Erste Abmahnung wegen Facebooks Share-Button: Wer teilt, macht sich haftbar

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Digital Economy Wer künftig bei Facebook Beiträge teilt, muss unter Umständen mit einer Abmahnung rechnen. Die Inhaberin einer Fahrschule soll über 1000 Euro zahlen, nachdem sie einen Bericht der Bild "geshared" hatte. Der Fotograf erwirkte eine Abmahnung, weil er als Urheber nicht genannt wurde.

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Bei dem besagten Artikel handelte um einen Beitrag über Marco Reus und seine Fahrt mit einem gefälschten Führerschein, berichtet Medienanwalt Christian Solmecke. Der Fotograf, der den Fußballspieler beim Aussteigen aus seinem Aston Martin fotografiert hatte, war offenbar wenig begeistert als sein Bild bei Facebook geteilt wurde ohne ihn als Urheber zu nennen.

„Diese Abmahnung ist für den Nutzer besonders überraschend“, erklärt Solmecke. “Beim Teilen eines Beitrags über den Share Button wird nämlich immer automatisch ein verkleinertes Vorschaubild gezeigt, auf das der Nutzer keinen Einfluss hat. Er kann weder verhindern, dass das Bild gezeigt wird, noch kann er die Größe des Bildes so variieren, dass eventuell noch der Name des Urhebers sichtbar wird“. Das sei ein entscheidender Unterschied zum Teilen eines Links bei Facebook. Beim Setzen eines Links könne das Vorschaubild entfernt oder bearbeitet werden.

Gefahr für Blogbetreiber

Solmecke sieht nach dem Vorfall vor allem Publisher in der Pflicht: „Hier sind die Blogbetreiber und Online-Medien in der Pflicht. Sie müssen dafür sorgen, dass alle Bilder, die sie auf ihrer Webseite posten, auch über die sozialen Netzwerke geteilt werden dürfen.“ Das gelte notfalls auch ohne Nennung des Urhebers. Ansonsten müssten sie mit Regressansprüchen der abgemahnten Nutzer rechnen. Das sei bereits am Landgericht Frankfurt in einem Streit zum Share-Button von Facebook entschieden worden (Urteil v. 17.07.2014, Az. 2-03 S 2/14). Denn es gilt: „Solange die Teilen Funktion genutzt wird, vergibt der Seitenbetreiber (…) eine Lizenz an den geteilten Inhalten.“

Das Urteil hat durchaus enorme Tragweite. Denn der Rechteinhaber verlangt in der Abmahnung insgesamt die Zahlung von über 1000 Euro. Bei der schieren Masse an Beiträgen, die täglich über Facebook geteilt werden, könnte daraus ein lukratives Geschäftsmodell für Abmahnanwälte entstehen. „Für die Blogbetreiber besteht eine große Gefahr“, warnt Solmecke, „diese dürfen den Share Button nur anbringen, wenn die zum Teilen vorgeschlagenen Bilder auch mit so weitreichenden Lizenzen versehen worden sind, dass sie in den sozialen Netzwerken weiter verteilt werden dürfen.“ Konkret sollen die Betreiber von Internetseiten sich von Fotografen also die entsprechenden Rechte vorher einräumen lassen, die Aufnahmen auch in sozialen Netzwerken verbreiten zu dürfen.

Nutzer müssten ebenfalls aufpassen. Sie sollen den Teilen-Button in den sozialen Netzwerken nur auf bekannten Webseiten drücken. „Hier besteht am ehesten die Wahrscheinlichkeit, dass die Rechte ordentlich eingeholt worden sind.“ Außerdem gebe es im Abmahnfall einen solventen Ansprechpartner. Ansonsten sei es für Privanutzer „ein Ding der Unmöglichkeit“, die Rechtefrage vorab zu klären.

Update: Gegenüber MEEDIA erklärte die Kanzlei Wilde Beuger Solmecke, dass bei der Höhe der abgemahnten Summe ein Fehler unterlaufen sei. Diese belaufe sich auf knapp über 1000 Euro. Die entsprechenden Passagen wurden geändert.

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Alle Kommentare

  1. Zitat „Sie sollen den Teilen-Button in den sozialen Netzwerken nur auf bekannten Webseiten drücken.“ – Wie gut das Bild.de keine nicht in die Kategorie „bekannte Webseiten“ fällt ;-D

  2. Ein kleiner guter Tipp: Den direkten Link nehmen, das Originalbild ersetzen, mit der „Cartoonized Version“ >> macht man hier in 1 min > http://www.befunky.com > Pinsel Symbol > Cartoonizer 1 > Bild rein & das Resultat dann in dem Link verwenden, es ist dann so sehr verändert, denke , dann ist es kein Problem mehr (ohne Haftung! Nur meine persönliche Meinung)

  3. Gewitzte Anwälte riechen den Braten um abzumahnen und die Fotografen die kein Absatz mit ihren Bildern haben können haben eine schöne neue Einnahmequelle.
    Weil in der BRD die Rechtslage so unberechenbar geworden ist weil alle Gesetzte nach 1990 bereinigt wurden sind die Gerichte in Geschäfte umgewandelt wurden und Richter keine Unterschrift über Urteil abgeben, weil man sie sonst haftbar machen kann, denn die Gesetze die keine mehr sind werden nach Mafia Manieren durchgesetzt, du hast zwar Recht aber wir haben den Schlägertrupp.

  4. wirklich interessante Diskussion, die sich hier entfaltet hat, wobei ich den Link des Kollegen Ulbricht am aufschlussreichsten finde! Vielen Dank dafür!

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