Die „Publikumskonferenz“ und die Mär von der Rache-Recherche der Welt

Investigativ-Chef der Welt: Jörg Eigendorf
Investigativ-Chef der Welt: Jörg Eigendorf

Das im Heise Verlag erscheinende Online-Magazin Telepolis hat den Leiter des Investigativteams der Tageszeitung Die Welt, Jörg Eigendorf, scharf angegriffen. Der Artikel unterstellt ihm, er verfolge "kleinliche Rachegelüste" gegen Maren Müller, die Sprecherin des Vereins "Ständige Publikumskonferenz". Der Verein hatte Programm-Beschwerden gegen Eigendorfs Frau, ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf, vorgebracht. Die Stimmung zwischen Teilen des Publikums und den Medien wird immer angespannter.

Anzeige

Der Verein, der mit vollem Namen „Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e.V.“ heißt flutet seit einiger Zeit ARD und ZDF mit offiziellen Programmbeschwerden, die sich mit Fehlern in der Berichterstattung auseinandersetzen. Oft geht es dabei um Berichte zur Ukraine-Krise, bei denen den Medien im Allgemeinen und ARD und ZDF im Speziellen schon zahlreiche ärgerliche bis peinliche Schludrigkeiten und Fehler unterlaufen sind.

Mindestens zwei Programmbeschwerden wurden auch zu Beiträgen von ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf eingereicht. Einmal hatte sie im September vergangenes Jahr für das „heute journal“ über freiwillige ukrainische Kämpfer gegen die Separatisten berichtet und im Betrag waren Nazi-Symbole des so genannten Asow-Bataillons im Bild. Die Publikumskonferenz beschwerte sich, Hinweise aus den rechtsradikalen Hintergrund des Bataillons hätten gefehlt., Die Rechtsradikalen seien von Frau Eigendorf zu „Freiheitskämpfern“ stilisiert worden. Die Beschwerde wurde vom ZDF als unbegründet zurückgewiesen. Eine weitere Beschwerde befasst sich mit einem Beitrag Katrin Eigendorf für das Morgenmagazin des ZDF. In der Live-Schalte beschrieb sie einen angeblichen Angriff russischer Truppen auf einen Checkpoint. Laut „Programmkonferenz“ fehlten jegliche Belege dafür, dass es sich um russische Truppen handelte. Stattdessen sei wieder unkommentiert die Flagge des rechtsradikalen Asow-Bataillons zu sehen gewesen.

Der Verein „Ständige Publikumskonferenz“ ist eine rein private Initiative, die nach einer viel beachteten Online-Petition Maren Müllers gegen den ZDF-Moderator Markus Lanz entstanden ist. Katrin Eigendorf nun ist die Ehefrau von Jörg Eigendorf, Leiter des Investigativteams der Welt und dort auch Mitglied der Chefredaktion. Öffentlicher Sender und konservative Springer-Tageszeitung: eine Art Power-Couple der Mainstreammedien.

Jörg Eigendorf sieht die Rolle Russlands in der Ukrainekrise sehr kritisch. In einem Kommentar bezeichnete er Moskaus Medienpolitik als Gefahr für europäische Gesellschaften. Es brauche eine „strategische Antwort auf diesen Desinformationskrieg“. Jetzt hat er sogar ein Desinformations-Scharmützel daheim.

Am 23. Februar veröffentlichte Maren Müller auf der Internet-Seite der „Ständigen Publikumskonferenz“ einen langen Text, in dem sie beschreibt, wie sie von einer Redakteurin der Welt interviewt wurde und wie sie erfuhr, dass ein weiterer Redakteur der Welt Erkundigungen über eine mögliche Stasi-Vergangenheit Müllers einholte. Maren Müller war mal Mitglied des SPD-Bundesverbandes Sachsen und musste darum eine Stasi-Überprüfung durchlaufen. Die Überprüfung ergab, dass keinerlei Akten der früheren Staatssicherheit der DDR über sie vorlagen. Ihre Interviewerin und der Stasi-Rechercheur gehören beide zum Investigativ-Ressort der Welt, das von Jörg Eigendorf geleitet wird.

In ihrem Text mutmaßt Frau Müller, dass das Interview und die Recherche von Akten dazu dienen sollte etwas zu finden, „was man in guter alter Springer-Manier zur Demontage missliebiger Personen verwenden könnte“. Telepolis hat dies aufgegriffen und zieht den Schluss, dass persönliche Interessen bei der Recherche eine Rolle gespielt haben könnten. Autor Malte Daniljuk schreibt: „Die Journalisten-Familie Eigendorf recherchiert zurück.“ Und weiter:

Dass hier zudem der Verdacht naheliegt, Ressortleiter Eigendorf verfolge mit seiner Arbeit für den Springer-Verlag die kleinlichen Rachegelüste seiner handwerklich weniger bewanderten Ehefrau beim ZDF, das macht diese peinliche Angelegenheit so unappetitlich, dass man sich unwillkürlich fragen will: Wie tief könnt ihr eigentlich sinken, so genannte Journalisten?

Das sind sehr harte, wütende Worte, die sich nicht beweisen lassen und die ganz sicher nicht zu einer Deeskalation im angespannten Verhältnis zwischen großen Teilen des Publikums und der Medien beitragen. In den Sozialen Medien wurde der Telepolis-Beitrag erwartbar begierig aufgegriffen und eifrig weitergeleitet. Fertig war die nächste Mini-Verschwörung gezimmert: Ein einflussreicher Zeitungs-Journalist versucht mit fieser Recherche die Kritiker seiner Gattin mundtot zu machen.

Auf Anfrage äußert man sich beim Springer-Verlag wie folgt:

Es gibt keinerlei Zusammenhang zwischen den Recherchen der Welt und der Programmbeschwerde gegen Frau Eigendorf. Der Verdacht der Einflussnahme von russischer Seite auf westliche Institutionen und Persönlichkeiten ist für das Welt-Investigativteam schon seit Frühjahr 2014 ein wichtiges Thema.

Das Investigativ-Team habe zu vielen Personen recherchiert. Eine Springer-Sprecherin verweist darauf, dass Frau Müller nach ihrer viel beachteten Anti-Lanz-Petition zu einer Person des öffentlichen Interesses geworden sei. Immerhin haben die Recherchen der Welt ja auch ergeben, dass es keine wie auch immer geartete Stasi-Vergangenheit bei Maren Müller gibt. Es wurde auch nichts berichtet. Dass nunmehr schon Recherchen, die zu keiner Veröffentlichung führten für Zorn sorgen, das ist in der Tat bemerkenswert.

Die Medien und ihr Publikum sollten dringend zum Paar-Therapeuten.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „…Moskaus Medienpolitik als Gefahr für europäische Gesellschaften.“
    Wie die Russen dem gauck* befahlen, in Polen davon zu reden, dass Polen die meisten Opfer im Nazikrieg zu beklagen hatten, war schon ein echter Coup!
    Dass der Märchensender WDR (= der dauernd Russenpanzer überall verortet wie die sonst nur die depperten Schweden russ. UBoote) aus dem gauck’schen Palaver gleich eine Nachricht machte…alles der Putin schuld!

    *Kleinschreibung aus Respekt vor dem Amt

  2. Ich finde, Maren Müller und dieser „Ständigen Publikumskonferenz“ wird viel zu viel Beachtung geschenkt. Sie haben bei Lanz schon weit über das Ziel hinaus geschossen und gerieren sich nun als „das Publikum“.

    1. Deutschland hat seit langem keine Medien mehr. Die pseudo demokratische deutsche Propaganda nicht mehr als Medien bezeichnen. Sie können sich selber anschauen, anhören und loben. Wer frei sein will, befreit sich, als erstes, davon.

  3. Zitat aus dem Artikel: „Immerhin haben die Recherchen der Welt ja auch ergeben, dass es keine wie auch immer geartete Stasi-Vergangenheit bei Maren Müller gibt. Es wurde auch nichts berichtet.“

    Na eben! Das ist ja gerade der Punkt. Hätte man etwas gefunden, wäre breit berichtet worden, das darf man annehmen. Wenn man nichts findet, schweigt man hingegen einfach und berichtet gar nichts. Frau Müller wurde ja aber nach eigener Aussage ausführlich interviewt von einer Journalistin der Welt, in der Folge erschien aber kein Artikel.

  4. Die Mainstreamjournalisten sind es gewohnt und entsprechend geübt darin, missliebige Personen journalistisch abzuschießen, wenn die entsprechende Anweisung ergeht. Umso erstaunter und ungewohnt ist es für sie, plötzlich selber auf der Anklagebank zu sitzen und der Manipulation – die z.Zt. bis hin zur Kriegstreiberei geht – beschuldigt zu werden. Das Problem ist, dass zu viele Schreiberlinge und Redakteure charakterlich für ihre verantwortliche Tätigkeit nicht geeignet sind. Wer aus Gründen eines möglichen Karriereschubs bzw. der Angst vor Jobverlust Kampagnen gegen bestimmt Personen startet, hat seinen Beruf eindeutig verfehlt. Es ist gut und wichtig, dass es diese Publikumskonferenz gibt, damit die schwarzen Schafe des Journalismus enttarnt werden können. Dies sollte auch im Sinne der ehrbaren Mitglieder der schreibenden Zunft sein.

  5. „Das sind sehr harte, wütende Worte, die sich nicht beweisen lassen und die ganz sicher nicht zu einer Deeskalation im angespannten Verhältnis zwischen großen Teilen des Publikums und der Medien beitragen.“

    Es gäbe keine harten, wütenden Worte, hätten die Mediennutzer wenigstens das Gefühl, für ihr erpresstes Geld keiner Propaganda ausgesetzt zu sein und damit wahrhaftige, ausgewogene Informationen erhielten. Wer aber dafür bezahlen muss, mitunter böse an der Nase herumgeführt zu werden, darf auch darüber wütend sein und die sog. und tatsächlichen Journalisten auf Fehler hinweisen, die öffentlich zu berichtigen und nicht zu vertuschen sind.
    Und schon wäre die Eskalation, die ich übrigens nicht erkennen kann, beendet.

  6. Journalisten sind Schweine.

    Man kann es ihnen nicht oft genug schreiben, sagen, in die fiese Visage brüllen usw.

  7. Springer ist eine Art Stasi 2.0
    Sticht jemand aus der Masse raus, wird fein säuberlich eine Akte angelegt.
    Springer bedeutet an erster Stelle Hetze und Propaganda.
    An zweiter Stelle steht, so zu tun als betriebe man Journalismus.

  8. Also, wenn der Herr Eigendorf Kriminalbeamter wäre, dann dürfte er gegen Maren Müller nicht ermitteln, weil ganz automatisch eine mögliche Befangenheit ausgeschlossen werden müsste.

    Dass „Die Welt“ einen solchen Interessenkonflikt nicht schon von sich aus vermeiden möchte, wirft kein besonders gutes Licht auf diese Redaktion.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige