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Carolin Kebekus & Jan Böhmermann – die Komiker-Generation mit Witz und Haltung

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Komikerin Carolin Kebekus feierte am Samstag mit ihrer neuen Show "Pussy Terror TV“ eine tolle Premiere im Dritten Programm des WDR. Kebekus ist wie das ZDF Enfant Terrible Jan Böhmermann Vertreterin einer neuen Generation Komiker, die Witz mit Talent und Haltung kombinieren. Gut, dass es solche Leute im Business gibt.

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„Pussy Terror TV“ waren am mittelspäten Samstagabend eine Stunde und 15 Minuten Unterhaltung mit Hirn und Hose. Carolin Kebekus vertraute ganz auf ihre Rampensau-Qualitäten und gestaltete die TV-Sendung als Mini-Ausgabe ihrer erfolgreichen Bühnenshow inklusive Gästen und Einspielern. 1,20 Mio. sahen zu – für eine Show im Dritten ein Spitzenwert.

Kebekus ist fast immer laut und oftmals derb. Das F-Wort kommt ihr leicht über die Lippen. Hinter der Kölner Proll-Fassade steckt aber eine Haltung. Wer ihre Programme sieht hat keinen Zweifel: Die Frau hat einen moralischen Kompass. Ihr großes Thema ist die Frau in unserer modernen Gesellschaft, Gleichberechtigung, bzw. deren Abwesenheit. Und auch immer wieder Kirchen-Kritik. Dafür, dass es dabei nicht moralinsauer zugeht, sorgt Carolin Kebekus mit Charme, Sexiness und Kölner Chuzpe.

Hinter der lauten Fassade steckt bei ihr – anders als etwa bei Mario Barth – tatsächlich eine Aussage. Das hat sie mit Jan Böhmermann gemeinsam. Auch Böhmermann kann albern sein bis zum Umfallen, singt gerne in seinen Shows, hat parodistisches Talent und ein Faible für detailversessene Einspielfilme. Das Besondere ist aber auch bei ihm, dass er Haltung und Thema hat. Bei Carolin Kebekus ist das große Thema, der inhaltliche rote Faden die Gleichberechtigung (und immer auch ein wenig Kirchenkritik). Bei Böhmermann ist es eine umfassende Medienkritik.

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Im Kern machen die beiden Komiker knallharte Gesellschaftskritik ohne Zeigefinger. Beide sind respektlos, witzig, hochprofessionell und über alle Maßen authentisch. Und beide polarisieren. Es gibt genug Leute, die mit Böhmermanns Eulenspiegeleien 2.0 nix anfangen können oder denen die Kebekus zu derb-laut ist. Aber sie sind erkennbar, haben ihren unverwechselbaren Stil, eine Botschaft und ihr Publikum liebt sie dafür.

Beim ZDF haben sie offenbar erkannt, was sie an Böhmermann haben. Seine Show wurde ins Hauptprogramm übernommen und hat dabei nichts von ihrer Schärfe und Respektlosigkeit verloren. Beim WDR wird man über die spitzen Quoten für die erste Ausgabe von „Pussy Terror TV“ auch froh sein. Die öffentlich-rechtlichen Sender werden immer wieder – auch zurecht – kritisiert. Solche im positivsten Sinne kantigen und politischen Figuren wie Jan Böhmermann oder Carolin Kebekus könnte man sich aber beim besten Willen nicht bei RTL oder Sat.1 vorstellen. Formate wie „Neo Magazin Royale“ und „Pussy Terror TV“ geben einem den Glauben an gutes Fernsehen zurück. So ein bisschen wenigstens.

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Alle Kommentare

  1. Die Begriffe Mario Barth und Haltung in einem Satz.
    Armes Deutschland.
    Böhmermann und Kebekus sind Satiriker.
    Das wird man doch noch sagen dürfen.

  2. >Hinter der lauten Fassade steckt bei ihr – anders als etwa bei Mario Barth – tatsächlich eine Aussage.

    Die RTL Show von Mario Barth beweist absolut das Gegenteil, lieber Herr Winterbauer, wenn sie nur wollten könnten sie da ganz viel „Haltung“ und Aussage entdecken.

    Kebekus war zumindest früher ganz lustig ->

    https://www.youtube.com/watch?v=ZskydXe77Sk

  3. Zitat meedia: „Das Besondere ist aber auch bei ihm, dass er Haltung und Thema hat.“
    Nichts macht den modernen Journalismus derzeit so kaputt wie der inflationäre Gebrauch des Wortes „Haltung“. Was damit gemeint ist, erfährt man selten (ich wüsste gerne, inwiefern Böhmermann eine bestimmte Haltung hat – außer, gebückt auf andere herab zu sehen).

    „Haltung“ sei gaaaanz wichtig, liest man immer wieder, und wenn man das ernst nehmen würde, dann wären Gerhard Löwenthal und Karl-Eduard von Schnitzler die beiden besten deutschen Journalisten ever-ever-ever gewesen.

  4. „spitzen Quoten“ – ob das Carolin Kebekus gewollt hat, dass die Quoten spitz werden? Waren das alles männliche Quoten? Oder konnten auch Frauen von der Sendung spitz werden? Und wenn ja, gleichermaßen? Falls nicht, bitte Frau Schwesig alarmieren, damit sie sich um gleiche Quoten beim Spitzwerden kümmert und für die Offenlegung der Spitz(en)-Intensität bei vergleichbarem Engagement sorgt …

  5. Wer glaubt, diese beiden Sendungen seien Satire, hat Satire nicht verstanden. Und wer meint, die Welt sei real nur als Satire zu verstehen, ebenfalls nicht. Es ist erstaunlich, dass meedia inzwischen sich darauf verlegt, Randthemen Aufmerksamkeit zu schenken und eine Bühne zu geben, die tatsächlich wesentlichen politischen und publizistischen Themen indessen vergräbt, vergisst, verludert. Schade.

      1. Satire sollte sich in erster Linie gegen die Mächtigen richten, bei Böhmermann ist das genau umgekehrt, er ist Instrument der Mächtigen.

      2. Böhmermann richtet sich ganz eindeutig gegen die Mächtigen, aber nicht die, die auf Ihrem Schirm sind. Varufake genauso wie seine permanente Kritik an Youtubestars zeigen, dass hier sehr wohl gegen „die Mächtigen“ gewettert wird und das auf eine ziemlich hochwertige Art und Weise. Nur weil das keine Themen sind, die bei „Neues aus der Anstalt“ relevant sind, heißt das nicht, dass es keine Aufmerksamkeit verdient hätte. Es ist eben Medienkritik und die wird viel zu sehr unterschätzt.

    1. Herr Winterbauer ist wahrscheinlich verwandt mit Böhmermann oder vielleicht sogar liiert – anders kann man eigentlich nicht erklären warum es auf meedia praktisch jeden Tag ein Artikel zu Böhmermann gibt.

      1. mal davon abgesehen, dass Ihr Kommentar kein erkennbares Nievau besitzt, äh warum lesen Sie Artikel, die Sie anscheinend nicht interessieren?

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