Für Börsenberichte: Tomorrow Focus setzt jetzt auf Robotertexte

Hinter der Seite Finanzen100.de arbeitet jetzt der Algorithmus von Text-on. Das Start-up wurde von Wolfgang Zehrt (Foto) und Cord Dreyer aufgebaut. Fotos:  Text-on, Tomorrow Focus, Edelweiß – Fotolia.com.
Hinter der Seite Finanzen100.de arbeitet jetzt der Algorithmus von Text-on. Das Start-up wurde von Wolfgang Zehrt (Foto) und Cord Dreyer aufgebaut. Fotos: Text-on, Tomorrow Focus, Edelweiß - Fotolia.com.

Publishing Lange war es ruhig um Text-on. Jetzt hat das Berliner Start-up, das sich auf die automatische Erstellung von Texten spezialisiert hat, sein erstes Projekt für ein journalistisches Portal gelauncht. Der Kunde: Tomorrow Focus' Finanzen100.de, das unter redaktioneller Leitung von Focus-Online-Chef Daniel Steil steht.

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Ab sofort liest die Software des Start-ups fortlaufend Börsendaten der an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen, um aus den Informationen entsprechende Kurzberichte zu schreiben. Dabei reagiert das Programm alle fünf Minuten auf Kursänderungen und baut aktuelle Informationen ein. Täglich sollen so mehr als 3000 Texte zusammenkommen, erklärt Wolfgang Zehrt. Der ehemalige dapd-Vorstand für Produktentwicklung hat Text-on gemeinsam mit Ex-dapd-Chef Cord Dreyer gegründet.

„Gemeinsam mit Finanzen100 testen wir die einfachste Ausbaustufe unseres Programms. Darüber hinaus kann das System auch die textliche Verarbeitung von Vergleichen mit historischen Ereignissen. Der Algorithmus vergleicht also nicht nur mehrere aktuelle Kurse, sondern kann auch die Geschichte eines Kurses textlich aufarbeiten“, erklärt Zehrt gegenüber MEEDIA. „Beide Kooperationspartner wollen in einer Testphase vor allem die Akzeptanz und die Reichweite der Nachrichteninhalte beurteilen.“ Neben den fortlaufend generierten Meldungen zu Einzelwerten stellt das Unternehmen auch mehrfach täglich gewichtete Zusammenfassungen zum Börsenverlauf, von Indizies und Wochenüberblicke zur Verfügung.

Die Tomorrow-Focus-Tochter erreicht monatlich mehr als elf Millionen Visits (IVW 01/15) und steht unter redaktioneller Verantwortung von Focus-Online-Chefredakteur Daniel Steil. Burda, Mehrheitsaktionär von Tomorrow Focus, hat bereits seit längerem Interesse daran, mit computergenerierten Texten zu arbeiten. MEEDIA berichtete im August vergangenen Jahres, dass Burda Media und Verantwortliche von Focus Online in Gesprächen mit Text-on-Konkurrent Aexea standen. Das Stuttgarter Unternehmen hat kurz darauf eine Kooperation mit dem Sport-Informations-Dienst abgeschlossen.

„Wir haben uns in den vergangenen Monaten international mehrere Anbieter von Roboter-Texten angeschaut. Hier kommt eine neue Entwicklung auf uns zu. Wir möchten unseren Usern Informationen schnellstmöglich umfangreich und detailliert sowohl über die DAX-Werte als auch über internationale Nebenwerte zur Verfügung stellen“, erklärt Tim Nocken, Head of Marketing bei Tomorrow Focus. Das Finanzportal eigne sich für die Automatisierung vor allem wegen des umfangreichen Datennetzes aus dem Finanzbereich, so Nocken weiter. „Automatisierte Texte können dann sinnvoll erstellt werden, wenn strukturierte Daten vor liegen.“

Die Kursberichte biete Finanzen100 als neuen und ergänzenden Service zum bestehenden Angebot an. Für den Einsatz der Roboter mussten keine Redakteure gestrichen werden. Weiter will Tomorrow Focus die Redaktion des Finanzportal weiter ausbauen, heißt es. „Mit 11,28 Millionen Visits war Finanzen100 so erfolgreich wie noch nie. Wir wollen weiter sehr stark wachsen.“

Im US-Markt wird Roboterjournalismus bereits seit längerem eingesetzt. Der US-Dienstleister Narrative Science beispielsweise bestückt für das Wirtschaftsmagazin Forbes ein komplettes Blog. Der Computer schreibt eigenständig Berichte über Bilanzerwartungen für Unternehmen. Auch auf Sportberichterstattung haben sich einige US-Start-ups spezialisiert, die Los Angeles Times hat in der Vergangenheit gleich mehrere Projekte mit Algorithmen umgesetzt. Ihr Entwickler Ken Schwencke ist vergangenes Jahr zur New York Times gewechselt.

Größter europäischer Anwender des Roboterjournalismus ist wohl die Nachrichtenagentur Associated Press. Die Franzosen setzen ebenfalls in der Bilanzberichterstattung auf automatisch generierte Texte.

 

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Alle Kommentare

  1. „Größter europäischer Anwender des Roboterjournalismus ist wohl die Nachrichtenagentur Associated Press. Die Franzosen …“

    Die Franzosen? Gehört ap jetzt „den Franzosen“?

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