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„Dummer Reflex“: Augenzeuge bereut Mord-Video von Charlie Hebdo-Attentätern

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Von seinem Balkon aus hatte Jordi Mir gefilmt, wie Cherif und Said Kouachi den Polizisten Ahmed Merabet erschossen hatten. Sofort postete er die Sequenz bei Facebook. Sein 42-Sekunden-Clip des Mordes ging erst durch die sozialen Medien und wurde schließlich zum visuellen Zeugnis der Anschläge von Paris. Mittlerweile bereut der Ingenieur allerdings, dass er das Material aus einem "dummen Reflex“ heraus bei Facebook hochgeladen hatte.

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In einem ausführlichen Interview mit der Associated Press erzählt der Ingenieur die Geschichte des Films: So hätte er aus „totaler Panik“ heraus gefilmt und den Clip gepostet. „Ich musste mit jemandem sprechen”. “Ich war alleine in meinem Appartment. Ich habe das Video bei Facebook hochgeladen. Das war mein Fehler.”

Alleine diese offenen Worte dürften ausreichen, um aus Mir, seinen Film und seiner Reaktion, einen sehr wichtigen und nachhaltigen Bestandteil vieler kommender Debatten über Social Networks, ihre Wirkung und ihre Nutzung zu machen.

Allerdings wusste der Mittfünfziger während er filmte noch gar nichts von der Attacke auf die Satire-Redaktion. Er dachte vielmehr, dass die beiden Bewaffneten gerade eine Bank überfallen hätten. Umso erstauner war er, als er eine Stunde nach dem er das Material bei Facebook hochgeladen hatte, seinen Film bereits im Fernsehen sah.

Auf der Tonspur ist zu dem zu hören, wie einer der Kouachi-Brüder Merabet zuruft: „Du willst uns töten“. Dies verneint der Polizist, dann drückt der Terrorist trotzdem ab.

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Bereits nach rund 15 Minuten hatte Mir wegen seines Verhaltens ein derart schlechtes Gewissen, dass er den Clip bei Facebook wieder löschte. Doch da war die virale Verbreitung des Augenzeugenmaterials nicht mehr zu stoppen. Längst hatte sie ein anderer User bei YouTube hochgeladen, von wo aus der Film seinen Weg auf ein niederländisches Nachrichtenportal fand. Von dort verbreitete sich der Link weiter.

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Die Reaktion von Mir ist umso erstaunlicher, weil sein kleiner Film zu den stärksten visuellen Erinnerungen der Anschläge von Paris gehört. Obwohl er es nicht wollte, schuf er wohl einen modernen Klassiker der Terror-Fotografie. So bereits am Donnerstag die Bild, die Times aus London, die New York Times und auch El Pais hatten mit einem Ausschnitt aus dem Clip aufgemacht.

Der Mittfünfziger hat vor allem wegen der Familie des getöteten Polizisten ein schlechtes Gewissen. Für sie sei es schlimm, dass sie immer und immer wieder den Mord an Ahmed Merabet sehen müssten. Andererseits war es vor allem sein Handy-Film, der der Welt die Grausamkeit der Attentäter bildlich vor Augen führte.

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Alle Kommentare

  1. Ich verstehe seine Reaktion – und dennoch war es wichtig, dass das Video da war – um die Brutalität der Terroristen zu zeigen! Ja, das Video war wichtig – und es ist auch gut, dass die entscheidenden Szenen nun verpixelt sind – der Mord ist nicht mehr öffentlich im Detail zu sehen.
    Aber jetzt reden sich die Verschwörungsdeppen wieder in Rage: auf dem Blogspott „Alles Schall und Rauch“ verbreiten sie die Meinung, der Polizist sei nicht getötet worden, das zeige der Einschlag der Kugel im Gehweg (mit Staubwolke). Was diese Idioten wohl nicht wissen: Ein MG-Geschoss, das aus nächster Nähe auf einen Menschen trifft (der Polizist wurde im Rumpf getroffen), durchlägt einen Menschen mit Leichtigkeit und hat noch soviel Energie, dass der Aufprall auf dem Pflaster ein Loch dort hinterlässt. Aber diesen Leuten ist eh nicht mehr zu helfen, sie verbiegen und verdrehen jede Wahrheit zum Hirngespinst.

  2. Was hätte er erst für ein schlechtes Gewissen, wenn Bevölkerungsteile auf einander losgegangen wären?

    Er hätte mit dem Material zu einem Pressemedium gehen sollen.
    Manchmal sitzen da Profis die das Für und Wider besser abschätzen können!

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