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Bild über Bild: „Manchmal ist es bitter, recht zu behalten“

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Die Griechenland-Berichterstattung der Bild ist die wohl umstrittenste Kampagne der Boulevard-Zeitung seit Jahren. In der heutige Ausgabe feiern sich die Berliner nun auf dem Titel und einer Doppelseite selbst und drucken 35 alte Kommentare zu den "Pleite-Griechen". Offizielles Motto der Aktion: "Manchmal ist es bitter, recht zu behalten". Inoffiziell scheinen die Bild-Männer vor allem der publizistischen Konkurrenz zuzurufen: "Wir hatten recht!".

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„Bereits vor fünf Jahren hatte der Publizist Georg Gafron in Bild vor der aufkommenden Griechenland-Krise gewarnt und schon zu jener Zeit die griechische Regierung aufgefordert, zuallererst selbst ‚hart zu sparen'“, lobt sich der aktuelle Politik-Chef Bela Anda, seine Redaktion und seinen Vorgänger Nikolaus Blome. Weiter schreibt er: „Zahlreiche weitere Kommentare folgten, 35 davon drucken wir heute in Bild auf den Seiten 2 und 3 ab. Ein beeindruckendes Statement für die Beharrlichkeit von Bild, die eigene Meinung zu vertreten. Knallhart. Und unbequem.“

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Für Anda handelt es sich bei der Doppelseite um eine „beeindruckende Zusammenstellung von Bild-Kommentaren zur Griechenland-Krise“. Dies dürften viele Beobachter anders sehen. Tatsächlich sorgte kaum eine Bild-Kampagne für so viel Reibung, wie das extrem meinungsfreudige Vorgehen der Berliner in der Griechenland-Krise.

So veröffentlichte das Bildblog bereits im Frühjahr 2010 einen Leitfaden: „Wie hetze ich gegen ein Land auf?“ Stefan Sichermann veranschaulichte anhand „einiger ausgesuchter Bild-Artikel über den drohenden griechischen Staatsbankrott, wie man gegen ein fremdes Volk aufwiegelt“.

Stefan Niggemeier: „Es ist eine Form von Volksverhetzung“
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Im November 2011 schrieb Stefan Niggemeier über den Begriff der „Pleite-Griechen“: „Bild arbeitet seit Monaten systematisch daran, dass niemand an griechische Menschen denken soll, ohne das Wort Pleite mitzudenken. Die Methode ist dieselbe, die Christa Wolfs Kassandra benutzt, wenn sie den verhassten Achill immer und immer und immer wieder als ‚Achill, das Vieh‘ bezeichnet. Bild macht systematisch nicht nur einen Staat, sondern alle seine Angehörigen verächtlich. Es ist eine Form von Volksverhetzung.“

Trotz aller massiver Kritik an Ton und Inhalt der Griechenland-Berichterstattung wirkte die Kampagne auch als Karriere-Beschleuniger. Bild-Journalisten wie der damalige Politik-Chef Nikolaus Blome oder der Reporter Paul Ronzheimer bildeten erst in der Debatte um die Griechenland-Hilfe harte Kanten und ihr jetziges Profil aus.

Fraglos ist die Bild-Berichterstattung häufig einseitig, bösartig und verletzend gewesen. Wie viel noch immer falsch und verzerrt in Sachen „Pleite-Griechen“ dargestellt wird, erklärt beispielsweise gerade Axel Hansen bei Zeit Online. Andererseits fällt es jedoch auch nicht ganz leicht der heutigen Bild-Zeile zu widersprechen. Dort heißt es: „Das Griechen-Drama! Bild hat immer gewarnt…“.

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Alle Kommentare

  1. Ganz ehrlich: Die heutige Titelseite der Bild war ein einziges Klischee. Oben: Meinungsmache und Volksverhetzung (danke an Niggemeier für die passende Bezeichnung) und unten: nackte Frauen. Ganz ehrlich: Dazu fällt mir keine passende Beleidigung mehr ein.

  2. Echt jetzt? Die Bild klopft sich selbst auf die Schulter, weil sie das „Vorausgesehen hat“.
    Dann kann ich mir auch auf die Schulter klopfen, weil ich vorausgesehen habe, dass die Sonne heute untergehen wird ….

  3. In Griechenlands Situation ‘hart zu sparen‘ macht doch ökonomisch gar keinen Sinn! Glückwunsch also an Georg Gafron, bereits vor fünf Jahren falsche Ratschläge verteilt zu haben und Glückwunsch an Bela Anda, diesen Unsinn auch noch abzufeiern. Absolut peinlich, Bild! 🙁

  4. Was zu beweisen war: Das wichtigste Anliegen jeder „Bild“-Ausgabe ist es, Öffentlichkeitsarbeit für „Bild“ zu machen. Mit Journalismus hat es so viel zu tun, wie ein Werbeprospekt mit unabhängiger Information.

  5. Meedia’s Mutter Handelsblatt hatte dagen zum privaten Kauf von griechischen Staatsanleihen geraten bzw. eine Kampagne draus gemacht.

    Wobei auch BILD es bei Alibi-Kritik belässt, das totale Polit und Regierungsversagen in der Europolitik wird Deutschland absehbar vierstellige Milliardenbeträge kosten und zu herben und in der Bundesrepublik ungekannten Wohlstandsverlusten führen, aber immer schön auf die AFD draufhauen.

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