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Burdas DLD am Scheideweg: Was war, was bleibt, was kommt

DLD-Impressarios Burda, Kallen, Czerny, Vardi
DLD-Impressarios Burda, Kallen, Czerny, Vardi

The same Procedure as last Year? The same Procedure as every Year, Hubert! Auch 2015 grüßte jährlich Burdas Digitalkongress DLD. Highlights waren Auftritte von Digital-Helden wie Uber-Mann Travis Kalanick, Web-Wüterich Andrew Keen und Digital-Kommissar Günther Oettinger. Nächstes Jahr zieht die Münchner Digital-Karawane gezwungenermaßen an eine neue Location. Das muss kein Schaden sein.

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Die Highlights aus dem Programm

Als eine Art Stargast wurde am ersten DLD-Tag Uber-Chef Travis Kalanick präsentiert. Uber, das sind die bösen Buben in der Startup-Welt, die Taxifahrten zwischen Privatpersonen vermitteln, was in diversen Ländern und Städten schon zu Aufständen der traditionellen, hoch regulierten, Taxi-Branche geführt hat. Zwischenzeitlich wurden die Uber-Dienste in einigen Städten schon verboten. Der Uber-Talk produzierte die nette Schlagzeile, dass Uber 50.000 neue Jobs in der EU schaffen wolle und eine Partnerschaft mit Städten anstrebe. Der Autor und Internet-Kritiker Andrew Keen sprach tags darauf davon, Kalanick habe sich da seinen Jesus-Anzug übergestreift. Keen vermisste die kritischen Nachfragenund man ist geneigt, ihm zuzustimmen.

Keens Streitgespräch mit TechCrunch-Europe-Mann Mike Butcher war einer der Höhepunkte am Montag. Keen – blitzgescheit und wortgewaltig – verspeiste den unglücklich fragenden Butcher („What about the Arab Spring?“) zum Mittagessen. Hier gibt es einen Mitschnitt des kurzeiligen Schlagabtauschs:

Weiteres Highlight Am DLD-Montag war der Vortrag von Scott Galloway, Gründer des L2-Think Tanks und Marketing Professor an der NYU Stern School of Business. Galloway hetzte das Publikum im völlig überfüllten kleinen DLD-Saal im Schweinsgalop durch eine Number-Crunching-Orgie über Chancen, Risiken und Aussichten der „Four Horsemen“, der Internet-Giganten Amazon, Apple, Google und Facebook. Galloways Fazit in a Nutshell: Apple und Facebook hui, Google und Amazon pfui. Apple habe es als einziger Tech-Konzern geschafft zu einer globalen Luxusmarke zu werden. Facebook besitze eine enorme Durchdringung n der Gesellschaft, wisse extrem viel über seine Nutzer und habe mit Instagram die beste Tech-Übernahme der vergangenen Jahre gemacht. Amazon dagegen operiere zu teuer (zu hohe Kosten für Versand) und stoße beim E-Commerce an Wachstumsgrenzen. Retailer, die sowohl On- als auch Offline präsent sind, hätten laut Galloway die besseren Karten („Brick‘n‘Click“). Und bei Google stagnieren die Umsätze und Gewinne der Cashcow Online-Werbung. Der Aufstieg des mobilen Internets mache dem Such-Titanen zu schaffen. Google+ als Netzwerk erklärte Galloway für tot und Innovationen wie Glass seien ein schlicht Rohkrepierer. Zack, Bumm, 300 Slides in 15 Minuten.

Auf dem DLD in New York vergangenes Jahr, hat Galloway schon mal einen ähnlichen Vortrag gehalten:

Am dritten Tag gefiel EU-Digital-Kommissar Günther Oettinger den Gastgebern von Burda Media, indem er sich erneut öffentlich für eine EU-weite Urheberrechtslösung stark machte. Deutsche Verleger und Skeptiker wie Jeff Jarvis hören die Botschaft vom EU-weiten Leistungsschutzrecht leise heraus.

Explizit hat Oettinger das aber nicht gesagt. Auch in Sachen Fintech, Finanz-Technlogie machte sich Oettinger stark.

Finanztechnologie war eines der heißen Themen auf dem DLD 2015. Vermutlich nicht umsonst zeichnete Burda das deutsche Fintech-Startup Kreditech mit dem Focus Digital Star Award aus. Eine Wahl, die von dem einen oder anderen mit leichtem Stirnrunzeln kommentiert wurde. Kreditech ist in der Branche nicht unumstritten. Das unschöne Wort vom „Zinswucher“ machte die Runde. Naja, die Focus-Jury wird schon ihre Gründe gehabt haben, ausgerechnet dieses Unternehmen auszuzeichnen.

DLD – wie geht‘s weiter?

Im kommenden Jahr wird der DLD definitiv an einem neuen Ort stattfinden. Die aktuelle und sehr bewährte Location im HVB-Forum wurde an einen Investor verkauft, der dort ein Hotel hochziehen will. Ob das tatsächlich so kommt, ist noch nicht ganz raus. Der nebenan befindliche Bayerische Hof tut nämlich alles, um die neue Konkurrenz zu verhindern. Definitiv wird das HVB-Forum für den DLD aber 2016 nicht mehr zur Verfügung stehen. Das ist einerseits schade, denn die verwinkelte Location ist prinzipiell ideal für einen Digital-Kongress, bietet zwei schöne Säle, Foyers und genügend Rückzugsmöglichkeiten für Interviews und vertrauliche Gespräche. Andererseits kann ein wenig frischer Wind Burdas  Digitalsause nur gut tun. Nach vielen Jahren im HVB-Forum fühlten sich regelmäßige Teilnehmer fast in einer Zeitschleife. Und jährlich grüßt der DLD. Außerdem war das HVB-Forum mit der Zahl der Teilnehmer notorisch überlastet. Idealerweise würde Burda den Location-Wechsel zum Anlass nehmen, das DLD-Konzept grundlegend zu überarbeiten. Vorschlag für das nächste Motto: „Change is Everything“.

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Wie erfolgreich ist der DLD?

Laut Auskunft der Veranstalter ist der DLD eine sehr profitable Veranstaltung. Ca. 1.000 Teilnehmer und rund 150 Speaker drängelten sich drei Tage lang auf der Durchreise zum World Economic Forum in Davos in Münchens digitalem Hotspot. Die reguläre Kongressgebühr beläuft sich auf happige 2.750 Euro. Es gibt allerdings auch verbilligte Tickets und solche, die an Habenichtse, wie Studenten oder Startup-Künstler, verschenkt werden. Und die in üppiger Zahl versammelten Medienfuzzis zahlen natürlich auch nix. Für Burdas Image ist der DLD nach wie vor Gold wert. Und wenn ein paar Euros dabei hängen bleiben – umso besser.

Der Flicker-Blick

Bemerkenswert, wie gering die Aufmerksamkeitsspanne der digitalen Elite ist. Bei Vorträgen war immer zu beobachten, dass kaum jemand den Diskussionen auf der Bühne lauscht. Gefühlte 80 Prozent des Publikums starrte in Handy, iPad oder Laptop und twitterte, bis die virtuelle Tatstatur glühte. Bei persönlichen Gesprächen, sucht der Blick des Gegenübers ständig nach weiteren bekannten Gesichtern in der Menge. Konzentration ist eine aussterbende Kunst.

Beinruckend: Die Durchdringungsrate des iPhone 6. Mit dem iPhone 5 oder 5s gehört man beim DLD schon zur Old-School-Fraktion. 

Literaturhaus- der inoffizielle DLD-Hotspot

Wem der Trubel im engen HVB-Forum zu viel wurde, zog sich ins nahe Café Literaturhaus zurück. Zeitweise war das weitläufige Café fast komplett von DLD-Personal bevölkert. Auch Burda-CEO Paul Bernhard Kallen hielt dort zuweilen diskret Hof.

Flanell-Männchen im Aggro-Modus

Wenn einer viel Kohle für ein DLD-Ticket zahlt, will er auch einen Return on Investment. Vielleicht der Grund dafür, dass der eine oder andere Anzugträger kiebig wurde, wenn er bei angesagten Vorträgen nur noch einen Stehplatz mit Tuchfühlung in der letzten Reihe bekam. „Die lassen immer noch Leute rein, die spinnen!“ „Können Sie mal zur Seite, ich seh‘ nix!“ Tja, liebe Flanellmännchen, das ist halt das DLD-Feeling. Nehmt Euren Laptop mit, hockt Euch auf den Boden und lasst beim nächsten mal den Suit daheim. Stand sogar in der Einladung im Dresscode („No Suits!“)

Und sonst so?

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Der Verleger

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Der CEO

In den Fluren hingen Porträts von Burda-, DLD und Internet-Granden im Stile klassischer Meister. Nette Idee. Hunger mussten die Kongress-Teilnehmer auch nicht leiden. Wer fast 3.000 für das Ticket latzt, durfte sich morgens ach mit frisch gebratenen Omeletts verköstigen. Klingt banal, darf man aber nicht vernachlässigen. Da gibt‘s nämliche keine App für.

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Alle Kommentare

  1. also ich war schwer enttäuscht von dem DLD dieses Jahr … voller Erwartungen hin aber selbst die hochkarätigsten Redner haben meine Erwartungen nicht erfüllt.. viel chi chi und viele selbst ernannte serial entrepreneurs .. aber sehr viel schatten.. und ehrlich gesagt die mobile webseite des dld geht noch immer nicht und event app hatten sie auch keine .. also im grossen und ganzen für mich bei dem grossen hype dann doch sehr enttäuschend gewesen .. aber ich würde auch nie einen MCKinsey anheuern.. sondern eher auf einen besseren aber günstigern setzen .. obwohl MCK vermutlich das bessere Image hätte.. lange hält der Schein des DLD nimmer

  2. Lieber Stefan Winterbauer,
    wirklich ein guter Mix von people und Info, liest sich richtig gut.
    Und wenn Sie sich jetzt über dieses Lob freuen und lächeln, machen Sie rasch ein selfie und setzen das als neues Portrait neben Ihre Signatur. Wie wärs?

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