Die „Tagesschau“ als „Lügenpresse“ – wenn Dr. Kai Gniffke sauer wird …

„Tagesschau“-Chef Kai Gniffke, Bilder, die in der „Tagesschau“ um 20 Uhr nicht zu sehen waren
"Tagesschau"-Chef Kai Gniffke, Bilder, die in der "Tagesschau" um 20 Uhr nicht zu sehen waren

Fernsehen Man kann mittlerweile die Uhr danach stellen, wann dem ARD-Aktuell Chefredakteur Dr. Kai Gniffke wieder die Gäule durchgehen. Aktuell rechtfertigt er sich in traditioneller Gutsherren-Manier im "Tagesschau"-Blog dafür, dass die ARD-Hauptnachrichten am Sonntag manipulative Bilder von der "Je suis Charlie"-Kundgebung in Paris gezeigt haben. Die "Tagesschau" hatte den Eindruck erweckt, Staatschefs seien an vorderster Front mitmarschiert, was nicht der Fall war. taz-Chefin Ines Pohl setzte den Umgang mit Bildern in dem Fall in Beziehung mit dem Unwort von der "Lügenpresse".

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taz-hefin pohl sagte der dpa wörtlich:

Leider belegt der Umgang mit den Bildern des Pariser Marsches  der Mächtigen, dass das Wort ‘Lügenpresse’ nicht nur ein Hirngespinst der Pegida-Anhänger ist, sondern dass die Wirkung der Bilder – übrigens auch für deutsche Medienmacher – manchmal wichtiger ist als die Dokumentation der Realität.

Das kann man so sehen. Jedenfalls, wenn man nicht Kai Gniffke ist. Die „Tagesschau“-Ausgabe vom 11. Januar erweckte eindeutig den Eindruck, dass Staats- und Regierungschefs in der ersten Reihe des Demonstrationszuges marschierten. Die Bilder waren so montiert, dass Frankreichs Regierungschef Hollande zunächst gezeigt wurde, wie er Hand in Hand mit anderen Staaatschefs – auch der deutschen Kanzlerin – marschierte und anschließend Hinterbliebene der Terror-Opfer umarmte. Es entstand der Eindruck, die Politiker befänden ich im Zentrum des Geschehens, inmitten der Demonstranten. Doch das war nicht so.

Die Politiker marschierten getrennt vom Volk in einem gesicherten, abgesperrten Bereich. Das ist aus Sicherheitsgründen verständlich, das hätte die „Tagesschau“-Redaktion mit einem Nebensatz erklären können. Dazu hätte es kein aufwändiges, technisches Equipment gebraucht, wie Gniffke motzig Glauben machen will  („Sorry, dass Kameraleute und Fotografen nicht immer einen Hubwagen zur Hand haben.“). Dazu hätte es nur etwas guten Willen gebraucht und ein Verständnis für dringend notwendige Transparenz.

Stattdessen verweist Gniffke auf die Live-Übertragung vom Nachmittag, während der die getrennt marschierenden Politiker im Bild waren. Obwohl diese Live-Berichterstattung überhaupt nicht kritisiert wurde. Sonst lässt Gniffke auch kaum eine Gelegenheit aus, um die herausragende Bedeutung der 20-Uhr-„Tagesschau“ als Bollwerk der Seriosität herauszukehren. Warum handeln er und seine Redaktion nicht danach? Mit solchen sinnlosen Schludrigkeiten und Mini-Manipulationen versaut die „Tagesschau“ sich und den Medien nämlich den Ruf und leistet dem Vorwurf von der „Lügenpresse“ Vorschub.

Das ist es wohl, was taz-Chefin Pohl meinte und da lässt sich schwerlich widersprechen. Dass Gniffke einmal mehr mit der Trotzigkeit eines Kindes argumentiert („Mir langt’s“, „Es macht mich richtig sauer.“) macht die Sache nicht besser.

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Alle Kommentare

  1. Präzision bei der ARD:
    Gestern im Videotext……schalten 12 Mio täglich den VT ein….sind im Jahr 44 Mio.
    Die können nur rechnen, wenn es um Intendantenbezüge geht.

  2. Sorry, mich nervt aber das Kniffke-Bashing auch langsam.
    In diesem Fall ist die Kritik m.E. total berechtigt. Aber gehts nicht auch sachlicher? Im Ton, meine ich.
    Für mich hat Frau Pohl es wirklich auf den Punkt gebracht. Interessant finde ich auch den Umstand, wie „Panorama“ bei den Pegida-Interviews versucht hat, genau dieses Zusammenschneiden zu unterlassen.
    Den Wert dieses Ansatzes hat man bei der Tagesschau offenbar nicht nicht erkannt!

  3. Liebe meedia-Kollegen, jetzt reicht es. Bitte machen Sie dem Kommentar-Spuk aus der braunen Ecke ein Ende! Als Journalist und langjähriger interessierter Leser von meedia möchte ich nicht länger von der üblen Soße belästigt werden, die Pegida-Mitläufer, Verschwörungstheoretiker, Ulfkotte-Fans und rechtsextreme Trolle auf diesem Portal seit Wochen anrühren. Hass gegen „dahergelaufene Fremdstämmige“, Kampagnen gegen die angebliche „Lügenpresse“ und die vermeintliche „Diktatur der ‚Demokraten'“ haben auf meedia nichts zu suchen. Ein so widerwärtiger Kommentar wie der von „J.C., geb. Püschl“ zeigt, wie aktuell Bertolt Brechts berühmtes Wort leider immer noch ist: „Der Geist ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

    1. Soviel zum Thema Pressefreiheit und freie Meinungsäußerung.
      Nach den Terroranschlägen auf Freiheit, Andersdenkenden, Demokratie und freie Presse, sollten Sie Ihren Beitrag überdenken.

  4. In linksextremen Blogs ist zu verfolgen, daß sich einige Antifa-Kämpfer aufregen, daß die Presse gegenüber PEGIDA abgerüstet hat, und man unbedingt nun im Internet gegen diese Verharmlosung von PEGIDA „dagegenhalten“ müsse!

    @J.C., geb. Püschl
    leg dich wieder hin und träume weiter vom „bedingungslosem Grundeinkommen“

  5. Ich möchte nicht unbedingt behaupten, dass die Systemmedien lügen aber sie sagen gewiss oftmals die Unwahrheit. Im übrigen desinformieren sie, verschweigen Tatsachen geschickt, tricksen, schönen und verzerren oder berichten von vielen Dingen ansatzweise erst gar nicht! Das die Menschen sich manipuliert und betrogen fühlen ist einfach nur mehr als legitim! Das dies auf Dauer in starke Abneigung umschlägt, berücksichtigt man die Tatsache, dass man dafür noch gezwungen wird zu zahlen, ist doch absolut nachvollziehbar!

  6. Wie die ÖR teilweise arbeiten, kann man sich auch hier noch einmal zu Gemüte führen. Der Rausschmiss von Frau Hermann, inklusive Kommentar eines Historikers(?)/GeschichtsEXPERTEN, bei Johannes B. Kerner! Ein Bilderbuchbeispiel, wie man über Geschichts-Wortverdrehengen, Medienkritiker mundtot bekommt! Etwas Braunes bleibt schließlich immer hängen!

    https://www.youtube.com/watch?v=_p7Esfuk4mU

  7. Wozu die ganze Aufregung? Wer die einschlägigen Programme schaut, der möchte doch schließlich auch belogen werden! Nur weil man gezwungen wird, dafür zu zahlen, braucht man noch lange kein Gebrauch davon zu machen!

  8. „Auch das Meedia-Forum wird mittlerweile von Pegida-Mitläufern mit Kommentaren überschwemmt.“

    Verstehe ich nicht ganz, oder muß man Pegida-Mitläufer sein, um erkennen zu können, dass die Medien oftmals unseriös berichten? Darf man diese Frage überhaupt stellen? Bin ich jetzt schon ein Nazi?

    1. @Graupeneintopf

      Zweifeln Sie die korrekte Berichtanstattung an, dann denken Sie (huuuh……Lügenpresse)

      Denken Sie dieses was PEGIDA sagt sind Sie PEGIDA

      Sind Sie PEGIDA sind Sie schon angebräunt, dafür hat die Presse schon gesorgt.

      Brainwash hatt shon gesiegt!

      Das PEGIDA nun aufgefordert hatt, daß sich hier lebende, friedlich integrierte Muslime sich bei Pegidamärschen beteiligen sollen, wurde von den Medien stillschweigend negiert.

      „Passt ja nicht in die „Matrix“ !

  9. In Kriegszeiten haben die Medien stets „verzerrt“ berichtet! Und wir haben Krieg, einen Krieg der Deutungshoheit, gegen die Meinungsfreiheit!

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