Anzeige

Ebelings Weisheiten: „Fernsehen wird es immer geben. Genauso wie die Zeitung“

thomas-ebeling_bilanz.jpg

Argumentation aus einer Position der Stärke. In der aktuellen Ausgabe von Bilanz äußert sich ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling zu den wichtigen Themen der Branche. Ob nun im Infight gegen Netflix, in der Kabbelei um die bessere Werbewirkung von Online, Print oder TV sowie bei seiner Verbal-Attacke zur Zerschlagung von Google, teilt der Hobby-Thaiboxer gewohnt kräftig aus.

Anzeige
Anzeige

Im Gespräch mit Willi Köster wird schnell klar, dass Ebeling mächtig stolz auf das aktuelle Geschäftsergebnis ist. Doch Stillstand ist ja bekanntlich ein wirtschaftlicher Rückschritt. Also muss es immer weiter gehen. Der wohl wichtigste Bereich, in dem die Münchner Gas geben wollen, ist die Ausweitung des Digitalgeschäftes. Zur Zeit beträgt dessen Anteil 20 Prozent. Dieser soll bis 2018 auf 40 Prozent des Gesamtumsatzes erhöht werden.

In Zuge dessen nennt Ebeling auch erstmals Zahlen für das innovative Media for Equity-Model, bei dem P7S1 seit 2010 Werbeplätze gegen Firmenanteile von Startups eintauscht. So arbeiteten die Münchner in diesem Bereich bislang mit rund 50 Neulingen zusammen. Dafür stellen sie fünf bis zehn Prozent ihrer TV-Werbeflächen zur Verfügung. Die dazugehörigen Einnahmen sollen bei über 300 Millionen Euro, mit einer „hocherfreulichen“ Rendite liegen.

Künftig will Ebeling jedoch weniger in Masse und mehr in Klasse investieren. Zu einem möglichen Kauf von Unister (Flüge.de, ab-in-den-Urlaub.de) äußert er sich in dem Gespräch mit Bilanz nicht.

Dafür aber zur Marktmacht von Google und die Bedrohung durch das Web, YouTube und Netflix. Aber der Reihe nach. Eine echte Bedrohung durch die Streamingdienste kann der Manager erst einmal nicht erkennen. Aus vielerlei Gründen. So glaubt er, dass die jüngeren Zielgruppen, die weniger fernsehen, durch die Älteren, die immer länger die Flimmerkiste laufen lassen, mehr als wettgemacht werden. Zudem litten Netflix & Co. unter den primär deutschen Besonderheiten, dass hierzulande neben der GEZ kaum zusätzliches Geld für TV-Inhalte ausgegeben werde und alles synchronisiert werde. „Das können sie in der Breite nur im klassischen TV“.

Bei ProSieben würde ‚Orange is the new Black‘ keine vier Prozent Marktanteil holen
Anzeige

Grundsätzlich meint Ebeling, dass nicht das Fernsehen „unter der Internetkonkurrenz leidet, sondern Zeitungen und Zeitschriften“. Einmal in Rage legt er gleich noch nach: „Das ganz Gerede vom Tod des Fernsehens oder von Print ist in weiten Teilen eine Feuilleton-Diskussion“. Als Beispiel führt er „Orange is the new Black“ von Netflix an. „Das ist eine tolle Serie. Aber da draußen sind 80 Millionen Leute, mit deren Lebenswirklichkeit das wenig zu tun hat“. Bei ProSieben würde die Serie keine vier Prozent Marktanteil holen. ‚House of Cards‘ haben wir damals gekauft. Ich liebe sie“. Doch Quoten machte die Serie nicht.

„Auch die Post konnte nichts für ihr Monopol und wurde zerschlagen“

Ähnlich klare Ansagen gibt es auch in Richtung Google: „Man muss sich nur angucken, über welche Marktdominanz und Datenmengen Google, aber auch Facebook verfügen. Für ein Land, in dem Persönlichkeitsrechte und Datenschutz eine so große Rolle spielen, tut Deutschland wirklich sehr wenig“. Den Einwand, dass Google ja nichts für seine Marktmacht könnte, lässt der TV-Manger nicht gelten: „Auch die Post konnte nichts für ihr Monopol und wurde zerschlagen“. Damit ist seine Forderung an die EU ziemlich klar.

Auch wenn sich die Verbreitung und die Geschäftsmodelle ändern würden, verspicht Ebeling: „Fernsehen wird es immer geben. Genauso wie die Zeitung.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*