„Rides of Glory“: Uber analysiert One-Night-Stands seiner Nutzer

Uber-Deutschlandchef Fabien Nestmann nennt die Datenpraxis des Fahrdienstes „analytische Spielchen“
Uber-Deutschlandchef Fabien Nestmann nennt die Datenpraxis des Fahrdienstes "analytische Spielchen"

Digital Economy Der Taxi-Ersatzdienst Uber wertet das Fahrverhalten seiner Nutzer aus und analysiert deren Sexleben gleich mit: Wie Berliner Zeitung und die ARD-Sendung "Panorama" berichten, hat das Unternehmen Statistiken aufgestellt, aus denen hervorgeht, wann und wo Nutzer womöglich One-Night-Stands hatten. Die Analysten nennen diese Fahrten "Rides of Glory".

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„Heute werden wir etwas emotional“, leitet der Blogeintrag der Uber-Mitarbeiter ein, der die Ergebnisse ihrer Fahranalysen vorstellt. Der Beitrag vom 26. März 2012 wurde mittlerweile gelöscht, ist hier aber noch zu lesen. Im ersten Abschnitt heißt es weiter: „Ihr wisst, Uber liebt euch und, meine Güte, manchmal ist es schön zu denken, ihr liebt uns auch. Aber wir wissen, dass wir nicht die Einzigen in eurem Leben sind und wir wissen, dass ihr manchmal woanders nach Liebe sucht.“

„Wir leben jetzt in einer Uber-Welt“

Dann erklären die Verfasser, was sie herausgefunden haben. Während sie mit den Daten des Fahrverhaltens herumspielten, hätten sie den sogenannten „Ride of Glory“ – übersetzt „Fahrt des Ruhms“ – entdeckt: Dazu gehören Uber-Nutzungen an Freitagen und Samstagen zwischen 22 Uhr und 4 Uhr morgens. Die Nutzer fuhren dabei innerhalb von sechs Stunden vom vorher angefahrenen Ziel erneut zu einem anderen. Die Abholung erfolgte dabei in einem Radius von rund 160 Metern um das erste Ziel herum. Die Uber-Analysten werteten zudem US-Städte und Stadtteile aus, in denen solche Fahrten besonders häufig vorkamen und veröffentlichten Karten zu den Daten.

Dann resümieren sie selbstgefällig: „Die Welt hat sich verändert und die Tage des „Walk of Shame“ sind vorbei. Wir leben jetzt in einer Uber-Welt“.

Nestmann verteidigt Praxis als „analytisches Spiel“

Die ARD-Sendung „Panorama“ und die Berliner Zeitung haben die Firma nun mit dieser Praxis konfrontiert. In einem Interview verteidigte Deutschlandchef Fabien Nestmann sie als „analytisches Spiel“, um das Nutzungsverhalten möglichst genau vorhersagen zu können und dadurch das Angebot des Fahrdienstes zu verbessern. Daten würden demzufolge nur auf ausdrücklichen Wunsch hin gelöscht.

Zu den Datenspielchen gehören nach Recherchen der Journalisten auch Informationen darüber, wohin die Nutzer wollen und nicht nur der Ort, an dem sie abgesetzt werden. Uber wertete dazu Vorlieben für bestimmtes Essen und Hotels aus. Offenbar zeigen diese Analysen Wirkung: So könnte der Konzern eigenen Angaben zufolge in 74 Prozent der Fälle das endgültige Ziel einer Person korrekt vorhersagen.

Nestmann verweist in dem Interview darauf, dass die Daten ausschließlich im aggregierten und anonymisierten Zustand verwendet würden. Spätestens seitdem Uber-Manager Emil Michael im November unter Druck geriet, weil er unliebsame Journalisten mit dem internen Tracking-Feature „God View“ ausspionieren wollte, dürfte das aber angezweifelt werden.

Gegenüber der Berliner Zeitung und der ARD-Sendung „Panorama“ kritisiert Digitalexperte Sascha Lobo den Missbrauch der Nutzerdaten durch Uber. „Es ist dringend überfällig eine Diskussion darum zu führen, was sich alles mit diesen Daten anstellen lässt“, so Lobo.

„Panorama“ sendet am Donnerstag, dem 8. Januar um 21.45 Uhr ein Spezial zum Thema „Die schöne neue Welt der Share Economy„, in dem Uber behandelt wird.

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Alle Kommentare

  1. Was die amerkanischen Unternehmen ganz entspannt mit unseren Daten anstellen, ist der feuchteste Traum, den die Stasi je hatte. Meine Konsequenz daraus ist, möglichst wenig Daten für Amazon, FB usw. zur Verfügung zu stellen. Ich kaufe lieber in Deutschland ein oder verwende deutsche Lieferanten, auch wenn sie etwas teurer sind oder weniger Service haben. Uber und Konsorten kommen für mich nicht in Frage, selbst wenn ich den Weg zum Ziel laufen müsste.

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