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Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz beim Abkupfern aus dem Internet erwischt

Auch große Geister, machen sich die Arbeit manchmal ein wenig zu leicht. Der renommierte Autor, Cartoonist und Ingeborg-Bachmann Preisträger Tex Rubinowitz wurde erwischt, dass er sich für einen Text für das SZ Magazin ein wenig zu großzügig und leichtfertig beim Feuilleton-Blog "Der Umblätterer" und der Wikipedia bedient hat. Immerhin: Der Künstler zeigt Reue.

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Es geht um den Artikel „Der Mozart unter den Texten“ von Tex Rubinowitz, erschienen im SZ Magazin Nummer 5/2105. Im Text setzt sich Rubinowitz mit dem allseits beliebten Stilmittel der Vossianischen Antonomasie auseinander. Eine solche liegt vor, wenn jemand schreibt, der so und so sei der so und so des so und so. Billig und unwitzig etwa: Der Montblanc ist der Mercedes unter den Füllfederhaltern. Oder Andrea Berg ist die Helene Fischer des RTL-II-Programms.

Seinen SZ-Magazin-Text garnierte Rubinowitz mit deutlich lustigeren Antonomasien. Etwa: „der Lionel Messi der Grill-Modelle“ oder „der Helmut Kohl unter den Brotaufstrichen“. Blöd nur: Die lustige Antonomasie-Sammlung hatte der Autor zu einem großen Teil bei dem Feuilleton-Blog „Der Umblätterer“ abgeschrieben. Dort gibt es seit 2009 eine Rubrik mit Namen „Vossianische Antonomasien“, die besonders lustige und absurde Vertreter der Gattung sammelt. Nun sind die crazy Vergleiche auch nicht auf dem Mist der Umblätterer-Leute gewachsen – sie haben sie aber gesammelt und korrekt mit Quellenangaben versehen. Rubinowitz verwies in seinem SZ-Magazin-Text lediglich darauf, dass die Formulierungen „genau so in der Zeitung oder online“ standen. Es wurde der Eindruck erweckt, der Meister selbst habe hier womöglich tagelang in Archiven gestöbert, während in Wahrheit nur ein Archiv reichte, nämlich das Online-Archiv des Umblätterers. Wie der Umblätterer bemerkt:

Ziemlich dreiste Quellenverschleierung à la Guttenberg, ein besonders schöner Fall von »Quelle: Internet«.

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Es geht noch peinlicher: Den Definitionstext zu Vossianischen Antonomasien hat der Bachmann-Preisträger Rubinowitz fast wortwörtlich aus der Wikipedia übernommen. Mildernde Umstände bei diesem akuten Fall von Abschreiberitis gebühren ihm nur, weil er in den Kommentaren beim Umblätterer seinen „Raubzug“ unumwunden zugibt und sich angemessen zerknirscht zeigt:

Ok, es wäre ein leichtes, das Dach zu benennen, unter denen das gesammelt wurde, aber so weit ging mein Spatzenhirn nicht, und dafür haben Sie mir ja jetzt den schönen Vergleich mit Guttenberg auf die Stirn tätowiert. Mit zerknitterten Grüßen, TR

Mittlerweile  wurde in der Online-Version des Rubinowitz-Artikels ein Verweis auf den Umblätterer eingefügt, „TR“ hat den Bloggern angeboten, sein Honorar zu teilen und der Umblätterer hat Tex Rubinowitz mit der Vossianischen Antonomasie „der  Guttenberg des Feuilletons“ ge(t)adelt. Alles ist wieder gut.

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Alle Kommentare

  1. Rubinowitz‘ Zerknirschung war nur vorübergehend. Inzwischen reut ihn seine Reue wieder. Der „Kleinen Zeitung“ sagte er (19.2.): „das war ja kein richtiges Plagiieren, diese Vergleiche sind ja auch nicht auf dem Mist der Blogbetreiber gewachsen, sie haben sie sich ja auch zusammengeklaut. (…) Ich glaub, die haben sich nur aufgeregt, damit man sie auch mal wieder wahrnimmt.“

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