#Faketopia-Skandal: Sat.1-TV-Experiment „Newtopia“ als Scripted Reality entlarvt

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Dies dürfte das vorzeitige Ende für das als "größtes TV-Experiment aller Zeiten" angekündigte Sat.1-Format "Newtopia" bedeuten: In der Nacht auf Montag wurde aus Versehen ein Treffen zwischen Produzenten und Kandidaten von "Newtopia" ins Web übertragen, in dem deutlich wird: Alles Fake in der neuen Welt! Und das obwohl sich Sat.1 und die Produktionsfirma Talpa Germany ausgerechnet damit gerühmt hatten, keinerlei Einfluss auf das Geschehen zu nehmen.

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Echte Menschen und echte Geschichten sollten in dem neuen Reality-Format „Newtopia“ gezeigt werden. Anders als bei „Big Brother“ hätten die Macher der Sendung kaum Einfluss auf das, was zwischen den Bewohnern passiert, beteuerten Sat.1 und die Produktionsfirma Talpa Germany im Vorfeld. Und genau das wäre es gewesen, was den Reiz des TV-Experiments ausgemacht und es von der Mutter aller Voyeurismus-Shows „Big Brother“ abgehoben hätte.

Doch tatsächlich ist alles ganz anders: Das Format ist offenbar gescripted, das heißt die Geschichten in der neuen Welt werden von der Produktion vorgegeben. Wie zuerst DWDL berichtete, haben sich die Kandidaten gegen 2 Uhr Morgens mit der Executive Producerin von Talpa Germany, Jacqueline Boßdorf, getroffen und für ungefähr 50 Minuten hitzig diskutiert: Die Pioniere waren sauer über die Art und Weise, wie die Produktion Einfluss auf die Sendung nehmen wollte. Die Produktionsfirma hatte im Vorfeld von vier Kandidaten mehr Spannung gefordert; die Kühe sollten verkauft und in der Scheune ein Restaurant eröffnet werden. Dies sollte eigentlich ein Geheimnis zwischen der Dramaturgie und den vier Pionieren bleiben, doch während die vier die Anweisungen im Technikraum des Sets erhielten, hatten die anderen Kandidaten an der Tür gelauscht.

Wie eine der 360-Grad-Kameras vergangene Nacht aufzeichnete, kam Jaqueline Boßdorf ans Set, um sich dafür zu entschuldigen. Sie brachte einen Kasten Bier mit, hob das Rauchverbot auf und erklärte außerdem, sie sei schon betrunken. Sie beklagte sich über den großen Druck der Zuschauer und betonte, auch der Erfinder des Formats, John de Mol, habe sich die Eröffnung des Restaurants ausdrücklich gewünscht. Im Verlauf des Gesprächs kam außerdem ein weiterer Mitarbeiter der Produktion dazu und beide beteuerten, wie hart der Job sei. Die Pioniere hielten dagegen, sie seien frustriert und demotiviert. Im Internet findet sich ein Audio-Mitschnitt des Gesprächs.

Nachdem die Produktion bemerkte, dass das Gespräch ungewollt aufgezeichnet wird, bricht die Übertragung dieser Kamera ab. Doch zu spät: Nächtliche Zuschauer hatten bereits Screenshots des Treffens veröffentlicht – und die Beschwerden auf der „Newtopia“-Facebook-Seite häufen sich. Viele verkündeten entrüstet, ihren Pass kündigen zu wollen.

Zweifel an der Echtheit des Formats wurden schon vor einigen Wochen laut. Auf der eigens eingerichteten Webseite Faketopia wurde bereits im März bemängelt, dass im Livestream immer wieder der Ton oder das Bild abgeschaltet würden – meistens in heiklen Situationen. Und das obwohl Sat.1 vollmundig verkündete, die Streams würden alles zeigen.

Sat.1 reagierte auf die Ereignisse und veröffentlichte ein Statement auf Facebook: Die „Aktion“ von Talpa sei nicht mit dem Sender abgesprochen.

SAT.1 sagt Entschuldigung! Heute in der Nacht war eine Mitarbeiterin der „Newtopia“-Produktionsfirma Talpa Germany…

Posted by SAT.1 on Montag, 13. April 2015

Talpa Deutschland hat sich auf MEEDIA-Nachfrage bisher noch nicht zu dem Vorfall geäußert. Die Ereignisse der vergangenen Nacht werfen zahlreiche Fragen auf: Was wusste Sat.1 von den Absprachen? Wie groß ist der Einfluss, den die Produktion auf das Leben in „Newtopia“ hat? Und wird das Format auch in seinem Ursprungsland Niederlande gescripted? Die Äußerungen der Talpa-Mitarbeiterin lassen zumindest darauf schließen.

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Alle Kommentare

  1. Eine Frage:
    MEEDIA ist doch eine Fachzeitschrift, oder?
    Waren Eure Redakteure wirklich der Meinung, eine Produktionsfirma stellt für ein paar Millionen Technik in die Landschaft und wartet dann in Ruhe ab was passiert?

    Wo wir schon bei Enthüllungen sind: Als Insider kann ich verraten, dass die meisten Toten in Krimis in Wirklichkeit springlebendig sind!

  2. Wer glaubt, dass in diesem Format nicht alles abgesprochen ist und es ganz klare Regieanweisungen gibt, sollte aufpassen, dass er nicht von der Kante der Erdscheibe fällt!

  3. Liebe Leute, ob Bauer sucht Frau, Schwiegermutter gesucht, Frauentausch, Dschungelcamp, Vermisst, und wie sie noch alle heißen. … last einfach die Glotze aus. Denn das ist sicher, solange sich an dem Einschaltverhalten nichts ändert werden wir mit diesen Unterhaltungsmüll weiterhin zugeschüttet werden. Der Winter ist vorbei, die beste Zeit solch einem Verhalten Ade zu sagen. Geniesst die schönste Zeit des Jahres, aber nicht vor der Glotze.

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