Die nutzlose Reichweite von Google und Facebook: „Digitaler Tsunami“-Autor Nicolas Clasen über Publisher im Teufelskreis

Nicolas Clasen, Berater und Autor von „Der Digitale Tsunami“
Nicolas Clasen, Berater und Autor von "Der Digitale Tsunami"

Publishing Vor rund einem Jahr veröffentlichte der Berater Nicolas Clasen das viel beachtete Buch "Der Digitale Tsunami - Das Innovators Dilemma der traditionellen Medienunternehmen oder wie Google, Amazon, Apple & Co. den Medienmarkt auf den Kopf stellen". Die Thesen im Buch waren dazu angetan, in den Chef-Etagen von Print- und TV-Häusern die Alarmglocken schrillen zu lassen. MEEDIA hat Clasen zum Interview getroffen, um den Tsunami-Thesen ein Update zu verpassen. Es zeigt sich: Die Gefahr ist längst nicht gebannt.

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Rund ein Jahr ist seit der Veröffentlichung von „Der Digitale Tsunami“ vergangen. War der Tsunami schon da oder kommt er noch?

Nicolas Clasen: Ich glaube, die Welle zieht sich noch zurück. Das Wasser fließt noch ab und Alle laufen hin und gucken. Manche denken vielleicht sogar: Prima, da ist ja jetzt Platz, da können wir ja jetzt ’ne Beach-Bude oder ein Volleyballfeld hinbauen.

Eine Kern-Thesen in Ihrem Buch war, dass Online-Werbung sich ändern muss, um als Image-Werbung zu funktionieren – viel hat sich in dieser Beziehung nicht getan, wenn man sich deutsche Websites anschaut.

Nein. Es gibt nämlich koch kein digitales Medien-Produkt, das auch nur ansatzweise so gut funktioniert wie Print einmal funktioniert hat und TV noch funktioniert.

Aber es gibt auch keine Ansätze, dass in Richtung digitaler Image-Werbung experimentiert wird …

Doch: YouTube und Facebook machen das sehr stark. Facebook hat beispielsweise im Sommer 2014 einen 500-Millionen-Dollar-Deal mit dem Agenturnetzwerk Publicis abgeschlossen, bei dem noch nicht einmal feststeht, wie die Werbeform aussehen wird. Die Agentur hat nur gesagt: Lasst uns zusammen Formate entwickeln, mit der wir die Leute nicht nerven und online ein Marken-Image aufbauen können.

Und was ist mit Google?

Onlinewerbung und vor allem Google lebt bisher vor allem von Abverkaufs-Budgets. Da ist es völlig egal, wie die Werbung aussieht. Wenn einer draufklickt und hinterher Etwas kauft, dann ist alles gut. Das ist aber nur für Unternehmen interessant, die im Internet tatsächlich ein Produkt verkaufen.

Google scheffelt online das meiste Geld …

Kurz vor dem Kauf-Prozess funktionieren die Google-Ads sehr gut. Bis es zu einer Transaktion mit Hilfe von Google kommt, befinden sie sich da aber schon sehr weit hinten im Marketing-Prozess. Wenn ein Kunde beispielsweise bei Google nach Adidas-Schuhen sucht, auf eine Werbung klickt und dann bei Zalando ein paar Adidas-Schuhe für 80 Euro kauft, dann kann Zalando für den Verkauf der Schuhe nicht mehr als – sagen wir mal –  zwei Euro von seiner Händlermarge für Werbung ausgeben. Der Aufbau und die Bekanntmachung der Marke Adidas, die letztendlich zur Kaufentscheidung des Kunden geführt hat, haben aber bereits vorher stattgefunden, meist über TV & Print. Hierhin fließt bis heute noch das meiste Werbegeld. Für Google sind aber auch zwei Euro lukrativ, weil sie so gut wie keine Kosten für Inhalte-Erstellung haben und weltweit skalieren.

Was bedeutet das für Medien-Unternehmen?

Nun, für einen TKP von zwei Euro kann ich als Verlag keinen Journalisten losschicken, der eine lange, tolle Reportage schreibt. Darum können die Medienhäuser nicht mit Google konkurrieren. Auf Seite der Medienhäuser sind die Kosten für die Inhalte-Erstellung nämlich nicht nahezu Null wie bei Google. Derzeit ist es so, dass die Medienhäuser die hohen Fixkosten für Inhalte-Erstellung haben, auf der Erlösseite aber nur digitale Werbe-Einnahmen wie im Abverkauf erzielen können. Guten, teuren Content kann ich aber nur produzieren, wenn ich mindestens zweistellige TKPs erlöse. Einen solch hohen Durchschnitts-TKP kann ich wiederum nur mit Brand-Werbung erzielen, nicht über Abverkaufswerbung.

„Die Abhängikeit der Publisher von Facebook steigt“

Vielen Print-und TV-Häusern geht aber immer noch sehr gut, es werden hohe Gewinne mit traditionellen Medien erwirtschaftet.

Weil das große Werbe-Geld immer noch im TV und auch im Print steckt. Weil da noch die Brand-Werbung stattfindet und die Marken aufgebaut werden, die später über Google verkauft werden. Die Digitalfirmen wollen an diese Töpfe aber auch ran. Darum verwandelt sich Facebook gerade in einen Newsreader. Das Netzwerk öffnet sich komplett für Inhalte. Professioneller Content wird vom Facebook-Algorithmus mittlerweile gegenüber persönlichen Status-Meldungen der Nutzer bevorzugt. Damit schafft Facebook ein hochwertiges Themen-Umfeld für Werbekunden, die Image-Werbung machen wollen. Gleichzeit steigt die Abhängigkeit der Publisher von Facebook.

Facebook bringt Medien doch viel Reichweite. Was ist schlecht daran?

Was wollen sie mit der ganzen Reichweite, die von Google und Facebook kommt, wenn sie damit in der eigenen Vermarktung nur Durchschnitts-TKPs von wenigen Euro erzielen können? Die ganze Reichweite ist verschenkt. Sie können mit dem Traffic nichts anfangen. Sie bekommen von Google und Facebook Traffic, den sie nicht monetarisieren können. Weil Facebook die Publisher-Inhalte bevorzugt, steigt die Bedeutung von Facebook für die Reichweite der Publisher. Letztlich macht Facebook das aber nicht, um den Publishern zu helfen, sondern um selbst Anzeigen verkaufen zu können. Facebook schafft Abhängigkeiten und zielt gleichzeitig auf dieselben Werbekunden wie die Publisher. Das ist für Publisher ein Teufelskreis. Facebook kann die Werbung zudem viel zielgruppengenauer ausspielen als ein Verlag, der kaum Nutzer-Daten hat.

Woher kommt die Fixierung vieler Medien auf die Reichweite?

Etablierte Medienunternehmen machen den Fehler zu glauben, Online-Reichweite sei so etwas Ähnliches wie Print-Auflagen. Bei Print-Auflagen ist es immer gut fürs Geschäft, wenn sie steigen – das bedeutet höhere Bezahl- und Werbe-Einnahmen. Wenn die Online-Reichweiten steigen, hat das aber nicht unbedingt höhere Einnahmen zur Folge. Oder nur ganz unwesentlich höhere Einnahmen, die die teure Inhalte-Herstellung nicht mehr decken.

„Brand-Werbung aus Print und TV absaugen“

Google verdient aber viel mehr als Facebook, darum schauen die Verleger auch alle auf Google und wollen ein Stück vom Kuchen abhaben.

Facebook ist für Verlage potenziell viel gefährlicher. Facebook hat eine genauso hohe Reichweite wie Google, macht aber nur ein Zehntel des Umsatzes. Das bedeutet, Facebook hat sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft, während Google heute schon an Wachstumsgrenzen stößt. Pro Nutzer erwirtschaftete  Facebook 2013 ungefähr fünf Dollar pro Jahr, Google lag dagegen bei etwa 45 Dollar pro Jahr pro Nutzer. TV-Sender erlösen etwa 50 Dollar und Printverlage um die 60 Dollar, jeweils pro Nutzer pro Jahr. Buzzfeed lag 2013 sogar nur bei 0,3 Dollar Umsatz pro Nutzer pro Jahr. Das ist auch der Grund, warum Print so tief fällt. Die Margen bei Print waren einfach die mit Abstand höchsten, weil die Umsätze sowohl durch teure Bezahl-Inhalte als auch durch teure Brand-Werbung erzielt wurden. Google ist bislang das einzige digitale Unternehmen, das es geschafft hat, in diese Rendite-Sphären vorzustoßen. Aber Facebook und Buzzfeed setzen alles daran, da auch hinzukommen. Deren Ziel ist es, den Umsatz pro Nutzer zu steigern. Und das wird ihnen nur gelingen, wenn sie die Brand-Werbung aus TV und Print absaugen.

Wie das?

Wir haben zwei Welten, die derzeit parallel existieren: Da ist einmal die Offline-Welt der Legacy-Medien, also Print und TV mit teuer produzierten Inhalten und hohen TKPs für Brand-Werbung, aber ohne Rückkanal und ohne direkte Messbarkeit. Und wir haben die neue digitale Google-Welt mit Abverkaufswerbung und direkter Messbarkeit von Werbeerfolg und Userreaktion, aber bisher sehr niedrigen TKPs und günstig produzierten Inhalten. Nun verschmelzen diese beiden Welten. Wenn es digitale Werbe-Formate gibt, die in hochwertigen Inhalteumfeldern ausgeliefert werden und sich gleichzeitig messbar für Marken-Bildung und Image eignen, dann habe ich ein digitales Ökosystem, das sehr viel besser und billiger ist als herkömmliche TV- und Print-Werbung. Dann fängt der Tsunami wirklich an zu rollen.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit es soweit kommt?

Die Frage ist: Wie kann ich die Wirkung von digitalen Brand-Kampagnen messen? Ein Ansatz ist TrueView von YouTube. Der Kunde zahlt dort nur, wenn der Spot vom Nutzer freiwillig bis zum Ende angeschaut wird. Das ist die Übersetzung des Klicks auf Brand-Werbung. Wenn ich den Spot nach fünf Sekunden wegklicken kann, sind nach fünf Sekunden Alle weg, die das nicht interessiert. Gezahlt wird nur für diejenigen, die sich einen Spot freiwillig bis zum Ende anschauen. Das ist der Heilige Gral für die Werbe-Industrie.

Muss sich Werbung auch inhaltlich verändern?

Werbung muss wesentlich besser werden. Die Zeiten des Holzhammers sind vorbei.

Wie könnte bessere Werbung in digitalen Medien denn aussehen?

Werbung darf nicht nerven, sondern muss unterhalten, begeistern, verführen, anregen, gerade in einem digitalen Medium, in dem ich die Userreaktion direkt messen kann. Also gute, unterhaltsame Spot, schöne Anzeigenmotive oder die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt. Dann ist Werbung Information oder Unterhaltung und das sind die beiden Gründe, warum Menschen überhaupt Medien nutzen.

„Native Advertising ist nicht das Ende der Fahnenstange“

Welche Rolle spielen so genannte neue Medienunternehmen wie Buzzfeed?

Alle Verlage schauen auf Buzzfeed und versuchen deren Konzept für Native Advertising zu adaptieren. Dabei ist Buzzfeed ist gerade dabei, sich zur Content-Marke zu wandeln, sich zu professionalisieren, Journalisten einzustellen. Das wird Werbekunden anziehen. Native Advertising in Form von lustigen Listen ist nicht das Ende der Fahnenstange, sondern nur eine Zwischenstufe. Buzzfeed bewegt sich, was die Qualität der Inhalte angeht, erkennbar nach oben, um künftig höhere TKPs erzielen zu können. Und was machen die Verlage, die bereits die höchsten TKPs haben? Sie bewegen sich nach unten, kopieren die Viral-Methoden von Buzzfeed, um noch mehr Reichweite anzuhäufen, die ihnen nichts bringt.

Was halten Sie generell von Native Advertising?

Native Advertising muss nicht automatisch bedeuten, ich bezahle Journalisten, die irgendwelche Gefälligkeitsartikel schreiben. Native Advertising könnte auch bedeuten, ich mache Werbeformate, die nicht stören, die interessant sind und von Nutzern gerne angesehen werden. Viele Viralspots gehen bereits diesen Weg. Oder schauen Sie sich ein Männer- oder Frauen-Modemagazin an. Da sind die ersten zehn Seiten Werbung für Prada, Gucci und Co. Das ist doch auch Content. Wenn ich auf dem Sofa sitze, konsumiere ich gut gemachte Mode-Werbung genauso wie die redaktionelle Mode-Fotostrecke. Native Advertising ist letztlich nichts anderes als gut gemachte Werbung. Schlechtes Native Advertising sind gekaufte Artikel, die die Glaubwürdigkeit eines Mediums komplett zerstören. Damit verbaue ich mir auch den Weg für Paid Content. Wer das macht, kann am Ende noch froh sein, wenn Leser das gerade noch als Gratis-Inhalt akzeptieren. Aber niemand wird dafür bezahlen wollen. In dem Moment, wo ein Medium seine Glaubwürdigkeit aufweicht, ist das der Tod.

Sind Werbung und Paid Content Ihrer Meinung nach sich ausschließende Geschäftsmodelle?

Überhaupt nicht. Man muss es nur richtig machen. Wenn Jemand bereit ist, für einen Inhalt zu bezahlen, dann garantiert das eine hohe Wertigkeit der Zielgruppe und das ist dann wiederum auch für Werbekunden interessant. Die Verlage müssen endlich anfangen, ihre Leser auch im Digitalen zu überzeugen, dass es sich lohnt, Geld auszugeben. Einfach nur ein PDF der Zeitung oder Zeitschrift online zu stellen reicht nicht aus! Erst wenn dies gelingt, kann man zu Werbekunden gehen und auch wieder hochwertige Werbung für teures Geld verkaufen. Zuerst kommt der Inhalt, dann der Nutzer, dann die Werbung. Das ist die Reihenfolge.

Wie sind deutsche Verlage aufgestellt?

Hubert Burda hat auf dem DLD gesagt, das Verlegermodell und Paid Content würden im Internet nicht funktionieren. Bild-Chef Kai Diekmann konterte via Twitter und verwies auf 250.000 zahlende Digital-Leser, die Bild.de mittlerweile hat.

Was ist also geschehen, seit „Der Digitale Tsunami“ veröffentlicht wurde? Ich würde sagen: Die Player haben sich auf dem hiesigen Markt stärker positioniert. Burda setzt im Digital Publishing voll auf Werbung und verbaut sich damit den Weg zum Paid Content. Springer-CEO Mathias Döpfner wählte einen anderen Weg. Er konsolidierte mit dem Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften an Funke das Print-Geschäft, setzt journalistisch mit Bild und Welt nur noch auf zwei starke Marken und investiert vor allem online in die Inhalte-Erstellung. Die Burda-Strategie ist exakt, wie es Clayton Christensen in „The Innovators Dilemma“ für etablierte Unternehmen beschreibt: der Rückzug aufs Stammgeschäft. Burda zieht sich publizistisch auf Print zurück, weil das noch mehr Geld verdient wird. Online investiert das Unternehmen vor allem in Transaktionsgeschäfte und Social Networks. Das ist aber extrem gefährlich, denn über kurz oder lang bekommen es Xing und HolidayCheck mit LinkedIn und  TripAdvisor zu tun, die noch nicht einmal angefangen haben, den deutschen Markt richtig aufzurollen. Springer geht anders vor – die haben eine publizistische Strategie entwickelt, um sich den disruptiven Prozessen anzupassen.

 Und wann kommt denn nun der Tsunami?

Die Werbeausgaben in Print gehen derzeit zurück, dem TV laufen die jüngeren Zielgruppen weg. Die Welle zieht sich – wie eingangs gesagt – noch zurück. Fünf bis zehn Jahre geht das vielleicht noch so weiter. Disruptive Prozesse können sich über lange Zeiträume entwickeln. Trotzdem enden sie irgendwann mit dem gleichen Ergebnis: Nämlich dass alte, etablierte Unternehmen verdrängt werden und neue Unternehmen übernehmen. Das wäre dann ein Slow-Motion Tsunami. Aber nichtsdestotrotz ein Tsunami.

Nicolas Clasen arbeitet als strategischer Berater mit seiner Firma Digicas in München. Sein Buch „Der Digitale Tsunami – Das Innovators Dilemma der traditionellen Medienunternehmen oder wie Google, Amazon, Apple & Co. den Medienmarkt auf den Kopf stellen“ ist u.a. hier erhältlich.

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Alle Kommentare

  1. Habe ich da vielleicht einen kleinen Rechenfehler gelesen?
    Wenn Google von Zalando pro Click 2 Euro kassiert, dann ist das ein TKP von 2 000 Euros und nicht von 2 Euros. (wobei cpc nicht so richtig mit dem TKP vergleichbar ist) Für einen TKP von 2000 Euros könnten Printmedien sehr gut Journalisten losschicken….

    1. War vielleicht etwas missverständlich formuliert – die 2 EUR sind im Beispiel das Marketingbudget pro Verkauf, also der CPX oder Cost per Conversion. Daraus ergibt sich je nach Conversionrate einer Website der CPC oder TKP.

    2. Die 2 EUR sind selbstverständlich als kumullierte Opportunitätskosten in Bezug auf die Transaktion zu betrachten (2 EUR pro Click steht da nicht). Bei angenommener Conversion von 5% _aller_ Clicks auf die Google-Anzeige des Adidas-Schuhs also 0,1 EUR pro Click auf die Anzeige. TKP lässt sich aus diesem Modell ohnehin nur unzureichend ableiten.

  2. „Google verdient aber viel mehr wie Facebook, darum schauen die Verleger auch alle auf Google und wollen ein Stück vom Kuchen abhaben.“

    ALS! ALS! Bitte, es muss als heißen.

  3. Interessant dabei scheint doch zu sein, dass beide Modelle, sprich weder die „Paywall-Variante“, noch die Version „Fokussierung-auf-das-Kerngeschäft“, langfristig wirklich funktionieren werden. 250.000 digitale Bild-Abos als Triumph feiern? Das sind grob geschätzt 10 Mio. Umsatz brutto p.a.. Dem steht innerhalb nur eines Jahres ein Verlust von rund 5 Mio. gedruckten Exemplaren pro Monat gegenüber, inklusive der sich daraus ergebenden Erosion von Vertriebs- und Anzeigenumsätzen. Printmarken digital darstellen und von den dort generierten Werbeeinnahmen leben? Das wird nur durch bessere targeting funktionieren und hierfür fehlen den Verlagen originär die hierfür notwendigen Userdaten, über die wiederum Facebook, Amazon, Xing & Co. verfügen. Ergo wird am Ende vielleicht der „Schwanz mit dem Hund“ wedeln und die Verlage werden ihre journalistische Kompetenz und ihre starken Marken als Juniorpartner den großen weltweit agierenden Webmarken andienen müssen. Keine angenehme, für mich persönlich sogar eine beängstigende Vorstellung, aber wenn man die Thesen von Nicolas Clasen zu Ende denkt, vielleicht die drohende Zukunft.

  4. Gutes Interview, gute Standpunkte von Herrn Clasen. Allerdings verrät er ebensowenig wie all die anderen Verlagsberater (ob professionell oder selbsternannt), wie intelligente digitale Lösungen abseits von ePaper und Website/Portal aussehen. Multimediale Tablet-Magazine sind ebenso gescheitert wie Paywall Lösungen für Tageszeitungen oder auch News-Aggregatoren a là Flipboard oder News Republic, wenn es darum geht, sich auch nur ansatzweise mit den Erlösen zu vergleichen.
    Dass Facebook 500 Mio in die Entwicklung von neuen Werbeformen investieren kann, deutsche Medienhäuser jedoch nicht, liegt am Unterschied der Kapitalmärkte und wiegt schwerer als nur der Mangel an publizistischen Digitalformen.

    1. This. Man sollte nach Kritik auch immer Verbesserungsvorschläge parat haben, ansonsten läuft die berechtigte Kritik ins Leere.

  5. guten morgen,
    vielen Dank für das interessante Interview. Zuerst: auch vielen Dank für die zahlreichen Kommentare der Foristen – das sagt ja auch etwas über die Nutzung moderner Medien aus.

    Herr Clasen hat recht mit dem nutzlosem Content über Google und Facebook etc. Wer alle Artikel in Google News finden lässt verbessert nur die Umsatzchance von Google! Artikel sperren! Was erwartet mich, wenn ich so zu einem Artikel komme? Banner von der Resterampe. Finde ich was ich suchte? Meist nicht, da die Artikel für Google mit anderen Keywords wirbt, als letztendlich im Inhalt steht. Man sollte den Spieß umdrehen: Google muss anfragen, ob das Medium einen Artikel in Google News einstellen möchte. LSR mal andersrum!

    Noch was von einem Print-Abonennten: Liebe old School Verlage, ihr habt doch Userdatren, sogar ganz harte. Bitte nutzt diese auch für interessante Angebote! Nicht nur für einen Toaster, wenn ich einen neuen Abonennten werbe.

    Schönen Tag noch und weiter so!

  6. Ich finde weiterhin jede Art von Werbung nervig bis widerlich.
    Es hat sich nichts geändert, Werbung ist und bleibt eine Zumutung.
    In Print blättere ich weiter, im TV zappe ich, Radio mit Werbung wird gleich komplett ignoriert, im Web benutze ich Werbefilter.
    Wer für sein Produkt Werbung machen muss, hat das falsche Produkt.
    Niemand zwingt Medienmachern, ihre Inhalte gratis ins Netz zu stellen. Niemand hat was zu verschenken. Wenn ihr mit euren Inhalten keine Gewinne erzielt, dann lasst es doch bleiben. Irgendwann werden die Menschen merken, dass die abnehmende Qualität in der Berichterstattung nicht mehr hinzunehmen ist und sie werden im Rahmen von Abos oder Pay-per-Read wieder bereit sein, für journalistische Qualität zu zahlen. Ausgerechnet die BILD macht es vor.
    Ihr Werbefuzzis seid die Parias der Dienstleister, ich will mit euch nichts zu tun haben, weder als Auftraggeber noch als Konsumenten.

  7. Klar: Firmen müssen mitteilen, wenn sie ein neues Produkt haben. Deshalb wird es Werbung immer geben. Angesichts des Umfanges von Werbung wundert es jedoch nicht, dass Consumer nur noch genervt sind und jegliche Werbung verbannen. Werbung wird immer teurer und bringt immer weniger.

    Die neue Richtung: Kompetenz statt Selbstbeweihräucherung!

    Pressearbeit macht bekannt, verbessert das Image und schafft Vertrauen bei der Zielgruppe. Mit interessanten Fachartikeln bieten Unternehmen Kunden einen Mehrwert, der zur Image-Bildung beiträgt und sie positiv vom Wettbewerb unterscheidet. Ist ein Unternehmen in der Öffentlichkeit präsent und wird es als sympathisch wahrgenommen, verkaufen sich Produkte und Dienstleistungen wie von allein.
    Themen fachlich korrekt, verständlich und WERBEFREI zu kommunizieren, ist eine Herausforderung, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Profis leisten hier gute Dienste und mit kleinen Kampagnen ist das sogar zu Preisen weniger als eine Werbeanzeige in der Zeitung möglich.

    Herzliche Grüße aus Würzburg
    Sylke Zegenhagen
    Gruenderplan24.de/agentur

  8. Publisher bekommen nur 2 Euro pro TKP? Die richtigen Publisher verdienen weit mehr mit Skyscraper–Banner, Hockeysticks, Medium Content-Ads usw. Klar, wenn sie Google Ads verwenden, bekommen sie nicht viel, aber das wird auch nur an den Stellen eingesetzt, wo sie keine Werbepartner finden. 1-2 Euro verdienen Blogger mit Ihrer Banner-Werbung. Natürlich verdienen die Media-Partner das meiste. Sie können die Banner für bis zu 60/80 Euro verkaufen. Der Publisher erhält nur einen Bruchteil davon.
    Und warum sollte es keine digitale Markenkommunikation geben? Schon seit Jahren wird viel Geld dafür ausgegeben, Marken im Web bekannt zu machen. Und dafür wird auch viel Geld aus Print und TV abgezogen. Das ist kein Trend, der irgendwann kommt, das wird schon seit Jahren so gemacht. Das sollte ein guter Berater aber eigentlich wissen.

  9. Interessant, wie N. Clasen das Verlagsgeschäft sieht. Nur irgendwo müsste er mal einsehen: Content is King-Kong. Und dafür braucht auch ein Werbestratege Texter, Schreiber, intellektuelle Köpfe.

    Gute Reporter, Graphiker und Redakteure brauchen einen ordentlich bezahlten Schreibraum abseits von TKP-Debatten, um Inhalte für neue Armani-Schuhschnallen zu produzieren.

    Dass sich angesichts der immer erbärmlicheren Honorar-/Gehaltsvorstellungen der Werbewelt immer weniger kreative Menschen mit der Weiterentwicklung befassen, sollte Herr Clasen wenigstens zur Kenntnis nehmen.

  10. Mein Namensvetter, Jürgen Schulze, sagte das er mit Werbeblocker (Adblock Plus usw.) unterwegs ist, weil ihn die Werbung immer Stört, dem kann ich nur zustimmen, bin selbst aber absichtlich ohne einen solchen Werbeblocker unterwegs, wenn man so das Internet durchforstet, egal ob nun Privat oder zu Journalistischen, Recherche Zwecke, die Werbung stört immer, es gibt aber auch klare gesetzliche Vorgaben, die Werbeanzeigen auf Webseiten Kennzeichnen sollen und hier habe ich selbst schon so einige Webseiten gesehen, die sich nicht daran halten, dann wird auch noch der Lesefluss bei Artikeln nach jedem zweiten oder dritten Absatz durch Werbung kläglich unterbrochen. Klar viele Seiten sind auf diese Werbung angewiesen, aber müssen es LayerAds, oder Werbung mitten im Artikel sein? Nein, man kann Werbung auf Webseiten so Platzieren, das sie gesehen aber nicht als störend angesehen wird.

    Man muss die Werbung nicht mitten von Artikeln Platzieren, es reicht davor oder danach, so wird der Lesefluss nicht unterbrochen. Warum können Publisher nicht so wie unter der verlinkten Homepage die Werbung anbringen? Warum werden die Werbebereiche auf den Webseiten nicht überall als Werbefläche ausgewiesen? Meiner Meinung nach sind entweder die Publisher unwissend, was ich aber eher ausschließe, oder die Publisher sind hier viel mehr auf Umsatz aus, je mehr um so besser!

    Aber 4, max. 6 Werbefläche auf einer Webseite sind doch vollkommen ausreichend. Selbst Popups oder PopUnder sind richtig störende Werbeformen, aber, ich komme auf Thema Werbeblocker zurück, wenn so viele Webseiten mit einem Werbeblockern besuchen, muss man diese 10 – 20 % der Umsätze die der Besucher durch einen Werbeblocker nicht macht, kompensieren! Hier nun selbst LayerAds einzusetzen, würde selbst mir nicht in den Sinn kommen, auch wenn diese TKPs von bis zu 5,00 € bringen würden, deswegen ist meiner Meinung nach ein PopUnder das Maximum an einem sich zusätzlich öffnenden Werbefenster.

    Die Reichweite selbst ist, wichtig, auch wenn einzelne Artikel massig und andere wiederum so gut wie keine hat, hier haben Brand-Ads, normalerweise sehr gute Chancen, aber wie auch schon oben Mehrmals erwähnt wurde, die Qualität der Werbung ist ausschlaggebend! Information und Unterhaltung sind die wichtigsten Vorraussetzungen damit werbung auch wirkt.

    Wer jetzt meinen Kommentar nicht versteht, Kryptisch ist mein erster Vorname und so schreibe ich auch!

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