskonflikt zwischen Wahrheit und Werbung bei den „Tagesschau“-Sprechern gab es früher schon und es wird ihn vermutlich auch in Zukunft geben. Der Blick in die Vergangenheit (Veigel, Buhrow) zeigt, dass es hier offenbar keinen Handlungswillen auf der Seite der ARD gibt. Schade.

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Alle Kommentare

  1. Frage an Stefan Winterbauer, den Hüter der journalistischen Moral. Sollten die betreffenden Mitarbeiter, die ihre Glaubwürdigkeit durch Werbeauftritte verwässern, nicht vielleicht auch gleich ihren Presseausweis zurückgeben, sofern sie einen haben?

    1. Und wenn Sie groß sind, „Harald Huesch“…

      „Jan Hofer moderiert über Jahre “Riverboat” auf mdr und niemand stört es. Much adoo …“

      …erklärt Ihnen die Mami auch den Unterschied zwischen dem Moderieren einer anderen ÖR-Sendung und einem Werbeauftritt bei einem Burgerimitatbrater.

      PS: „ado“. Dududu!

  2. Grundsätzlich, Herr Winterbauer, ist Ihr Vorschlag – Leute anstellen und Werbeauftritte verbieten – richtig. Im Fall der Tagesschausprecher sollte der Zoll sowieso mal überprüfen, ob es sich bei denen nicht um Scheinselbständige handelt – die dürften in Redaktionsabläufe und Dienstpläne eingebunden sein – und wenn einer von denen auch bei N24 moderieren wollte, würde Herr Gniffke wohl nicht lange fackeln…

    Ändert aber nichts daran, daß es in den meisten Redaktionen nicht ohne freie Mitarbeiter geht – und die leben davon, mehr als einen Kunden bzw. Auftraggeber zu haben. Wer wirklich „vom Fernsehen“ ist und wer dort nur aushilft – das kapiert Lieschen Müller sowieso nicht.

    Nebenbei: Sicher gibt es genug freie wie angestellte Journalisten, die von den Honoraren der Tagesschausprecher träumen. Dennoch sollte man erwähnen, daß die „8000 bis 10.000 Euro“ brutto sind und Freie davon selbst Krankenkasse, Rente und Urlaub erwirtschaften müssen.

  3. Habe gestern mal in die Entertainer Show um 20h reingeguckt, war aus versehen, echt ischwör!, da sprach zu Thema
    „Was um 20 Uhr im Ersten vom Blatt abgelesen wird, hat den Charakter einer absoluten Wahrheit.“ ein ARD- Männlein zu den Gesprächen Kuba- USA:
    „Obama geht es in den Gesprächen um die Menschenrechte.“ Das Männlein hat aber nicht vorgelesen, wo denn? Nur in Kuba oder endlich auch in USA. Egal: Comedypreis für diese Sendung!

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