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Umfrage nach Kritik: Die Crowd ist mit Krautreporter zufrieden, aber…

Krautreporter-Gründer Sebastian Esser: Mit Paywall ins zweite Jahr
Krautreporter-Gründer Sebastian Esser: Mit Paywall ins zweite Jahr

Krautreporter hat seine Mitglieder in einer Umfrage um Feedback gebeten. Anhand von 22 Fragen wollte Herausgeber Sebastian Esser erfahren, wie oft seine Leser Krautreporter nutzen, wie sehr sie sich informiert und einbezogen fühlen sowie, wie zufrieden sie mit der Qualität der Texte sind. Das Fazit: Essers Abonnenten würden das Angebot weiterempfehlen, aber nur die Hälfte ist sich sicher, Krautreporter auch ein weiteres Jahr finanzieren zu wollen.

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Was wurde im (nun fast) ersten halben Jahr über die Krautreporter geschimpft. Die Krautreporter würden zu wenig publizieren, immer seien es dieselben, von denen man lese. Zu viel Tilo Jung, zu wenig Jens Weinreich und Richard Gutjahr. Stücke prominenter Autoren seien limitiert, kritisierte beispielsweise Krautreporter-Abonnent Marc Wickel. Schlimmer noch sei aber die “schlechte Recherche bei zu vielen Texten“ und die Menge an “größtenteils langweiligen“ Storys. Ein Angriff, den Chefredakteur Alexander von Streit nicht auf sich sitzen lassen wollte (MEEDIA berichtete). Doch auch andere Kritiker, wie Meike Lobo, vermissen die Relevanz, bezeichnen die Krautreporter als „Recyclinghof“, weil dort Texte erschienen, die ihre Autoren bereits an anderer Stelle öffentlich gemacht hatten. Steht es wirklich so schlimm um die Arbeit der Krautreporter? Denkt vielleicht eine Mehrheit der Abonnenten wie Marc Wickel oder Maike Lobo? Offenbar nicht.

Der größte Teil der Crowd ist mit der Arbeit von Esser, von Streit und den übrigen Krautreportern zufrieden. Das haben die Krautreporter-Macher schwarz auf weiß. Nach der Kritikwelle zu Beginn des Jahres startete Krautreporter eine Mitglieder-Befragung, die ihnen den Rücken stärkt. MEEDIA trägt die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:

E-Mail-Newsletter ist wichtigster Kanal

Grundsätzlich ist das Krautreporter-Mitglied oft auf der Seite. Gleich 66 Prozent der Krautleser schauen gleich „mehrmals die Woche“ vorbei, knapp ein Drittel sogar einmal pro Tag. Zwölf Prozent rufen Krautreporter immerhin ein Mal in der Woche auf. Wichtigster Kanal scheint dabei der morgendliche E-Mail-Newsletter zu sein. 66 Prozent stoßen dadurch normalerweise auf die Seite, gleichzeitig rufen 54 Prozent die Website auch von allein auf (Mehrfachnennungen waren möglich).

Crowd will mehr Mitbestimmung

Von einem bis zu fünf „Daumen Hoch“ konnten Mitglieder für die Frage geben, ob sie sich über die Entwicklung von Krautreporter informiert fühlen. Im Schnitt Gab es 3,2 Daumen. Voll informiert fühlen sich neun Prozent, gut bis teilweise informiert jeweils ein Drittel der Befragten. Insgesamt wünscht sich die Crowd mehr Mitspracherecht, vor allem beim Auswählen und Priorisieren von Themen (55 Prozent, Mehrfachnennungen waren möglich), 54 Prozent würden gerne über die Themen abstimmen. Generell hat ein Großteil der Abo-Inhaber nicht oder kaum realisiert, dass Krautreporter für so genannten „Community-Journalismus“ steht. Darunter verstehen die Macher, dass sich die Mitglieder in Themen- oder Regionenclubs untereinander und mit Autoren austauschen und recherchieren. Nur acht Prozent ist der Gedanke vollkommen klar, 28 Prozent klar. Mehr oder weniger (drei von fünf Bewertungs-„Daumen hoch“) klar sagen 24 Prozent.

Aktualität, Relevanz und Sprache schneiden gut ab
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In den journalistisch wichtigen Punkten widerspricht die Community Kritiker Wickel. Überwiegend sind die Krautreporter-Leser mit Aktualität, Relevanz sowie der Sprachqualität zufrieden. Besonders letzteres schneidet mit durchschnittlich 3,9 „Daumen hoch“ sehr gut ab (Aktualität 3,37 Daumen, Relevanz 3,4 Daumen).

Zufrieden sind die Leser auch mit der Anzahl der erscheinenden Beiträge: 76 Prozent sagen, die Zahl der Beiträge sei „in etwa richtig“. 20 Prozent würden sich mehr Beiträge wünschen, nur fünf Prozent erscheinen die Krautreporter-Stücke zu schnell.

Mitglieder würden Krautreporter weiterempfehlen, aber…

Qualität und absolute Unabhängigkeit hat Krautreporter versprochen. Und offenbar gehalten. 72 Prozent der Mitglieder sind von der Unabhängigkeit der Krautreporter überzeugt, 54 Prozent sehen Krautreporter als „Alternative zu etablierten Online-Medien“. Wohl deshalb sind auch 73 Prozent der Befragten entschlossen, dass sie Krautreporter weiterempfehlen würden. Umso spannender ist das Ergebnis nach der Bereitwilligkeit der Finanzierung. Offenbar hält ein großer Teil der Leserschaft, Krautreporter für ein gutes Produkt. Allerdings nicht gut genug, um es weiter zu finanzieren. Jeder zweite Zahler würde Essers Projekt zwar noch ein weiteres Jahr finanzieren. 29 Prozent sind aber unentschlossen, während 20 Prozent abgeneigt sind.

Wie Esser und von Streit die Unentschlossenen dazu bewegen wollen, weiterhin zu zahlen, legen sie nicht dar. Esser weist gegenüber MEEDIA darauf hin, dass die Umfrage nicht öffentlich war, sondern innerhalb der Community stattfand. Das Team sei derzeit dabei, die Ergebnisse auszuwerten, auch werde mit den Mitgliedern diskutiert und über nächste Schritte abgestimmt. Ihnen machte Esser die Ergebnisse Ende vergangenen Monats zugänglich.

Krautreporter registrierte 1943 Mitglieder, die an der Umfrage teilgenommen haben. Insgesamt zählt das Portal 15.000 Abonnenten.

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Alle Kommentare

  1. „Insgesamt befragte Krautreporter 1943 Mitglieder, von denen bis zu 1939 teilgenommen haben.“ Wow. 99,79% der Angefragten haben geantwortet. Sicher? So ein Satz muss einem doch komisch vorkommen, wenn man ihn schreibt. Und wenn man sich auch nur 2 Minuten inhaltlich mit der Umfrage beschäftigt hat, statt hier nur Zusammenfassungen reinzukopieren, würde doch klar, das das nicht stimmen kann.

  2. Für mich als Unternehmer, der an Wirtschaft, neuen Technologien usw. interessiert ist, ist die Auswahl der Themen stark verbesserungswürdig.

    Absolute Nischenthemen werden im Detail ausgeleuchtet. Der Fokus liegt bei Problemen die Minderheiten irgendwo auf der Welt haben (x Artikel zum Gaza Konflikt) – aber neue Ansichten zu Themen die Menschen in Europa beschäftigen kann man mit der Lupe suchen.

    Mein Mail dazu an Krautreporter blieb bisher unbeantwortet. Ist wohl nicht wichtig.

    So wie es derzeit aussieht bleibe ich sicher kein Abonnent.

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