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Rechtsradikalismus – ein Monster mit vielen Köpfen: Der neue Dortmund-„Tatort“ „Hydra“ im MEEDIA-Check

ARD/WDR Tatort: Hydra HYDRA, Bild: WDR/Thomas Kost
ARD/WDR Tatort: Hydra HYDRA, Bild: WDR/Thomas Kost

Hydra ist ein vielköpfiges, schlangenähnliches Ungeheuer aus der griechischen Mythologie. Verliert Hydra einen Kopf, wachsen ihr zwei neue – und der Kopf in der Mitte ist unsterblich. "Hydra", so heißt auch der neue "Tatort" aus Dortmund, der von der rechtsradikalen Szene in der Ruhrgebietsstadt handelt: Der Anführer der Gruppierung "Nationale Soziale" wird ermordet und sein Nachfolger steht schon bereit. Zwei der vier Kommissare sind persönlich in den Fall involviert, für sie wird es besonders emotional – und gefährlich.

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Die Story
Die vier Dortmunder Kommissare suchen den Mörder von Kai Fischer, der als Kopf der örtlichen Neonazi-Szene galt. Dessen hochschwangere Frau ist sich sicher, dass die Leiterin einer Beratungsstelle gehen rechte Gewalt hinter der Tat steckt. Ein Motiv hätte sie gehabt: Auch ihr Mann war das Opfer eines Mordanschlags geworden – und dringend tatverdächtlich war damals Kai Fischer. Doch die Indizien hatten nicht für eine Überführung ausgereicht. Besonders heikel werden die Ermittlungen für Daniel Kossik und Nora Dalay: Kossiks Bruder Tobias gehört zum harten Kern der rechtsextremen Gruppierung „Nationale Soziale“ und Dalay wird aufgrund ihrer türkischen Abstammung von den Rechtsradikalen schwer gedemütigt.

Die Story hinter der Story
Treue und Verrat.

Der Satz zum Mitreden
„Was ist denn mit den Büchern, die im dritten Reich verbrannt wurden? Lesen Sie die oder weigern Sie sich?“, fragt Nora den rechtsradikalen Nils Jacob, nachdem sie erfährt, dass dieser Germanistik studiert.

Was taugt das Drehbuch?
Nach 40 Minuten des „Tatorts“ wird das Tempo deutlich angezogen, wenn die junge Kommissarin Nora Dalay ins Visier der rechten Szene gerät. Die Demütigungen sind schmerzhaft anzusehen und die Schauspielerin Aylin Tezel zeigt einmal mehr, dass sie eine großartige Schauspielerin ist. Mit Noras Verzweiflung und beinah verbittertem Tatendrang spielt sie ihre drei Kollegen gekonnt an die Wand. Tempo und Niveau der Story bleiben von dort an bis zum Ende des Films konstant oben.

Wo fängt Rechtsradikalismus eigentlich an? Diese Frage stellt der Dortmunder „Tatort“ „Hydra“ gekonnt in den Vordergrund und zeigt deutlich, wie schwer es sein kann, Grenzen zu ziehen. „Ein schlaues Wort und schon ist man ein Nazi.“ Angesichts der Pegida-Bewegung hat dieser (ironisch mitfühlende) Satz von Kommissar Faber eine traurige Aktualität.

Sind die Ermittler in Form?
Ja. Und das trotz Zickereien, gebrochenen Herzen und Provokationen. „Hydra“ ist nicht nur eine Geschichte über Rechtsradikalismus in Dortmund, sondern auch über ein vierköpfiges Team, das trotz zahlreicher interner Konflikte gute Arbeit abliefern muss.

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Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
Dortmund gilt als Hochburg der rechtsradikalen Szene. Hier ist die Anzahl der Straftaten von Rechtsextremisten im zurückliegenden Jahr um 30 Prozent gestiegen. 115 politisch rechts motivierte Straftaten wurden registriert, darunter zehn Körperverletzungen. Im ersten Halbjahr 2013 waren es noch 89 Straftaten gewesen (Quelle: WDR/ Landesregierung NRW, Oktober 2014).

Eher peinlich
Dramaturgisch unlogisch ist die Szene, wenn eine Polizistin nachts im Auto an ihrer Kollegin Nora vorbeifährt und ihr glaubt, dass „alles okay“ sei obwohl sie offensichtlich verstört ist.

Offene Frage
Wie geht es mit Daniel Kossiks Bruder weiter?

Fazit
In diesem Dortmunder „Tatort“ gibt es wenig zu lachen und das Zuschauen tut – vor allem aufgrund der Aktualität – weh. Trotzdem oder gerade deswegen lohnt sich das Einschalten.

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1-10
9

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Alle Kommentare

  1. Zitat:
    “Ein schlaues Wort und schon ist man ein Nazi.” Angesichts der Pegida-Bewegung hat dieser (ironisch mitfühlende) Satz von Kommissar Faber eine traurige Aktualität.

    Das macht neugierig auf den Film. (und die Köpfe!)

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