„Absturz einer Wochenzeitung?“ – hitzige Facebook-Debatte um den Zeit-Titel zum Germanwings-Absturz

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Publishing Auch die Wochenzeitung Die Zeit macht an diesem Donnerstag mit dem Absturz der Germanwings-Maschine 4U9525 auf. Die Redaktion zeigt den Lufthansa-Kranich der Germanwings-Muttergesellschaft im Sinkflug und titelt: „Absturz eines Mythos“. Darunter heißt es: „Das furchtbare Unglück der Germanwings rührt am Selbstverständnis des Konzerns - und der Nation“. Bei Facebook wird das Titelbild scharf kritisiert.

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„Geschmacklos“, „widerlich“, „Bild-Zeitungs Niveau“ – zahlreiche Nutzer gehen mit der Zeit auf Facebook hart ins Gericht. Grund ist das aktuelle Titelbild „Absturz eines Mythos“. Gemeint ist die Muttergesellschaft der betroffenen Fluggesellschaft Germanwings, die Lufthansa.

Absturz eines Mythos – Wenn eines sicher war, dann die Lufthansa. Das furchtbare Unglück der Germanwings stellt alles…

Posted by DIE ZEIT on Mittwoch, 25. März 2015

Hauptkritikpunkte sind, dass es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Story noch keinerlei Erkenntnisse über die Gründe des Absturzes von Germanwings Flug 4U9525 gibt. Auch wird der Zeit vorgeworfen, dass sie mit der Titelgestaltung die Lufthansa und das aus statistischer Sicht sehr sichere Verkehrsmittel Flugzeug pauschal verdammt.

Die Zeit selbst rief in den Facebook-Kommentaren dazu auf, man möge doch erst die Geschichte lesen, bevor man sich kritisch äußert. Aber dieser Einwurf kam bei den Nutzern auch gar nicht gut an.

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Im wöchentlichen Video, in dem die Zeit-Redaktion ihre Themen der aktuellen Ausgabe vorstellt, bekennt die stellvertretende Chefredakteurin Sabine Rückert selbst, dass sie noch gar nicht wisse, was in der Titelstory stehen wird. An dieser werde „fieberhaft“ gearbeitet. Der zuständige Wirtschafts-Ressortleiter Uwe Jean Heuser (v)erklärt die Lufthansa in dem Video zur Institution. „Man war es gewohnt, halbwegs sicher durch die Lüfte zu kommen“, meint er. Der Unfall rüttle nun „an der Volksseele“ der Deutschen.

Über die Gründe des Absturzes der Germanwings-Maschine kann die Zeit in ihrer Story naturgemäß keine Auskunft geben – auch wenn der Titel das anders suggeriert.

Allerdings sind zahlreiche Kommentare – etwa die Vergleiche mit Boulevardmedien oder die Vorwürfe, der Zeit-Titel sei „geschmacklos“ und „widerlich“ – sicherlich überzogen. Die Redaktion der Hamburger Wochenzeitung hat hier vielleicht unterschätzt, wie sensibel voreilige Veröffentlichungen und Zuspitzungen in den Medien zu dem Flugzeugabsturz mittlerweile vom Publikum registriert und kommentiert werden.

Update: Die stellvertretende Chefredakteurin der Zeit, Sabine Rückert, hat eine Erklärung zur Kritik am Titel bei Facebook veröffentlicht:

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wir haben Ihre Kritik zu unserem aktuellen Titel „Absturz eines Mythos“ zur Kenntnis…

Posted by DIE ZEIT on Donnerstag, 26. März 2015

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Alle Kommentare

  1. Ist doch lustig, schon wenige Stunden nach dem Erscheinen wird die Geschichte von der „Realität überholt“.

    Die Zeit macht damit am Pressekiosk praktisch eine ganze Woche Antiwerbung für die Zeit.

    „Läuft“ – bei den Qualitätsmedien

  2. Ich würde nicht länger sagen, dass die Kommentare bei Facebook – vor allem auf Zeitungen und Zeitschriften bezogen – ein Messinstrument dafür sind, wie gut oder schlecht ein Artikel ist.
    Ich beobachte das schon eine Weile – es gibt unzählige Trolle, die prinzipiell JEDES Posting in den Dreck ziehen. Selbst bei CHIP und PC Welt ist das nicht anders. Momentan ist es bei Facebook so, dass das Niedermachen von Artikeln irgendwelcher Zeitungen und Zeitschriften zum guten Ton gehört. „Niedriges Niveau“ wird ständig attestiert, man regt sich über die reißerischen Aufmacher auf oder darüber, dass die Verlage Klicks generieren wollen (und müssen).
    Ich glaube, viele User haben noch nicht begriffen, dass sie reißerische Aufmacher und auf Klicks optimierte Texte erhalten, wenn sie weiterhin kostenlose Informationen wollen. Sie verstehen nicht die Dynamik und glauben, dass ihnen – warum auch immer – bester Qualitätsjournalismus zum Nullpreis zustünde. Wenn sie den nicht bekommen, weil die Medienhäuser eben auch irgendwie Geld verdienen müssen, lassen sie so richtig die Sau raus.
    Die Tatsache, dass man bei Facebook einen Titel, einen Aufmacher oder einen Artikel in den Dreck zieht, sagt das rein gar nichts über die tatsächliche Qualität aus. Zumal die meisten User in den ersten fünf bis zehn Sekunden handeln; sie nehmen sich nicht die Zeit, über das Geschriebene nachzudenken. Sie lehnen reflexartig ab. „Das Netz“, das je gerne als Indikator dafür genutzt wird, was den Menschen gefällt (oder auch nicht), wird momentan von frustrierten Usern dominiert, die auf diese Weise Dampf ablassen.
    So zumindest sehe ich das. Ich wette, dass mindestens 70% jener, die sich über den ZEIT-Titel aufgeregt haben, Abend für Abend RTL einschalten und sich vom größten Mist berieseln lassen, den das unterirdische Privatfernsehen zu bieten hat.

    1. @ Arentzen Meines Erachtens kommen Sie der Wahrheit ziemlich nahe. Ich glaube, dass sich solche User für topinformierte Hyperintellektuelle und fehlerlose Superhumanisten halten, die es in jeder Zeitungsredaktion von Belang innerhalb kürzester Zeit zum Chefredakteur bringen würden. Wenn man sie nur ließe. Dann gäbe es nur noch topseriöse Schlagzeilen und die Lügenpresse wäre Vergangenheit. Aber irgendwie klappt das halt nicht. Und weil einem am Tresen und beim Bäcker auch keiner so richtig zuhören will, obwohl man doch ständig so viel Schlaues zu sagen hat, postet man seine Banalitäten halt auf Teufel komm raus im Netz herum. Und ab und an ein bisschen Pöbeln wird ja wohl noch erlaubt sein, schließlich meint es das Leben auch nicht immer gut mit einem, allen Mühen und Anstrengungen zum Trotz.

      Das ist (wirklich) der erste „Leserbrief“ meines Lebens, und ich bin wirklich nicht der Jüngsten einer. Ich halte mich nicht für einen Dummkopf. Aber ich glaube auch nicht, dass meine Ansichten und Meinungen oder gar mein Intellekt derart einzigartig sind, dass ich die Menschheit zu ihrem eigenen Wohle ständig daran teilhaben lassen müsste. Bloß weil ich googeln kann. Das gilt selbstverständlich auch für meine Meinung zur Schlagzeile „Absturz eines Mythos“

      „Wir alle sind so borniert, daß wir immer glauben, recht zu haben.“

    2. @Arentzen Meines Erachtens kommen Sie der Wahrheit ziemlich nahe. Ich glaube, dass sich solche User für topinformierte Hyperintellektuelle und fehlerlose Superhumanisten halten, die es in jeder Zeitungsredaktion von Belang innerhalb kürzester Zeit zum Chefredakteur bringen würden. Wenn man sie nur ließe. Dann gäbe es nur noch topseriöse Schlagzeilen und die Lügenpresse wäre Vergangenheit. Aber irgendwie klappt das halt nicht. Und weil einem am Tresen und beim Bäcker auch keiner so richtig zuhören will, obwohl man doch ständig so viel Schlaues zu sagen hat, postet man seine Banalitäten halt auf Teufel komm raus im Netz herum. Und ab und an ein bisschen Pöbeln wird ja wohl noch erlaubt sein, schließlich meint es das Leben auch nicht immer gut mit einem, allen Mühen und Anstrengungen zum Trotz.

      Das ist (wirklich) der erste „Leserbrief“ meines Lebens, und ich bin wirklich nicht der Jüngsten einer. Ich halte mich nicht für einen Dummkopf. Aber ich glaube auch nicht, dass meine Ansichten und Meinungen oder gar mein Intellekt derart einzigartig sind, dass ich die Menschheit zu ihrem eigenen Wohle ständig daran teilhaben lassen müsste. Bloß weil ich googeln kann. Das gilt selbstverständlich auch für meine Meinung zur Schlagzeile „Absturz eines Mythos“

      „Wir alle sind so borniert, daß wir immer glauben, recht zu haben.“

    3. Mal abgesehen davon, dass ich noch nie auf die Idee gekommen wäre, Kommentare auf Facebook für ein irgendwie besseres Messinstrument zu halten, als im Vergleich auf anderen Kanälen…(waren die das für Sie tatsächlich mal? Putzig.)

      …wirkt Ihr Kommentar auf mich geradezu reflexhaft Wagenburgartig fehlgeleitet und selbstgefällig wohlfeil:

      „Ich glaube, viele User haben noch nicht begriffen, dass sie reißerische Aufmacher und auf Klicks optimierte Texte erhalten, wenn sie weiterhin kostenlose Informationen wollen“ …. das fällt Ihnen bei Kritik zum Titel der PRINT-Ausgabe der Zeit ein? Wow!

      Sie beobachten „schon seit einer Weile…“ … Trolle „die immer“ alles „in den Dreck ziehen“? Wow, sogar schon seit einer Weile? Willkommen im Internet! Muss ein faszinierendes Neuland sein, welches Sie noch dazu mit dem gewöhnlichen Großkotz bekannt macht, der vor Jahrzehnten mal dargestellt wurde als „Ekel Alfred“.

      Das Netz als „Indikator“? Hach je… es war schon immer Reservat für Dauermotzer, denen im echten Leben keiner länger als 2 Minuten zuhört und die mit direkten Reaktionen auf ihre narzisstische Hybris nicht klar kommen.

      Den Artikel habe ich übrigens nicht gelesen. Es geht schließlich um den Titel.

      Trotzdem gibt es natürlich gerade den überschwappenden Empörungshype über die honigsaugende Katastrophenberichte und Zynikerstatements, Lobo hat das schon angerissen. Scheint gerade die hippste Bessermenschen-Pose zu sein. Und wird auch professionell bereits ausgeschlachtet, wie bei den Berichten über jenen Rapper oder hier bei diesem Lokalblogger auf der Suche nach Clicks: http://www.rheinneckarblog.de/26/mit-verlaub-herr-wagner-sie-sind-ein-volldepp/65239.html

      Alles schon gehabt, sucht sich nur immer wieder neue, scheinbar unangreifbare Erscheinungsformen höchster Moralität. Früher war nicht alles besser. Es war nur anders selbstgefällig. Gilt sicher auch für mich.

      1. “ … geradezu reflexhaft Wagenburgartig fehlgeleitet und selbstgefällig wohlfeil“. Oh je, da hat sich einer aber richtig ins Zeug gelegt. Solche Wortgewalt hört man beim Bäcker oder in der Kneipe eher selten. Respekt!

  3. Hoffentlich wird Sabine Rückert über diesen skandalösen boulevardisierenden eye-catcher abstürzen…
    Hat der Chefredakteur diesen nicht vor Andruck gesehen und „mitgetragen“ ?

    Obwohl facebook und twitter-Beiträge keine Relevanz für schlechte oder auch gute Artikel-Qualität besitzen, hat es Thomas Knüver auf den Punkt gebracht:
    Boulevard-Niveau !

    Als Entschuldigung sollte aber für die ZEIT nicht gelten, dass der Spiegel ZEITweise auch schon auf dieses Niveau abgerutscht ist…

    Eine Beurteilung über die Selbstdarsteller-Mentalität unserer Politiker (in)
    sowie Kollegen Hollande und Rajoy ist im Kommentar von Hansjörg Müller in der Basseler Zeitung zutreffend nachzulesen:
    http://mobile2.bazonline.ch/articles/10690203

    Christian G. Christiansen, Berlin

  4. Das war´s dann wohl, Frau Rückert und Herr di Lorenzo! Abtreten. Unterhalb des Boulevards ist noch Platz.

  5. Wie weit soll der Sinkflug der ZEIT noch gehen? Für mich als jahrzehntelange Abonnentin ist der point of no return erreicht…

  6. ich glaube das der copilot. nicht absicht getan
    ich glaube er hat sich eingesperrt .und wollte alle zeigen das er in der lage war das Flugzeug
    allein zu fliegen und landen ohne. die Konsequenz zu denken aber irgendwie ist
    was. schief gelaufen
    meist psychische kranke. wollen eher was. zeigen als leute um. zu bringen

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