Edelman Trust Barometer: Traditionelle Medien verlieren an Vertrauen

Traditionelle Medien wie Zeitschriften, Zeitungen, Fernseh- und Rundfunksender haben in Deutschland an Vertrauen verloren, liegen aber noch immer vorn, wenn es um Nachrichten geht
Traditionelle Medien wie Zeitschriften, Zeitungen, Fernseh- und Rundfunksender haben in Deutschland an Vertrauen verloren, liegen aber noch immer vorn, wenn es um Nachrichten geht

Traditionelle Medien verlieren in Deutschland an Vertrauen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des diesjährigen Edelman Trust Barometers. Im Verhältnis zu Blogs oder sozialen Netzwerken gelten aber gerade diese Medien noch immer als besonders glaubwürdig. Ebenfalls an Vertrauen eingebüßt hat die deutsche Wirtschaft.

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Die deutsche Bevölkerung steht traditionellen Medien wie Zeitschriften, Zeitungen, Fernseh- und Rundfunksendern skeptischer gegenüber als noch vor einem Jahr. So schwand das Vertrauen in diese Medien laut Edelman Trust Barometer um elf Protzent der und liegt derzeit bei 66 Prozent.

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Quelle: Edelman PR

Traditionelle Medien büßten damit zwar Glaubwürdigkeit ein, stehen aber nach wie vor an erster Stelle, wenn es um Nachrichten und Informationen geht. Ihnen folgen Internetsuchmaschinen wie Google mit 47 Prozent, Blogs und Nachrichten-Websites mit 36 Prozent und soziale Medien mit 31 Prozent.

Gerade im internationalen Vergleich liest sich dieses Ergebnis gut: Weltweit liegt das Ansehen von Suchmaschinen mit 64 Prozent vorne, besonders die junge Generation verlasse sich laut Studie auf Suchmaschinen im Netz. Erst dahinter folgen traditionelle Medien (62 Prozent), Blogs und Websites (63) sowie Social Media (48). Letzter gewannen im vergangenen Jahr sogar an Glaubwürdigkeit (+ 3 Prozent).

Journalisten halten nur 45 Prozent er Befragten für glaubwürdig. Gestiegen ist derweil die Bedeutung von Freunden, Familie und Wissenschaftlern, wenn es um aktuelle Informationen geht.

Auch Vertrauen in Wirtschaft schwindet

Wie die Autoren der Studie feststellen, herrsche in Deutschland allgemein ein Vertrauensrückgang. Während Medien insgesamt neun Prozentpunkte einbüßten, waren es bei Nichtregierungsorganisationen schon zehn und bei Unternehmen sogar 12 Minuspunkte. Der Trust Index, eine Akkumulation der Vertrauenswerte, sank signifikant um sieben Punkte auf 50 Prozent.

Für Unternehmen formulierten die Befragten gleich klare Forderungen mit, um ihre Glaubwürdigkeit zu stärken: So sollten diese mit ihren Produkten und Dienstleistungen einen Beitrag zu einer produktiveren Gesellschaft leisten; 72 Prozent der Befragten glauben zudem, steigende Gewinne und bessere Lebensqualität schließen sich gegenseitig nicht aus. Sie fordern außerdem mehr Sorgfalt und Transparenz, beispielsweise durch dich Durchführung und Veröffentlichung von Testergebnissen sowie glaubwürdige Partnerschaften mit Wissenschaftlern oder NGOs.

Angst vor Veränderung und Innovation

Das sinkende Vertrauen gehe laut Studie auch auf die Innovationsgeschwindigkeit der heutigen Welt zurück, die eine Mehrheit (57 Prozent) der Befragten als zu schnell bewertet. Weil die Veränderungen zu dicht hintereinander erfolgen, schwindet auch hier das Vertrauen in neue Produkte.

„Unternehmen stehen damit vor einem Balanceakt: Sie müssen innovativ sein, um ihre Zukunft abzusichern. Gleichzeitig laufen sie Gefahr, ihre Kunden zu verlieren, wenn sie Geschäftsideen, Produkte und Dienstleistungen zu schnell weiter entwickeln und nicht ausreichend erklären”, sagt Susanne Marell, CEO von Edelman Deutschland.

Grundsätzlich offener für Innovationen sind Entwicklungs- und Schwellenländer wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Indonesien und China (65 Prozent), während Industrieländer wie Deutschland, Frankreich oder Spanien technologischen Veränderungen skeptischer gegenüber stehen (44 Prozent).

Das Edelman Trust Barometer ist eine jährliche Studie der PR-Agentur Edelman zu Vertrauen in und Glaubwürdigkeit von Regierungen, Nichtregiersungsorganisationen, Wirtschaft und Medien, die in diesem Jahr zum 15. mal durchgeführt wurde. Befragt wurden insgesamt rund 33 000 Personen in 27 Ländern, davon jeweils 1000 aus der allgemeinen Bevölkerung und 200 Meinungsführer im Alter von 25 bis 64 Jahren. Meinungsführer bedeutet hier: Sie besitzen einen Hochschulabschluss, liegen mit ihrem Gehalt im oberen Viertel ihres Landes bezogen auf ihr Alter, rezipieren mehrmals wöchentlich Nachrichtenmedien und verfolgen Fragen der öffentlichen Politik.

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Alle Kommentare

  1. >Sie besitzen einen Hochschulabschluss, liegen mit ihrem Gehalt im oberen Viertel ihres Landes bezogen auf ihr Alter, rezipieren mehrmals wöchentlich Nachrichtenmedien und verfolgen Fragen der öffentlichen Politik.

    …und arbeiten in der Medien-Branche 🙂

    Solche Befragungen kann man grundsätzlich vergessen, kein normaler Mensch lässt sich doch heute freiwillig Minutenlang ausfragen.

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