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Internes MDS-Schreiben wirft Fragen zur Zukunft der Berliner Zeitung auf

Christoph Bauer, Vorstand von M. DuMont Schauberg.
Christoph Bauer, Vorstand von M. DuMont Schauberg.

Das DuMont'sche Zukunftsmodell nimmt Formen an. Neben der "Digitalen Transformation" der Redaktionen baut CEO Christoph Bauer auf die Säulen Fach- und Regionalmedien. Ein internes Schreiben wirft allerdings die Frage auf, ob und wie MDS mit der Berliner Zeitung plant.

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Für den Weg in die Zukunft will Vorstand Christoph Bauer sein Unternehmen entschlacken. In den vergangenen Monaten wurde bereits an mehreren Stellen rationalisiert, Unternehmensbereiche wurden zentralisiert und ausgegliedert. Bauer hat viele Baustellen. Das regionale Tageszeitungsgeschäft, Fachmedien wie der Bundesanzeiger und das Digitale sollen seinen Verlag in Zukunft tragen.

Zentralisiert wurden und werden Aufgabengebiete, die bisher jeder Standort für sich verwaltet hat. Aufgeteilt in Medienservices, Managementservices, dessen Dienste auch für Externe angeboten werden, sowie Druck (MEEDIA berichtete hier und hier). Bauer erreicht somit den Abbau von Mehrfachstrukturen (MEEDIA berichtete) und entflechtet gleichzeitig seine Medienmarken, die zukünftig unter Medienhaus DuMont Rheinland (Express, Kölner Stadt Anzeiger), Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung und Mediengruppe Berliner Verlag (Berliner Kurier, Berliner Zeitung) firmieren. Nebenher läuft der Hamburger Morgenpost Verlag, den MDS ebenfalls zurechtstutzt.

Die Umstrukturierungen im Kölner Medienhaus sorgen nicht zuletzt für Unsicherheiten bei der Belegschaft. MEEDIA liegt nun ein mehr als 30 Seiten langes Kommunikationspapier (Stand September 2014) vor, das Sprechern Antworten auf eventuell entstehende Fragen zum Zukunftsprogramm „Perspektive Wachstum“ an die Hand gibt.

MDS weicht Frage nach Zukunft der Berliner Zeitung aus

In einem eigenen Abschnitt gehen Bauer und Kollegen auf die Situation des Berliner Verlages ein. Auch dort gehe es um „einfachere und überschaubarere Strukturen“. Schaffen will man diese nicht nur mit der Bündelung von Verwaltungsaufgaben, sondern auch mit der Ausgründung der Redaktionen, wie DuMont erklärt. „Der aktuelle Schritt ist die Ausgliederung der Redaktion des Berliner Kuriers in eine eigene Gesellschaft“. Dies erfolge „aus Gründen der gesellschaftsrechtlichen Vereinfachung der Strukturen in der Mediengruppe Berliner Verlag“. Was genau dies bedeutet, erklärt DuMont im Papier nicht. Gegenüber MEEDIA nimmt der Verlag dazu auf Anfrage keine Stellung.

Informiert wird hingegen, dass der Fortbestand des Berliner Kuriers im DuMont-Reich geplant ist. Auf die Frage nach einem Verkauf des Berliner Kurier antwortet MDS in einem Satz, dass es keine solche Pläne oder „konkrete Gespräche“ gebe. Eine völlig andere Antwort steht bei der gleichen Frage für die Berliner Zeitung. Hier weicht MDS aus:

Sie wissen, dass die Berliner Marktlage sehr schwierig ist. Darum muss ein unternehmerisch agierendes Medienhaus sich der Frage stellen, wie man im Berliner Markt auf die bestehenden Herausforderungen reagieren kann und muss.

Weiter wird mit dem Mindestlohn argumentiert:

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Aus diesem Grund sind die Tageszeitungsverlage in Berlin in konkreten Gesprächen darüber, wie im Zustellungsbereich auf die Einführung des Mindestlohns reagiert werden kann.

Ob ein Verkauf der Zeitung geprüft wird, beantwortet das Dokument nicht. MDS-Sprecher Björn Schmidt gegenüber MEEDIA: „Es gibt keinerlei Überlegungen für einen Verkauf.“ Und weiter: „Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt, dass die Steuerung und auch das Controlling innerhalb der Mediengruppe Berliner Verlag durch die gewachsene gesellschaftsrechtliche Organisationsstruktur kompliziert und komplex ist. Hierfür hatte es sogar seitens des Betriebsrats wiederholt die Forderung nach einfacheren Strukturen gegeben.“ Innerhalb der Mediengruppe Berliner Verlag seien nun der Lesermarkt, Werbemarkt und die beiden Redaktionen jeweils in eigenständige Gesellschaften geführt worden. „Was beim Kurier geschehen ist, gilt auch für die Berliner Zeitung. Sie ist einzig verbliebener Bestandteil des Berliner Verlag.“

Die Berliner Zeitung ist mit ihrer Auflage von 114.417 Exemplaren (IVW 3/14) vor allem eine Abonnement-Zeitung. Die (Nicht-)Beantwortung muss wohl so gedeutet werden, dass der Mindestlohn – der für Zeitungszusteller erst 2017 kommt, sofern bis dahin kein eigener Tarif geschlossen wird – die Zeitung so stark belasten würde, dass nach Lösungen gesucht werden muss. Die Berliner Zeitung wird bereits in einem Joint Venture (BZV) von MDS, Tagesspiegel und der Funke Mediengruppe vertrieben.

Zwar schreibt die Geschäftsführung in ihrem Fragen-Antworten-Katalog von einem „Bekenntnis zu einer starken Berliner Zeitung“. Aber auch davon, dass es „konkrete Gespräche“ gibt, „wie wir durch eine Vertiefung der Kooperation und eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit der Berliner Medienhäuser innerhalb der BZV eine Situation schaffen können, die es uns erlaubt, die Mehrkosten der Einführung des Mindestlohns weitgehend auffangen zu können.“ Verkauf nein, weitergehende Kooperationen ja. So könnte man den derzeitigen Stand in Sachen Berliner Zeitung vielleicht zusammenfassen.

Sorgenkind Hamburger Morgenpost

Nach der mittlerweile wegen Insolvenz abgestoßenen Frankfurter Rundschau bereitet auch die 2009 übernommene Hamburger Morgenpost Sorgen. „Die aktuelle wirtschaftliche Situation der Morgenpost Verlags GmbH ist von deutlichen Verlusten im Anzeigenbereich gekennzeichnet“, schreibt MDS. Gleichzeitig schwindet die Auflage. Weiter formuliert MDS: „Gelingen Kostenreduzierung, Restrukturierung und die Ausrichtung auf das Digitalgeschäft, kann die Hamburger Morgenpost von unserem Zukunftsprogramm Perspektive Wachstum profitieren.“ Was beim Gegenteil die Konsequenz wäre, skizziert die Mediengruppe nicht.

Wie dringend DuMont Schauberg seine Strategie umsetzen muss, machen die Gewinnerwartungen des Vorstandes deutlich. Nachdem MDS 2013 wieder mit einem leichten Plus abschließen konnte, rechnet das Unternehmen nach MEEDIA-Infos für das eben abgeschlossene Geschäftsjahr wieder mit einem leicht negativem Jahresergebnis. Der Verlag bleibt in Bewegung.

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