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Facebook gesteht: Wir tracken auch Nicht-Nutzer

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Facebook muss zugeben, auch Internet-Nutzer zu tracken, die keinen Account beim sozialen Netzwerk haben. Grund sei ein Fehler im System, wie der Guardian berichtet. Allerdings arbeite das US-Unternehmen bereits an einem Bugfix. Der Fall ist deshalb schon peinlich, weil Facebook Vorwürfe dieser Art erst vor ein paar Tagen dementiert hatte.

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Hintergrund ist ein Bericht der belgischen Datenschutz-Behörde, durchgeführt von Forschern der Universität Leuven und der Vrije Universität in Brüssel. Laut Bericht trackt Facebook Nutzer, die Seiten des sozialen Netzwerks aufrufen, unabhängig davon, ob sie eingeloggt sind oder nicht – darunter fallen dann auch solche, die überhaupt keinen Account bei Facebook haben. Die Forscher berichten zudem, dass auch Nutzer getrackt werden, die offiziell die Möglichkeit der „Opt-Out“-Funktion wahrnehmen und so die Datenerfassung durch Facebook mithilfe von Cookies umgehen. Dadurch wird das Retargeting verhindert, bei dem Nutzern Anzeigen abhängig davon ausgeliefert werden, welche Websites sie vorher besucht haben.

Fehler im System

Facebook hatte diese Vorwürfe zunächst dementiert. In einem Blogbeitrag schrieb Richard Allen, Vice-President of Policy Europe, vor einigen Tagen, der Bericht habe vielfach falsch verstanden und dargestellt, wie Facebook Informationen nutzt und verarbeitet.

Nun rudert der Konzern zurück. Wie die britische Gazette The Guardian berichtet, räumte Allan ein, ein Fehler im System hätte dazu geführt, dass einige Menschen Cookies auf ihre Rechner gesendet bekommen haben, obwohl sie keinen Account beim sozialen Netzwerk haben.

The researchers did find a bug that may have sent cookies to some people when they weren‘t on Facebook. This was not our intention – a fix for this is already under way.

Der Manager hält aber daran fest, dass der Forschungsbericht zu falschen Ergebnissen gekommen sei und die Forscher Tracking nicht richtig verstanden hätten: Darunter falle nämlich nicht das Speichern von einfachen „Web Impressions“ oder „Visits“, wenn Nutzer Websites mit entsprechenden Plug-ins besuchen.

Facebook does receive standard „web impressions,“ or website visit information, when people visit sites with our plugins or other integrations. The authors misleadingly call this „tracking.“

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Verstoß gegen EU-Recht?

Facebook platziert gemeinhin Tracking-Cookies auf Computern von Nutzern, die eine zum Netzwerk gehörende Domain besuchen oder eine Website, die ein Facebook-Plug-in wie den „Gefällt mir“ – oder „Teilen“-Button integriert haben – auch wenn der Nutzer diese nicht verwendet.

Laut EU-Recht müssen Nutzer jedoch ihre Zustimmung geben, bevor ein Unternehmen Cookies installiert oder Bewegungsprofile trackt; außer sie sind notwendig, um sich beim Dienst anzumelden oder um einen Dienst auszuführen, der direkt vom Nutzer angefragt wurde.

Facebook beruft sich in diesem Fall darauf, dass das Unternehmen durch die irische Datenschutzbehörde auditiert wurde. „Diese“ aber, schreibt Anna Biselli auf netzpolitik.org, „nimmt den Datenschutz nicht so genau und ist unter anderem der Ansicht, dass das Überwachungsprogramm PRISM in Einklang mit der Safe-Harbor-Vereinbarung stehe. Die laxen Datenschutzauffassung sind neben Steuerkalkulationen einer der Hauptgründe, warum sich in dem Land die EU-Firmensitze vieler US-Datenriesen befinden – neben Facebook unter anderem Twitter, Amazon und Dropbox.“

Ob Facebook den betreffenden Fehler korrigieren wird, bleibt abzuwarten. Die belgische Datenschutzbehörde wiederum will am 29. April beschließen, ob sie im Bezug auf den Bericht weitere Schritte einleitet.

 

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Alle Kommentare

  1. Könnten Sie den beschriebenen Sachverhalt auch mal für Normalverbraucher wie mich auf Deutsch erklären?

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