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Germanwings-Absturz: Heribert Prantl formuliert vier Regeln, „die Journalisten jetzt dringend beachten sollten“

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Jetzt mischt auch Heribert Prantl in der Diskussion über den richten journalistischen Umgang mit dem Absturz der Germanwings-Maschine mit. Der Innenpolitik-Chef der Süddeutschen ist nicht nur Mitglied der SZ-Chefredaktion, sondern auch im Ethikrat der Akademie für Publizistik. In einem Video-Interview formuliert er vier Regeln, "die Journalisten jetzt dringend beachten sollten“.

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  1. „Man darf Trauernde nicht bedrängen“. Immerhin sei Trauer ja eigentlich still.
  2. „Man darf Nachahmungstäter publizistisch nicht provozieren“. So solle der Name des Täters nicht in den Vordergrund gestellt werden. Ziel sei es, dass niemand auf die Idee kommt, dass man mit solch einer „monströsen Tat“ in die Geschichte eingehen könne.
  3. „Man muss den Ermittlungsbehörden Zeit lassen“. Prantl spricht sich dagegen aus, dass Journalisten dem Oberstaatsanwalt „drei Mal pro Tag das Mikrofon vor die Nase halten und drängen“.
  4. „Man darf jetzt nicht so tun, als würden psychische Leiden zum Massenmord prädestinieren“. Man sollte immer daran denken: „Psychisch Kranke sind krank, haben aber keine Schuld daran“.

Auch zu der Foto- und Namens-Debatte äußert sich der Innenpolitik-Chef in dem kurzen Video-Interview auf SZ.de. So ist Prantl klar gegen die Veröffentlichung von Bildern, die den Co-Piloten zeigen. Dadurch würde der mutmaßliche Täter derart in den Vordergrund gestellt werden, dass automatisch ein Verstoß gegen die zweite Regel vorliegen würde. Das sieht beim Namen allerdings anders aus. Dieser sei halt nun mal „in der Welt“. Trotzdem hält der Münchner das Buchstabieren des Namens durch den französischen Staatswalt für „einen Fehler“.

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Tatsächlich ließe sich der in zweiten Grundsatz beschriebene Fall nur dann gänzlich verhindern, wenn alle Medien auf jegliche Berichterstattung verzichten würden.

Zudem hält Prantl noch einmal fest: „Wir sind nicht dazu da Sensationen anzustacheln und zu schüren“. Wenn es nichts gibt, dürften Journalisten auch nicht so tun, „als ob sie etwas wüssten“. Diese Art von publizistischem Wettlauf hält der Münchner für schädlich. „Man kann nicht tickern, wenn es nicht zu tickern gibt“. Letztendlich schade das dem Journalismus.

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Alle Kommentare

  1. Heribert stellt Regeln auf? Ich habe eine Regel für Heribert:

    „Man darf kein Frühstück mit ehemaligen Verfassungsrichtern erfinden.“

    Und eine Regel für uns alle:

    „Man darf keinem Journalisten trauen, der gelogen hat.“

  2. Ach der Prantl. Manche dieser ewigen Protagonisten kann man schon nicht mehr hören, geschweige denn lesen. Seit Jahren die gleiche Propagandaschleife und schon lange nicht mehr auf dieser Welt.
    Prantl ist schnarch…

  3. Nachdem Psychologen mehrfach darauf hingewiesen haben, dass Namensnennung und Foto ohne Verpixelung andere Täter zur Nachahmung anregt, versteh ich nicht, wo man da noch geteilter Meinung sein kann.

  4. Sehr wohltuend, Danke, Herr Prantl.. Besser kann man es kaum zusammenfassen.

    Und noch mal ein Gedanke an alle, die meinen, ein Nachrichten-Angebot von medialem Unsinn ohne echte Erkenntnisse rechtfertigt sich aus der Nachfrage und Quoten/Visits, etc.: ist das wirklich Euer Ernst??? Nur mal angenommen, es gäbe Live-Übertragungen von Hinrichtungen: die Quoten wären bombastisch…

    Der journalistische Berufsstand ist doch so gut darin, ethisches und verantwortungsvolles Handeln von allem und jedem einzufordern. Das ist vöölig richtig so, aber dann kann man seinen eigenen Beruf nicht ausklammern, sondern sollte genau da anfangen.

  5. Die letzten fünf Stunden Diskussion hier im Netz und deren Niveau zu Thesen Heribert Prantls benötigen eigentlich keiner Interpretation mehr, wenn es um Niedergang von Medienschaffenden geht.
    Jaron Lanier hat als Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels unter der Überschrift:
    „Der High-Tech-Frieden braucht eine neue Art von Humanismus“
    In seiner Dankesrede ausgeführt:
    „Eine Meinung über die Internet-Kultur abzugeben, ist wie ein Tropfen aus einer Pipette auf einen Bürgersteig bei Sturzregen. Jeder, der im Netz das Wort ergreift, weiß, wie es heutzutage ist. Entweder Du schließt Dich mit denen zusammen, die deine Meinung teilen, oder deine Meinung wird sofort von gewaltigen Klingen in den großen grauen Brei püriert. In der online-Welt führen These und Antithese, eine Hand und die andere, nicht mehr zu einer höheren Synthese. Hegel wurde enthauptet.“
    Ich füge hinzu:
    Und immer, wenn man hofft, dass ein DJV-Mitglied einen klugen Beitrag liefern könnte: sind da einige noch zu retten?

  6. Der Oberlehrer Prantl ist eine der peinlichsten Gestalten des niedergehenden deutschen Journalismus. Es gibt immer weniger gläubiges Publikum für rot-grüne Gesinnungs-Missionare, die von infantiler Talk-Show zu läppischem Kongress ziehen und wohl ernsthaft meinen, sie könnten noch „Meinungsbildung“ betreiben und dann später mit Posten wie Regierungs- oder Parteisprecher „belohnt“ werden. Aufdringliche Schwätzer wie Prantl, Jörges und Genossen haben sich selbst zur „Elite“ und „Gatekeepers“ für Information erklärt und den Rest des Landes zusammen mit ihren linken Parteigenossen als unmündige Klippschüler oder bei Insubordination gern als „Nazis in Nadelstreifen“, „Schande für Deutschland“ oder schlicht „Idioten“ behandelt. So haben sie das Ansehen von Journalisten und Journalismus dahin gebracht, wo es seit Jahren stabil ist: Ganz unten, bei korrupten Politikern, kriminellen Finanzbetrügern und Schwabinger Wohnungsmaklern. Vertrauen? Null! Erfolg? Null! Gut so.
    Dass ausgerechnet Prantl nun im Gestus des vom Berg Sinai herabsteigenden Propheten Gesetzestafeln für Journalisten schwenkt, ist bestenfalls ein Beitrag zur Heiterkeit in schwerer Zeit. Journalisten, die es bleiben möchten, sollten den Namen (und die albernen „Regeln“) schnell vergessen – und sich endlich als ewig belehrende Lordsiegelbewahrer der Politischen Korrektheit verabschieden und es mal mit Sachlichkeit im Sinne von H.J. Friedrichs versuchen.
    Der Weg von der (wohlverdienten) nationweiten Verachtung für Journalisten zum (Wieder-) Aufbau von Vertrauen sollte zumindest beginnen. Ohne Feldwebel Prantl. Es wird gleichwohl lang und mühsam werden.

    H.W. Conen
    DJV-Landesverband Berlin-Brandenburg (DJV-BB)

    1. Herr Conen spricht weder für den DJV noch für den DJV-Landesverband Brandenburg. Verbände, die eine gewisse Größenordnung haben, müssen wohl mit der einen oder anderen irrlichternden Gestalt leben. So unsinnig deren Ergüsse auch sein mögen.

      1. Der Verein DJV-BB heißt „DJV-Landesverband Berlin-Brandenburg e.V“ und steht so im Vereinsregister Potsdam. Dort kann man auch nachlesen, dass Herr Conen von 2007 bis 2014 alleinvertretungsberechtiger Vorstands-Vorsitzender war. Er trat aus Gesundheitsgründen zurück. Mit seinem Nachfolger besteht gutes Einvernehmen.
        Herr Hendrik Zörner ist Angestellter des DJV-Bundesverbands. Er hat schon wiederholt Unwahres über Conen verbreitet, das ihm bzw. dem Verband dann durch gerichtliche Urteile bzw. Beschlüsse untersagt wurde. Als journalistische Quelle ist von Zörner abzuraten.

  7. Noch ein Hinterbänkler mit komischen Ansichten.
    Da kann ich mithalten.

    1. Die Medien haben eine Informationspflicht. Sonst braucht die niemand.

    2. Die Medien sollten sich nicht Anmaßen zu entscheiden was die Leser wissen dürfen und was nicht!

    3. Name und Bild und das Wissen über die Krankheit des TÄTERS war wichtig (Vielleicht nicht so groß wie die Bildzeitung aber immerhin…)

    Richtig ist aber auch Angehörige oder den Staatsanwalt zu bedrängen ist ein No-Go.

    Na ja auch noch ne private Meinung von nem Hinterbänkler…

  8. Es waren 5 Regeln

    5. Man muss versuchen Merkel verantwortlich zu machen (eigentlich Prantls Grundregel #1)

    Jurist Prantl ist einer der schlechtesten Journalisten in Deutschland, er sollte sich mit Ratschlägen zurückhalten

    1. Nana mein lieber Klaus. Nur weil Heribert Prantl offenbar nicht immer ganz Ihrer Meinung ist, macht ihn das nicht automatisch zum schlechten Journalisten. Umgekehrt sind nicht alle Kollegen automatisch Edelfedern, die Ihrer Gesinnung näher stehen.

  9. Wie klug, wie hilfreich, wie wohltuend.
    Reflektiert, uneitel, sachorientiert.

    Warum fällt so vielen so schwer, sich Prantl anzuschließen?
    Warum gibt es nur noch so wenige Journalisten diesen Niveaus?
    Ohne Antworten auf diese Fragen wird die Medienkritik weiter zunehmen. Und zwar vollkommen zu Recht.

    1. Du meine Güte… Was für ein dummes Geschwätz ist das denn nun noch: „Warum gibt es nur noch so wenige Journalisten diesen Niveaus?“ Mir kommen die Tränen!
      Warum gibt es keine dankbaren Leser mehr, die sich einfach DIE Zeitung kaufen, die sie so informiert wie SIE es haben wollen?! Oder von mir aus auch TV-Sender – ist doch für jede geistige Kragenweite heutzutage was dabei…
      Haben Sie nix für sich gefunden, „Mediennutzer“?
      Und dann die armen Journalisten:
      Wie die Leute es machen – sie machen es doch heutzutage verkehrt. Wenn ich mir die dämlichen Kommentare mancher „Mediennutzer“ der letzten Tage im Internet so ansehe, dann bin ich nur heilfroh mich vom Beruf des Journalisten noch rechtzeitig wieder verabschiedet zu haben!
      Ja, einige von der recherchierenden Zunft haben sich ziemlich unredlich verhalten, wenn man ihren Kritikern glauben darf. Aber doch nicht gleich ALLE.
      Ich kann ja auch nicht alle Leser über einen Kamm scheren… Und einige lehren mich echt gerade das Gruseln!
      Denn früher, vor der „Volkskrankheit Internet“, wusste man zum Glück nicht, für welche Leute man „seine Zeitung“ so schrieb… Da gab’s noch so was wie eine „Leser-Blatt-Bindung“. Heute, so scheint es, lesen manche Menschen Zeitungen offenbar nur noch, um sich darüber zu ärgern… Arme neue Welt!

      1. und warum gibt es immer mehr Menschen, die sich nicht mal ansatzweise empathisch verhalten oder wenigstens benehmen können?! Warum meinen Sie, andere öffentlich des Geschwätzs zu bezichtigen, nur weil die eine andere Meinung haben, als Sie? Und wenn Ihnen die Tränen kommen, dann lassen Sie sie doch laufen und bilden Sie sich weiter Ihre Meinung aus einer Quelle – und behalten Sie sie einfach für sich, dann ist sie noch einzigartiger ….

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