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Datenklau-Affäre: taz stellt Strafanzeige und veröffentlicht Chronologie

taz-Chefredakteurin Ines Pohl hat eine Ausspäh-Affäre in der Redaktion
taz-Chefredakteurin Ines Pohl hat eine Ausspäh-Affäre in der Redaktion

Die taz hat eine ausführliche Chronologie der Datenklau-Affäre veröffentlicht. Ein taz-Mitarbeiter hat mit Hilfe eines so genannten Keyloggers über einen langen Zeitraum hinweg Redaktionsmitglieder ausgespäht. Zu einem vereinbarten Personalgespräch am Montag erschien der Verdächtige nicht. Die taz hat arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet und Strafanzeige gestellt. taz-Chefredakteurin Ines Pohl: "Der Schock bei uns allen sitzt tief."

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Laut Berichten von Welt und NDR von vergangener Woche handelt es sich bei dem Verdächtigen um Sebastian Heiser. Jenen taz-Mitarbeiter, der vor kurzem eine vermeintliche Schleichwerbe-Affäre bei der Süddeutschen Zeitung aufdecken wollte, die ins Jahr 2007 zurückdatiert. Heiser dokumentierte seine SZ-„Enthüllungen“ mit Hilfe verdeckt mitgeschnittener Gesprächsprotokolle.

Kurz darauf wurde bekannt, dass bei der taz – Heisers Arbeitgeber – an einem Rechner einer Praktikantin ein so genannter Keylogger entdeckt worden war. Das ist ein Gerät, das aussieht wie ein USB-Stick aber geeignet ist, Rechner auszuspähen und Tastatur-Eingaben aufzuzeichnen. Ein Mitarbeiter wurde dabei beobachtet, wie er versucht habe, den Keylogger zu entfernen und dabei gestellt, schreibt die taz in ihrer Chronologie. Der Mitarbeiter habe erklärt, er habe lediglich einen „USB-Stick herausgezogen“.

Am selben Abend wurde in das Redaktionsgebäude der taz eingebrochen. Eine Tür wurde beschädigt, eine weitere, mit Code gesicherte Tür, blieb unbeschädigt. Der Code war Redaktionsmitgliedern allgemein bekannt. Ob die Vorfälle in einem Zusammenhang stehen, ist unbekannt. Die Auswertung der Daten des Keyloggers haben laut taz ergeben, dass das Gerät mindestens seit Anfang 2014 zum Ausspähen von taz-Rechnern benutzt wurde. Die Daten auf dem Logger wurden offenbar mehrfach gelöscht und überschrieben. Eine Auswertung habe ergeben, dass mindestens 16 Mitarbeiter-Accounts von den Ausspähungen durch diesen Keylogger betroffen waren.

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Für den heutigen Montag, 12.30 Uhr war der unter Verdacht stehende taz-Mitarbeiter – die taz selbst nennt keinen Namen – zu einem Gespräch mit Chefredaktion, Geschäftsführung und Justiziar eingeladen. Als er nicht erschien, wurden arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet und Strafanzeige erstattet.

taz-Chefredakteurin hat sich in einem Kommentar zu dem Vorfall geäußert. Sie schreibt u.a.:

Das Redaktionsgeheimnis ist ein hohes Gut. Eine Tageszeitung lebt nicht nur vom Vertrauen, das ihr die LeserInnen entgegenbringen. Interviewpartner oder Informanten müssen sich darauf verlassen können, dass die Aussagen und Sachverhalte, mit denen sie sich an die Zeitung wenden, in guten Händen sind und bleiben. Wichtig ist aber auch das Vertrauen, das innerhalb einer Redaktion herrscht. Die KollegInnen müssen sich gewiss sein können, dass alle, die in einer Redaktion arbeiten, im Sinne der Berichterstattung an einem Strang ziehen.

Dieses Grundvertrauen ist in der vergangenen Woche in der taz erschüttert worden, als ein Mitarbeiter dabei beobachtet wurde, wie er einen sogenannten Keylogger aus dem USB-Slot eines Redaktionscomputers abgezogen hat.

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Alle Kommentare

    1. Ich versteh nicht ganz – wo steht, dass man über die taz nicht feixen dürfe? Und es ist doch selbstverständlich, dass die Betroffenen das eher nicht so lustig finden.

      Aber du darfst feixen, soviel du willst. ABer nicht vergessen: Zur Meinungsfreiheit gehört auch, dass andere deine Feixerei kritisieren – das gehört dazu. Nicht gleich weinen, wenn dir jemand widerspricht.

  1. Eigentlich sollte man von Herrn Heiser erwarten dürfen, dass er von sich aus zu der Causa Stellung nimmt – insbesondere falls die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ungerechtfertigt wären.

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