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So lacht das Web über Lügenbaron Brian Williams

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Da nahm es wohl jemand nicht ganz so genau mit seiner Vergangenheit: Dumm nur, wenn dieser Jemand der beliebteste und meistrespektierte News-Anchor Amerikas ist. NBC-Starmoderator Brian Williams wurden Münchhausen-hafte Heldensagen im Irak-Krieg und beim Hurrikan Katrina nun zum Verhängnis – das Social Web hat unterdessen wieder ein gefundenes Fressen.

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Man kann sich Brian Williams als den Inbegriff eines smarten Nachrichtenmanns des späten 20. Jahrhunderts vorstellen – kantiges Kinn, Zähne wie aus dem Prospekt eines Luxus-Dentalchirurgen, ein Scheitel wie aus einem Robert Redford-Film, ein Lächeln wie ein fleischgewordenes Pokerface.

So beginnt etwa das bis dato erste TV-Interview mit Apple-Chef Tim Cook auf dem Höhepunkt der Börsenkrise Ende 2012 mit dem bedeutungsschwangeren Satz in Richtung des Nachfolgers von Steve Jobs: „Niemand erinnert sich an den Mann, der nach Thomas Edison kam.“ Er moderiert die prestigeträchtigen TV-Debatten zur US-Präsidentschaft. Und er bekommt als erster Journalist der Welt ein TV-Interview mit Edward Snowden in Moskau nach seinem Asyl in Russland.

Legendenbildung: Als „Embedded Journalist“ im Irak unter Beschuss

Williams ist das Aushängeschild des US-Nachrichtensenders: smart, in der Sache hart – aber stets ein Gentlemen. So sah er bis vergangene Woche in der Hauptnachrichtensendung „Nightly News“ aus. Nun muss sich der 55-Jährige mit einem neuen Attribut herumschlagen, das indes um einiges weniger schmeichelhaft ausfällt: das eines Lügenbarons.

Wie in der vergangenen Woche herauskam, nahm es Williams bei einer Schilderung einer Heldengeschichte aus dem Irak-Krieg 2003 nicht so genau.  Als „Embedded Journalist“ sei er mit einem Transporthubschrauber (Chinook Helikopter) mitgeflogen und unter schweren Beschuss geraten. „Wir haben es irgendwie hinbekommen zu landen“, brüstete sich Williams gegenüber David Lettermann mit der Heroen-Saga.

US-Soldaten beenden Heldenepos: „Sorry Dude! Erinnere mich nicht, dass Du an Bord meines Helikopters warst“

Am 31. Januar setzte Williams dann einen verhängnisvollen Facebook-Post zu jenem Thema ab: Wie er den Soldaten Tim Terpack bei einem Hockeyspiel wiedertraf, der damals im Niemandsland vom Irak weit hinter den eigenen Linien Williams Sicherheit gewährleistete. „Sorry Dude! Ich erinnere mich nicht, dass Du an Bord meines Helikopters warst“, stellt der Soldat Lance Reynolds Williams bloß.

Der Pilot Chris Simone lässt den Tathergang dann noch klarer erscheinen: „So ein Lügner! Ich war der Pilot der Chinook, die Williams während der Invasion in den Irak geflogen hat. Er war an Bord meiner Maschine und wir wurden NICHT abgeschossen.“

Auszeit von „Nightly News“-Moderation, NBC leitet Untersuchung ein

Was folgte, war absehbar: Williams ruderte zurück. Doch es war nicht Williams einziger Verdreher von Fakt und Fiktion: Auch seine Kommentare zum Hurrikan Katrina, als der NBC-Moderator Leichen an seinem Hotelfenster hat vorbeischwimmen sehen, klingt dramatischer als die Realität offenbart – im Hotel, in dem sich Williams aufhielt, war das Wasser nämlich gar nicht so weit vorgedrungen.

Seit dem Wochenende kämpft der 55-jährige Starjournalist nun darum, was noch von seiner glamourösen Karriere übrig geblieben ist.  NBC-Legende Tom Brokaw, von dem Williams vor zehn Jahren die „Nightly News“ erbte, ging bereits sichtbar auf Distanz. NBC leite eine interne Untersuchung ein – und setzte Williams Moderation der Primetime-Nachrichten bis auf weiteres aus. Williams befinde sich offiziell in einer Auszeit.

Ob der New Yorker bei NBC noch einmal zurückkommt?  Unklar. Das Web beschäftigt sich vorhersehbarerweise unterdessen mit einer anderen Frage: Bei welchem historischen Ereignis war Brian Williams eigentlich noch dabei? Unter dem Meme #BrianWilliamsmisrembers geht die Legendenbildung auf Twitter viral weiter…

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