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Jimmel, jammel, jummel: Krautreporter ziehen in der Causa Tilo Jung Konsequentchen

Krautreporter: Tilo Jung (l.), Sebastian Esser
Krautreporter: Tilo Jung (l.), Sebastian Esser

Krautreporter und Videoblogger Tilo Jung steht seit Sonntag in der Kritik, weil er zum Weltfrauentag ein potenziell frauenfeindliches Posting auf Instagram veröffentlichte. Krautreporter -Herausgeber Sebastian Esser hat nun angekündigt, dass Jung seine Tätigkeit für das Online-Magazin vorübergehend ruhen lässt, um "seinen blinden Fleck auszuleuchten". Er bleibe aber Mitglied der Redaktion.

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Hier nochmal die kurze Zusammenfassung für alle, die seit Sonntag am Nordpol oder in Bhutan unterwegs waren: Tilo Jung, viel beschäftigter Videoblogger, aktivster Krautreporter und Grimme-Online-Preisträger erregte am Sonntag die Gemüter, als er auf Instagram eine Fotoreihe veröffentlichte, die zeigt, wie einer Frau im Bikini scheinbar in den Rücken getreten wird. Das war sein persönlicher Kommentar zum Weltfrauentag. Es folgte der erwartbare Shitstorm und Forderungen, die Krautreporter sollten den Jung jetzt endlich rausschmeißen.

Krautreporter Sebastian Esser verkündete am Dienstag die angekündigten Konsequenzen in der Causa Jung: Tilo Jung darf vorübergehend keine neuen Beiträge für Krautreporter veröffentlichen, er bleibt aber Mitglied der Redaktion. Eine Art „Stille Treppe 2.0“.

Sich von Jung zu trennen, wäre eine „einfache Lösung“ gewesen, schreibt Esser. Jeder habe das Recht auf einen „bescheuerten Tweet“. Esser weiter:

Wir haben Tilo gebeten, der Redaktion zu erklären, wie es zu dem Post kam. Er sagt, er verstehe inzwischen selbst nicht mehr, was daran witzig sei. Er sagt, ihm sei durch die Diskussion bewusst geworden, dass es einen „blinden Fleck“ bei ihm gebe. Er sagt, er wolle daran arbeiten. Und er hat um Entschuldigung gebeten. Wir haben die Entschuldigung angenommen. Wir haben beschlossen, Tilo Zeit zu geben, diesen „blinden Fleck“ auszuleuchten.

Während Tilo Jung also seinen „blinden Fleck“ ausleuchtet, muss er ein paar Mal aussetzen und danach ist alles wieder heil. Im Prinzip hätte es zwei Möglichkeiten gegeben, auf die Debatte um Jung und sein verunglücktes Posting zu reagieren:

1. Man erklärt das Posting zu Jungs Privatangelegenheit und lässt die Kritik ins Leere laufen. Zumal man ja auch nicht unbedingt der Meinung sein muss, dass dieses Posting so schrecklich frauenfeindlich ist, wenn man es in seinem eigentlichen Kontext betrachtet.

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2. Man stellt sich auf den Standpunkt, dass das Posting tatsächlich so verwerflich und frauenfeindlich war, dass es mit den Werten der Krautreporter nicht vereinbar ist und setzt Jung vor die Tür.

Ach so, man kann natürlich auch zu Tilo Jung im übertragenen Sinne „du, du, du“ sagen und hoffen, dass dann alles wieder gut ist.

Leider haben sich die Krautreporter für diesen dritten Weg, den Weg des Wischiwaschi entschieden. Derzeit sorgen die Krautreporter mehr mit hausgemachten Querelen für Aufmerksamkeit anstatt mit guten Geschichten. Nach deutlicher Kritik aus der Community gab es eine interne Debatte um die Nebentätigkeit eines Krautreporters für die Bundesregierung und nun die Erregung um Tilo Jung und seinen Instagram-Fehltritt. Wobei Jung ohnehin einer ist, der mit seinem „jung & naiv“-Videoformat stark polarisiert. Jüngst schrieb Krautreporter-Chefredakteur Alexander von Streit schon, dass einige Formate überprüft würden. Die Rubrik Datensport (die Meedia-Mitarbeiter Jens Schröder beisteuerte) und die Graphic Novel wurden aus dem Programm gestrichen. Man müsse das anvertraute Geld richtig einsetzen, so von Streit.

Das Projekt, das angetreten war, den Online-Journalismus zu retten muss derzeit vor allem sich selbst retten.

 

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