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Studie: TV und Print verlieren an Meinungsmacht, Web überholt Radio

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Das Fernsehen ist das immer noch das wichtigste Medium für die Meinungsbildung, hat im zweiten Halbjahr 2014 aber an Strahlkraft verloren, wie der MedienVielfaltsMonitor der deutschen Medienanstalten offenlegt. Auch Tageszeitungen verlieren an Einfluss, während das Internet an Meinungsmacht gewinnt.

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Fernsehkonzernanteil am Meinungsmarkt Deutschland. Quelle: MedienVielfaltsMonitor II/14.

Im Fernsehmarkt verloren 2014 die privaten Sendergruppen an Einfluss. Die Kanäle der Mediengruppe RTL wurden von den Landesmedienanstalten mit weiteren Bertelsmann-Medien zusammengefasst: Im zweiten Halbjahr 2014 summiert sich eine Meinungsmacht von 12,4 Prozent. Zwei Jahre zuvor konnten sie noch 14,2 Prozent für sich in Anspruch nehmen. Im einstelligen Bereich liegt die große Privatkonkurrenz von ProSiebenSat.1: 7,8 Prozent des Meinungsmarktes beanspruchen die Unterföhringer für sich – 1,1 Prozent weniger als noch 2012. Betrachtet man nur TV, führt die ARD die Meinungsliga mit fast 30 Prozent an, gefolgt von der Mediengruppe RTL (23 Prozent) und dem ZDF sowie den Sendern von ProSiebenSat.1.

Internet überholt Hörfunk

Der Verlust der Privatsender führt dazu, dass das Fernsehen allgemein an Einfluss auf die Meinungsbildung verloren hat (minus 1,3 Prozent ggü. 2013). Dennoch ist das TV insgesamt mit 35 Prozent Meinungsbildungsgewicht die einflussreichste Mediengattung am deutschen Markt, gefolgt von ebenfalls Meinungsmacht verlierenden Tageszeitungen (21,6 Prozent, minus 1,1 Prozent), dem Internet (20,2 Prozent, Plus 2,3 Prozent) und Hörfunk (19,9 Prozent). Radio konnte zwar um ein Prozent zulegen, wurde aber zum ersten Mal vom Internet überholt. Zeitschriften verloren nur leicht (minus 0,3 Prozentpunkte) und haben einen Anteil von 3,3 Prozent.

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Konzernanteil am Meinungsmarkt Internet in Deutschland. Quelle: MedienVielfaltsMonitor II/14.

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Eine interessante Feststellung ist, dass bei höherem Bildungsgrad, das Internet als Meinungsbildungsmedium immer wichtiger wird. Die aktuellen Ergebnisse bestätigen die Stellung des Internets als das mit Abstand wichtigste Informationsmedium bei den 14-29-Jährigen. Der Vergleich über die Vorjahre macht zudem deutlich, dass auch bei älteren Personen das Internet sowohl in Bezug auf die Nutzung als auch bei der Wahl als wichtigstes Informationsmedium zunehmend an Bedeutung gewinnt.

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Medienkonzernanteile am Meinungsmarkt Deutschland. Quelle: MedienVielfaltsMonitor II/14

Fünf größte Konzerne halten 60 Prozent Meinungsmacht

Mit Blick auf den gesamten Meinungsmarkt, aufgeteilt nach Mediengruppen, halten die fünf größten Konzerne rund 60 Prozent der Meinungsmacht in Deutschland. So kommt die ARD im zweiten Halbjahr 2014 auf 22,4 Prozent Meinungsmarktanteil, gefolgt von Bertelsmann mit 12,4 Prozent. Das Medienhaus Axel Springer (mit Bild, Welt und N24) kommt auf 8,5 Prozent, gefolgt von ProSiebenSat.1 und dem abgeschlagenem ZDF mit einem Meinungsmarktanteil von 7,2 Prozent.

Der MedienVielfaltsMonitor ist Bestandteil des Medienkonvergenzmonitors, mit dem die Landesmedienanstalten aktuelle Daten über den Stand und die Entwicklung der Rundfunk- und Medienlandschaft erheben und auswerten wollen. Erstmalig wurden dabei Rundfunk, Print und Onlinemedien gemeinsam erfasst. Für die Studie hat TNS Infratest zwischen September und Dezember 2.800 Interviews mit Menschen ab 14 Jahren geführt. Die gesamte Studie gibt es hinter diesem Link.

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Alle Kommentare

  1. Man möge sich nur die Meinungsunterschiede zwischen der veröffentlichten Meinung der Massenmedien und den Kommentaren der Bevölkerung( sowohl bei den print Leserbriefen wie bei den online Kommentaren) ansehen um den Glaubwürdigkeitsverlust der Massenmedien nachzuvollziehen. Das Wort von der „Lügenpresse“ ist zu pauschal und diskreditiert die Journalisten, die um Qualität kämpfen, aber es gibt einen breiten Meinungsmainstream , der offenbar „alternativlos“ ist. Auch ich habe mich vom „Rotfunk“ abgewendet, die Realitätsverweigerung und die Einseitigkeit der Berichterstattung geht mir einfach zu weit und ist längst nicht mehr mit der im Grundgesetz formulierten Meinungsfreiheit vereinbar. Ich bedauere es selber, ich schalte immer häufiger ab. Bei Nachrichten denke ich mir immer das dazu, was nicht berichtet wurde. Zu beobachten ist Machtergreifung durch Sprache im Orwellschen Sinne: eine Demo von „rechts“ wird grundsätzlich als „Aufmarsch“ bezeichnet, eine Demo von „links“ als „weitgehend friedliche Gegendemonstration“. Manchmal kann man im Polizeibericht annähernd die Wahrheit lesen – auch dies ein Beispiel dafür , wie man sich Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit heute selber beschaffen muss, indem man möglichst viele Quellen vergleicht.

  2. Das ist sehr spannend. Allerdings gibt es prima vista aus meiner Sicht eine Unschärfe: Wie wird „Internet“ ermittelt? Sprich: Werden die Websites von Zeitungen, Zeitschriften u.a. als Zeitung oder Zeitschrift gewertet oder eben als „Internet“? Wäre letzteres der Fall, ist es zunächst einmal nur eine Aussage über die Wahl des bevorzugten Kanals, nicht jedoch über den Impact der Inhalte.

  3. Wie einseitig Print und TV oft berichten, wurde vielen klar spätestens seit den Vorkommnissen in der Ukraine.
    Da im Internet noch Meinungen und Stimmen stattfinden dürfen, die eben in Tagesschau oder in der „Zeit“ nicht mehr , oder kaum mehr , zu finden sind.

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